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Typo­graphie ist eine Dienst­leistung. Die Kunst daran ist vor allem die Kunst, von sich selbst einmal absehen zu können, die Disziplin, sich nicht zwischen Autor und Leser zu drängen.
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Presse

Leichte Sprache endlich auch visuell unterstützt

Rudolf Paulus Gorbach
1. März 2023
Neue DIN-Empfeh­lungen als Grundlage für barrie­refreie Kommu­ni­kation. Deutscher Designtag veröf­fentlicht eine Pres­se­er­klärung zur DIN SPEC 33249 »Leichte Sprache, Empfeh­lungen zur visuellen Gestaltung«.
Ein Junge hat Spaß beim Lesen.
Als Werkzeug barrierefreier Kommunikation sorgt Lechte Sprache für gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit eingeschränkten Lese- und Verstehensfähigkeiten.

Vom Formular bis zur Webseite – die Anzahl der Medien in soge­nannter Leichter Sprache wächst. Die neue DIN SPEC (PAS) schafft mit ihren »Empfeh­lungen für Deutsche Leichte Sprache« eine wesentliche Grundlage für eine einheitliche und erfolg­reiche Umsetzung.

Dabei spielen endlich auch die Gestaltung und die Schrift eine Rolle. Heißt: Typo­grafie, also Schriftwahl und -größe, Satz­spiegel, Spal­ten­breite etc. werden syste­matisch in die Anfor­de­rungen einbezogen. Das macht das Text-Erleben von Menschen, die aus unter­schied­lichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, einfacher – und somit auch barrie­re­freier. Damit werden immerhin 6,2 Millionen Erwachsene in Deut­schland erreicht.

Die neue DIN SPEC richtet sich an Texte­rinnen und Texter, Über­set­ze­rinnen und Über­setzer, Desi­g­ne­rinnen und Designer, Prüfe­rinnen und Prüfer sowie Auftrag­ge­be­rinnen und Auftraggeber. Die Empfeh­lungen dieses Dokuments dienen der Quali­täts­si­cherung und sind glei­chermaßen als Kriterien für Ausschrei­bungen nutzbar.  Um gesell­schaftliche Teilhabe zu gewähr­leisten, werden Texte aus der Alltags­sprache in Leichte Sprache sowie in eine klare, gut erfassbare Typo­grafie übersetzt. Das Ergebnis muss so verständlich wie lesbar sein. Dazu trägt in beträcht­lichem Maße auch die visuelle Gestaltung eines Textes bei.

Erar­beitet wurde die neue DIN SPEC 33429 im Auftrag des Bundes­mi­nis­teriums für Arbeit und Soziales (BMAS) unter Betei­ligung von Vertre­te­rinnen und Vertretern aus den Bereichen Öffentliche Hand, Wissen­schaft, Design, Über­setzung und Prüfung sowie Verlagen. Für den visuellen Teil waren über den »Rat für Inklusion« des Deutschen Desi­gntags Exper­tinnen und Experten aus Typo­grafie, Illus­tration, Schrif­ten­ent­wicklung und Gestaltung beteiligt. Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten waren in allen Phasen der Erar­beitung einge­bunden und wurden dabei von ihren jeweiligen Orga­ni­sa­tionen unter­stützt.

Das Kapitel »Empfeh­lungen zur visuellen Gestaltung« zeigt die Bedeutung von Gestaltung für die Text­ver­ständ­lichkeit auf. Darin werden Gestal­tungs­genres ebenso erklärt wie visuelle Struk­tu­rierung, Format und Seiten­ge­staltung, Auszeich­nungen, Tabellen, grafische Elemente, Texturen, Tonwerte und Farben und nicht zuletzt auch Auswahl­kri­terien bzgl. Schriften für unter­schiedliche Text­sorten vorgelegt. Auch das Thema Bild kommt nicht zu kurz und befasst sich u. a. mit Bildarten und ihrer Verwendung, Erkenn­barkeit und Verständ­lichkeit, Hilfs­mitteln für die bildliche Darstellung sowie dem Verhältnis von Bild und Sprache.

»Endlich hat Arial 14 Punkt als eine Art Univer­saldübel für die Gestaltung von Texten in Leichter Sprache ausgedient«, betont der Präsident des Deutschen Desi­gntags Boris Kochan. »Mit der unter Betei­ligung von Desi­g­ne­rinnen und Designern erar­beiteten DIN SPEC wurden Empfeh­lungen geschaffen, die der Sprach­lichkeit eine visuelle Form zur Seite stellen. Und so die Teilhabe von Bürge­rinnen und Bürgern mit einge­schränkten Lese- und Verste­hens­fä­hig­keiten an jeglicher schrift­licher Kommu­ni­kation erweitert. Was mich dabei zusätzlich freut: Der Auftrag des Bundes­mi­nis­teriums für Arbeit und Soziales an das DIN greift die Forde­rungen der Stel­lungnahme des Desi­gntags ›Ange­messene Kommu­ni­kation mit Leichter Sprache und inklusivem Kommu­ni­ka­ti­ons­design‹ aus dem Jahr 2020 auf.«

Möglichkeit zur Kommen­tierung

Die DIN SPEC ist seit 3. März für alle öffentlich auf der DIN-Webseite bereit­ge­stellt. Bis zum 3. Mai können ihre Inhalte von der Fach­öf­fent­lichkeit, d. h. auch von Desi­g­ne­rinnen und Designern, kommentiert werden.

Buchtipps

Sabina Sieghart, die an der Arbeit der DIN SPEC beteiligt ist, und Bettina M. Bock veröf­fent­lichten im letzten Jahr einen Ratgeber »Wie Unter­nehmen und Behörden barrie­refrei kommu­ni­zieren können«.

Die Arbeits­gruppe für visuelle Gestaltung arbeitet momentan an einem Buch als Hilfe bei der Reali­sierung der DIN SPEC. Zur Arbeits­gruppe gehören Ulrike Borinski (Forum Typo­grafie), Rudolf Paulus Gorbach (tgm), Albert Jan Pool (Obmann für die DIN 1450 Leser­lichkeit), Sabina Sieghart (AGD), Birgit Walter (Forum Typo­grafie) und Dr. Juliane Wenzl (Illus­tratoren Orga­ni­sation). Außerdem temporär Tom Bieling (Zentrum für Desi­gnfor­schung), Ina Beyer (3 in 1; Grafik I Redaktion I leichte Sprache) und Marion Klanke (Lebenshilfe Bremen).

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