»Der Teschner« – das aktuelle Druckereitechnikfachbuch


Da liegt er nun, der neu überarbeitete „Teschner“ (in der 14. Auflage!), frisch erschienen bei Christiani, schwergewichtig und gut nach frischer Farbe duftend. Während des Druckereitechnik-Studiums galt er für uns Studenten mit einem leichten Nasenrümpfen eher als das Fachbuch für Berufs- und Technikerschule, verfügten aber selber auch nur über das Schweizer Fachbuch „Allgemeine Fachkunde der Druckereitechnik“. Im Jahr 2000 aber dann veröffentlichte der Springer Verlag Heidelberg Helmut Kipphans „Handbuch der Printmedien“, welches nicht nur alles bisher gekannte um vieles übertraf, sondern auch inhaltlich hochaktuell war und sehr in die Tiefe ging. Seitdem verfügte die Branche über eine unantastbare Fachbibel, oft zitiert und wie das Allerheiligste verehrt.

Nach 17 Jahren aber ist über das Aktualitätsdefizit des „Kipphan“ nicht mehr hinwegzusehen. Als Dozent für Printproduktion würde ich gerne Seminarteilnehmern ein aktuelles Buch empfehlen können. Und so führte ich mir doch endlich mal die Neuausgabe des „Teschner“ zu Gemüte: Leider nicht so schön typografisch gestaltet wie das Springer-Fachbuch (Helvetica als Grundschrift), aber diese Hürde muss genommen werden. Meine inhaltliche Prüfung beginnt mit der Farbdichte D, welches bekanntlich der negative dekadische Logarithmus des Reflexionsfaktors R ist, sie wird ausführlich und anschaulich beschrieben. Dann suche ich nach dem High Speed Inkjet (Hochleistungs-Tintenstrahldrucksysteme), das Thema, welches die Drupa 2016 stark dominierte. Und siehe da, selbst die neuesten Maschinemodelle wie Heidelbergs Primefire oder KBAs RotJet fehlen nicht, die noch (immer auf sich wartenden lassenden) Nanography-Druckmaschinen von Benny Landa allerdings werden ausgelassen. Bei weiterem Blättern fallen mir im Kapitel Druckverarbeitung die besonderen Bindetechniken von Kösel für flexible Bücher ins Auge, die hier ihren Platz finden. Ein großes Kapitel ist sehr anschaulich bebildert den „spezifischen Druckprodukten“, wie dem Dekordruck, Shrink Sleeves oder Inmould-Etiketten gewidmet. Auch ein großes Kapitel über die Herstellung der Materialien (Zutaten) von Papier, Druckfarbe und Folien fehlt nicht. Eine Beschreibung aber, wie und warum Online-Sammelformdruckereien funktionieren, auch in Sachen vollautomatischer Formzusammenstellung oder Lean Management, findet sich leider nicht im Buch.

Fazit: Auch wenn mir der „Kipphan“ immer noch sehr nahe am Herzen liegt, hat der aktuelle „Teschner“ durchaus Potenzial, in dessen Fußstapfen zu treten. Wer also mal Lust auf tiefergehende Einblicke in die Druck- und Medientechnik jenseits von eher oberflächlichen Veröffentlichungen wie das bereits vergriffene „Well done!“ (Hermann Schmidt, Mainz, 2. Auflage) besitzt, dem sei das Buch ohne Einschränkung wärmstens empfohlen (ISBN 978-3-95863-239-4, 76,80 Euro).   Matthias Hauer

 

Druck ist quicklebendig – PrintStars für unsere Druckpartner


Auch das darf, nein, muss! an dieser Stelle auch mal gesagt sein: Unsere langjährigen Druckpartner Kösel und Eberl sind große Absahner bei den diesjährigen »PrintStars«, die im Oktober vom Magazin »Deutscher Drucker« im Rahmen der PrintNight in Berlin verliehen wurden. Kösel erhielt für die Publikation »Galaxi 2.0« der Papier Union den Bronzepreis in der Kategorie »Corporate Books«, den Sonderpreis für Printveredelung und zudem den DiD-Award für innovative Druckweiterverarbeitung. Und Eberl erzielte Gold sowohl in der Kategorie »Geschäftsberichte« mit dem der Evangelischen Darlehensgenossenschaft, als auch in der Kategorie »Corporate Books« für das »Mini Roadbook 2014/2015«. Außerdem kam Ulrich Eberl, geschäftsführender Gesellschafter, mit dem FDI-Sonderpreis für »Herausragende Unternehmer« aufs Stockerl.

