Das Einfache
In einem Essay von Johannes Reinhardt wird erläutert, dass das Einfache mit dem Guten, dem Wahren und Schönen verknüpft ist. Schön ist, was sich sofort sinnlich in seinen Verhältnissen durchschauen lässt und was der Geist als geregelt, maßvoll und geordnet erkennt. Aber dass das nicht so einfach stimmt, beweisen Strömungen der Aufklärung und besonders der Beginn der Moderne mit Malern wie Mondrian oder später Gruppen wie BMTP oder Künstler der Minimal Art. Ist es die Einfachheit als ethisch-ästhetische Haltung oder die Einfachheit des Gelingens?
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Steffen Schleiermacher geht dem Begriff in der Neuen Musik nach und kann das Einfache nicht so recht finden. Komponieren, Aufführen oder Hören haben jeweils verschiedene Tücken, die eben nicht gleich einfach sind.
Ronald Berg spricht mit dem Philosophen Hannes Böhringer und dieser erwähnt gleich zu Beginn, dass der Begriff »einfach« ursprünglich aus der Architektur, dem Fachwerkbau, kommt. Einfach ist das, was in ein Fach passt. Das Gespräch bewegt sich von Barock bis in unsere Zeit und erläutert zahlreiche Strömungen und Anwendungen, die in der Kunst mit dem Einfachen zu tun haben.
Weitere Beiträge befassen sich mit der Villa Tugendhat in Brünn, der Restaurierung der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee (die für die Typografie nicht unwesentlich ist), dem Backstein als einfachem Material oder dem schweren Einfachen im Zen.
Noch etwas zur schönen Gestaltung des Heftes: Die Futura passt sehr gut zum Thema, aber sie ist leider in der schmalen Ausführung und mit so knappem Wortabstand anstrengend zu lesen. Auf einigen Seiten übertreibt der Heftgestalter, indem er grafisch zwar sehr schön große Zeilen über den Lesetext legt. Dabei habe ich das Lesen unterbrochen, denn ich bin kein Typodedektiv.
Mies Haus Magazin M Nr. 9
Die Kunst des Einfachen
72 Seiten
form+zweck Verlag, Berlin 2012
ISBN 978–3–935053–71–6
18 Euro
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