Gleich zwei Produkte der tgm schafften es in die Nominierungsrunde: In der Kategorie Bücher kam Kösel in die engere Auswahl mit dem letztjährigen Programm der tgm, »Raster und Revolte«, Gotteswinter und Aumaier in der Kategorie »Corporate Books« für die tgm-Selbstdarstellung »Das A bis Z der Typographischen Gesellschaft München«.

Die ausführliche Dokumentation zu den PrintStars gibt es hier: http://www.print.de/PrintStars/Ein-Hoch-auf-die-besten-Printprodukte-des-Jahres-und-ihre-Macher!_7697

Die tgm freut sich mit den Preisträgern und schüttelt fröhlich die Sektflaschen. Herzlichen Glückwunsch!

 

Neuer Munken Guide für ungestrichene Papiere


War schon der im Jahre 2002 erschienene „Munken Guide für ungestrichene Papiere“ das hilfreichste Vademecum, was die Papierindustrie einem Gestalter, Drucker oder Lithografen an die Hand geben konnte, so steht die längst fällige und gut überarbeitete Nachfolgepublikation der ersten in keinster Weise nach. Der Munken Guide (Übertitel „Art Workshop“) schildert die Fertigung von Naturpapier, dessen Eigenschaften und beantwortet wichtige Fragen bei der Repro: Rasterweite, Tonwertzuwachs, Gesamtfarbauftrag, Anwendung von ICC-Profilen (die Arctic ja obendrein zum kostenlosen Download anbietet!); ergänzt wird das Ganze mit kurzen Kapiteln über das Drucken in verschiedenen Verfahren und die Weiterverarbeitung. Der Meinung des Rezensenten nach ist der Guide ein absolutes Muss für jeden professionellen Gestalter und Produktioner. Er ist in limitierter Auflage bei Arctic erschienen und kostet im Munken Shop auf www.arcticpaper.com 19 Euro. Die deutschsprachige Ausgabe findet sich dort leider nicht (mehr?), vermutlich dürfte der Guide aber auch über die Papierhändler der Munken-Papiere, 2H und Papyrus, zu beziehen sein.

Hauttöne abgleichen mit dem Pantone Skin Tone Guide


Neben den Grautönen stellen die Hauttöne die kniffeligsten bei der Reproduktion von Bildern dar. Hand aufs Herz: Wem ist es noch nicht passiert, dass eine abgebildete Person in der eben frisch gedruckten Broschüre optisch nach Bluthochdruck oder Sonnenbrand zu neigen scheint? Vor allem bei Produktionen mit kleinem Budget, wo die Beauftragung eines Reprostudios ausnahmsweise mal nicht drin ist, hilft der neue Pantone Skin Tone Guide, diese Farbtöne exakter und somit sicher zu definieren. Der Fächer besteht aus 110 Karten, die mittels Guckloch auf analoge Vorlagen oder Proofs gelegt werden können. Damit könnten, so Pantone, Hauttöne der verschiedensten Ethnien und Altersgruppen definiert werden. Die Farbwerte sind nicht nur für den Druck in den Prozessfarben CMYK angegeben, sondern freilich auch für Bildschirmmedien in sRGB-Werten. Der Fächer – zu beziehen über www.pantone.de – kostet 84 Euro.

Typofikation Nr. 9


Dieter Rams’ neunter Grundsatz zur guten Gestaltung lautet:
Gutes Design ist ökologisch


 

Ein Designer kann zur Einsparung von Rohmaterial und Energie während des Herstellungsprozesses eines Produktes beitragen, zum Beispiel, indem er die Materialien bewusst wählt. Er kann auch seinen Teil dazu beitragen, dass bei der Benutzung des Produktes Energie gespart wird. Er kann ebenfalls dafür sorgen, dass das Produkt benutzt wird. Er kann weiter dafür sorgen, dass das Produkt das Gleichgewicht unserer Umwelt nicht stört. Und das meine ich im materiellen Sinne – zum Beispiel, indem gewährleistet wird, dass ein Produkt nicht so leicht verschmutzt und nicht mit Hilfe von vielen Reinigungsmitteln gesäubert werden muss.

War das Schlagwort »Ökologie« in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch als »Spinnerei« einiger »Jute statt Plastik«  und »Jesulatschenträgern« abgetan und belächelt worden, so ist es heutzutage in aller Munde und besitzt als unternehmerisches Ziel der produzierenden Unternehmen, aber auch als (Fast-)Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft – zumindest beim Bildungsbürger – einen hohen Stellenwert. »Nachhaltigkeit« hat den Begriff »Ökologie« inzwischen fast verdrängt, um der in zukünftigen Generationen vorausschauenden Bedeutung gerechter zu werden.

Auch wenn sich Rams‘ Grundsätze hauptsächlich an die Produktdesigner richten, so lassen sie sich selbstverständlich genauso gut auf Architektur, auf Mediengestaltung und -produktion anwenden, bis hin zu den Dingen des täglichen Gebrauchs. Hier beispielsweise zählen die Fragen, ob denn Hygienepapiere wirklich aus Frischzellstoff hergestellt werden müssen, wie viel Energie Fernseher, Computer und andere Geräte im Stand-by-Modus verbrauchen dürfen, ob der Weg an den Arbeitsplatz, in die Schule oder zum Einkaufen per SUV zurückgelegt werden muss, wie viel Energie und seltene Erden für die Herstellung von Mobiltelefonen, Tablet-PCs und eBook-Lesegeräten eingesetzt wird, ob der Frischwurstaufschnitt statt in Papier gewickelt in einer aufwändigen Vakuumfolienverpackung erstanden wird, ob es sinnvoll ist, in PET-Flaschen verkauftes französisches oder in langen LKW-Kolonnen über den Brenner transportiertes italienisches Mineralwasser zu trinken statt auf das von regionalen Erzeugern in Mehrwegglasflaschen abgefüllte zurück zu greifen?

Beim Produktdesign wird meist allein schon aus Gründen der Material- und Herstellungskosten auf Einsparungen Wert gelegt, die nicht nur Rohstoffressourcen sondern auch die Gestehungskosten minimieren, welche für die möglichst attraktive Verkaufspreisbildung auschlaggebend sind. Gute Beispiele finden sich hier bei Herstellern von Outdoor-Textilien oder Möbeln. Bei der Medienkonzeption hingegen finden sich leider immer noch Beispiele, die erkennen lassen, dass bei der Gestaltung weder auf Ökonomie noch auf Ökologie Wert gelegt wurde. Es werden Produkte auf Materialien und Papieren konzipiert, die zwar »schick« und »cool« sein mögen, aber ohne jegliche Rücksicht auf wirtschaftliche Seitensprünge (Vermeidung von Viertel- und Achtelbogen) oder optimale Formate: Auf nur in Schmalbahn lieferbaren Rohbogen lassen sich halt im Mittelformat beispielsweise nur zwölf statt der üblichen sechzehn DIN A4-Seiten platzieren, was die Druckformenzahl um 50% erhöht, aber etwa 40% des Bogens als ungenutzter Abfall übrig bleibt. Oder es wird auf FSC-Zertifizierung und Ökofarben Wert gelegt, aber zugleich partiell im UV-Siebdruck veredelt, was die spätere Rezyclierbarkeit des Produktes schier verhindert – so zu sehen bei einer Ausgabe des Kundenmagazins eines italienischen Feinstpapierherstellers, das auch noch ganz im Thema der »Nachhaltigkeit«(!) stand.

Bei der Auswahl von Materialien – hier in aller Linie vor allem bei den Papieren – und des Druckers können beim ökologisch bewussten Gestalter bzw. Produktioner verschiedene Zertifizierungen hilfreich sein: Schlagworte wie FSC- und PEFC-Zertifizierung, CO2-Kompensation, alkoholfreier Druck mit »Ökofarben«, makulatursparende Inline-Messung in der Druckmaschine oder EMAS-Zertifikate fallen hier häufig. »Umweltpapiere« sind längst nicht mehr so grau wie vor einigen Jahren noch, zumal immer mehr hochweiße Mischpapiere aus frischen FSC-Fasern und hohem Sekundärfaseranteil auf den Markt kommen. Freilich sind auch die genannten Zertifizierungen immer kritisch zu hinterfragen: Denn sicherlich dürfte es sinnvoller sein, in der Region produziertes Papier mit Fasermaterial aus PEFC-zertifizierten regionalen Forsten einzusetzen (in Deutschland sind ca. zwei Drittel des Waldbestandes PEFC-zertifiziert!), statt Papier aus FSC-Fasern, welche aus Südamerika, Spanien oder Skandinavien stammen. Diese müssen nicht nur weiter transportiert werden (höhere CO2-Emissionen), sondern stammen leider auch häufig aus reinen Eukalyptusmonokulturen, für die einheimische Baumarten oder gar Regenwaldflächen verdrängt werden.

 

Aber ich meine auch visuellen Umweltschutz. Nach meiner Erfahrung verursacht visuelle Umweltverschmutzung eine ähnliche Belastung unserer Lebensqualität wie die Verschmutzung der Luft, des Bodens oder des Wassers.

Dieser Teil aus Rams‘ These spricht eigentlich für sich selber. Auf Beispiele muss hier nicht groß eingegangen werden, wie die aus unsäglichen Freefonts und penetrant mit »Deppenapostrophen« gestalteten Beschriftungen im öffentlichen Raum (Paul’s Pub, Rosi’s Nailstudio), gruselige, weil unlesbare oder überfrachtete Drucksachen (Pizzaservice, Eiskarte) und Produkte, die sich gegen den Gebrauch eher sträuben (Stichwort Sat-Receiver einrichten). Hier hilft meist nur noch ein lachendes Kopfschütteln, ein beherztes Stoßgebet (»Oh Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!«), oder aber: es besser zu machen. Viel Erfolg dabei!

Die 9. These der Ramsifikationen in der Fassung aus dem Jahr 1990 ist zitiert aus Rams, Dieter: Die leise Ordnung der Dinge. 1. Auflage. Steidl Verlag.

Das Foto stammt von der Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Fotograf: Armin Herrmann

Neue Farbprofile für folienkaschierte Drucke


„Wenn ich mal sterbe, lasse ich auf meinen Grabstein meißeln: Zu Rot, Herr Hauer!“ Diese Aussage durfte sich der Verfasser in seinen ersten Berufsjahren des Öfteren vom Verleger anhören, wenn mal wieder ein Schutzumschlag durch die Folienkaschierung zu warm, zu schwer und zu dunkel ausgefallen war. Und das trotz der akribischen Repro- und Druckabstimmung im Vorfeld. Für alle ähnlich Leidgeprüften gibt es nun eine (Er)lösung: Die FOGRA und die ECI haben neue Druckbedingungen für folienkaschierte Drucke veröffentlicht (FOGRA49 und FOGRA50) und stellen ICC-Farbprofile zum Herunterladen auf der Seite www.eci.org/de/downloads kostenlos zur Verfügung („ECI Offset Profiles – Supplement 2012-2 – Surface Finishing“):

Für Offsetdrucke auf Bilderdruckpapier, glänzend bzw. matt gestrichen (Papiertyp 1 oder 2) und Mattfolienkaschierung empfiehlt sich das Profil:
PSO Coated v2 300% Matte laminate,

und für Offsetdrucke mit Glanzfolienkaschierung das Profil:
PSO Coated v2 300% Glossy laminate

„Glück auf“ und viel Erfolg!

Rot, röter, am rötesten


»In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf«… Ich kann nichts dafür, aber dieses Rezitativ aus Haydns »Schöpfung« habe ich sofort im Ohr, wenn ich ein Werk des 2009 im Alter von 101 Jahren verstorbenen Künstlers Rupprecht Geiger vor die Augen bekomme (zum Beispiel den kleinen, über meinem Schreibtisch hängenden Siebdruck). Kein Wunder, denn die von ihm so intensiv eingesetzten, fluoreszierenden Tagesleuchtfarben nehmen einen sofort in den Bann, vor allem, wenn, wie am heutigen Freitag Nachmittag, die Frühlingsvorboten-Sonne die Räume des Ateliers so angenehm beschien.

Julia Geiger, Enkelin und Archivleiterin, führte eine Gruppe Interessierter im Rahmen des tgm-Atelierbesuchs begeisternd in Leben und Werk ihres Großvaters ein. Die Wirkung seiner Gemälde, Installationen und Druckgrafiken beruhten, so zitierte Julia Geiger den Künstler, nicht nur auf seinem eigenen Schaffen, sondern vor allem auch auf der Kraft der von ihm verwendeten Farben. Sie könnten die einen Betrachter beruhigen und ihnen Energie spenden, die anderen aber auch mal irritieren. Wir konnten einen Blick in den immer noch mit vollen Fässern bestückten Pigmentkeller samt seiner »pinken Aura« und auf großformatige Gemälde, Modelle, »Rollbilder« und vor allem zahlreiche Serigrafien und Künstlerbücher werfen. Ergänzend zu Julia Geigers Ausführungen berichtete Ekkeland Götze von der Realisierung der Siebdruckeditionen für und mit dem Künstler, samt des langen Weges zu den selbst von ihm entwickelten Siebdruck-Leuchtfarben und den Tücken des aufwändigen Irisdruckes, welcher die Verläufe ermöglichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Simone Naumann

Mit den Augen streicheln …


… oder in Design baden… Wie auch immer: Die Besuche der Depots der Neuen Sammlung – das größte Design-Museum der Welt! – in den »Katakomben« der Münchner Pinakothek der Moderne waren traumhaft und kurzweilig. Wegen der großen Nachfrage konnte die tgm nämlich gleich an zwei Abenden durch die enormen Schätze des Museums streifen.

Am einen Tag führte Florian Hufnagel, Museumsdirektor, am anderen Tag Corinna Rösner, stellvertretende Leiterin, in Begleitung von Kurator und weiteren Kolleginnen, wobei das Verb »führen« zu steif und wenig emotional klingt, denn (der Autor erlebte Frau Rösner) die Leidenschaft an den schönen Dingen des Alltags sprudelte nur so heraus und die liebevolle Beziehung zu den Sammlungsobjekten war spürbar. Bereichernd war auch der Einblick hinter die Kulissen der Pinkothek mit dem Erleben der Anlieferung eines Gemäldes, aber auch das Gespräch mit den beiden Restauratoren der Sammlung. Und dann ging es zwischen die mit Sesam-öffne-Dich-Lochblechschiebtüren behüteten Regale, wo die Bohrmaschinen, Fotoapparate, Becher, Teller, Zahnbürsten, Plattenspieler, Rechner, Skistiefel und vieles, vieles mehr auf das Verschlingen mit den Augen stolz präsentiert warteten, um wenigstens für ein paar Minuten behutsam aus der Stille ihres Depotdaseins gerissen zu werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Catherine Avak

… grad »extra« veredelt


Sicherlich stand schon mal jeder Gestalter, Hersteller, aber auch Drucksachenverkäufer vor dem Problem, eine Veredelungsidee nicht überzeugend bemustern zu können. Mit „ungefähren“ und zum Teil scheußlich gestalteten oder zu einseitig auf die Produktionsmöglichkeiten eines Druckveredlers beschränkten Mustern gelang schon so manche Präsentation nicht. Das gleiche Problem bildete den Antrieb für das Autorenduo, das gelungene Vademecum für die Veredelung von Drucksachen, samt Beiträgen von Markus Zehentbauer und Uwe Jäger, herauszubringen.

 

 

Im Textteil werden die zugrunde liegenden Techniken in fünf Kapiteln erläutert: Drucken, Kaschieren, Prägen, Stanzen und Schnittveredelung. In 33 ergänzenden Texten werden die verwendeten Techniken veranschaulicht (tolle Illustrationen!), ihre Eigenschaften, Vor- und Nachteile, Grundregeln für den Umgang, die Planung der Veredelung samt Vorarbeiten geschildert, ergänzt mit Wirkungsweise und Umweltverträglichkeit. Zur „Krönung“ des Ganzen wird der Textteil, der als Schweizer Broschur auf die linke Seite des Buchdeckels aufgebracht ist (eine buchbinderische Leistung von Kösel), von 33 echten Veredelungsmustern, Wire-O-gebunden auf der rechten Seite des Buchdeckels anschaulich bebildert. Die Anschauungsmotive hierfür wurden von dreißig renommierten Grafikdesignern und -büros aus neun Ländern gestaltet: Beispielsweise trifft Sarah Illenberger auf Glitterlack, Annik Troxler auf Nachleuchtfarbe, Jung+Wenig „flockt“ fröhlich vor sich hin, Thomas Mayfried frönt in Prägefoliendruck und Fons Hickmann lässt den Laser im Papier tanzen (Lasercut). Entstanden ist somit ein begeisternd technisch vielseitiges, gut fundiertes und zugleich ansprechend gestaltetes Nachschlagewerk, das Potenzial zu einem Standardwerk aufweist – da kann die vergleichbare Publikation des Stiebner Verlages, „Die Toolbox“ von Susanne Bleicher-Kaikkis, bei Weitem nicht mithalten.

 

Franziska Morlok, Till Beckmann
extra – Handbuch der experimentellen Druckveredelung
Birkhäuser Verlag, Basel, 2009
174 Seiten
21 x 27 cm
ISBN 978-3-0346-0082-8
EUR 79.90