Erste Eindrücke und die Typografie


Der erste Eindruck zählt! Ein Buchtitel, der einen Gemeinplatz wiedergibt. Im Untertitel steht dann: Das Handwerk der Typografie verstehen und anwenden. Hmm. Ein Typografie-Grundlagenbuch? Haben wir darauf gewartet? Dann erst einmal ein sanftes Durchblättern des Buches. Die Typografie sieht interessant aus, ein angenehmes Textpapier. Also haben wir schon zwei erste Eindrücke.

Buch: „Der erste Eindruck zählt. Das Handwerk der Typografie verstehen und anwenden.“

Auf Grund der heutigen Bedingungen in den Buchverlagen und der technischen Produktion kommen immer mehr Bachelor- und Masterarbeiten in den Verlagsbereich. Das ist erst einmal positiv zu bewerten. Gleichzeitig besteht auch die Gefahr einer Art öffentlich werdender Privatdrucke. Im vorliegenden Fall scheint es allerdings, dass für dieses Buch auch ein hervorragendes Lektorat tätig war.

Und dann kommt auch die Frage, was das Buch besonders macht gegenüber anderen Grundlagenwerken. Warum erschien mir die Typografie beim Durchblättern interessant?

Die typografische Struktur des Buches wird von der Autorin zu Beginn erklärt. Die Komplexität der einzelnen Elemente auf den Seiten wird dadurch klar, vielleicht sogar für den Leser vereinfacht. Die Wahl der Textschriften Allegra und Sectra ist insofern spannend, da die Schriften auch in tragenden Farben wiedergegeben werden. Allerdings ist die Wahl der Schriftgröße zwar schön aber recht anstrengend.

Dominant bleibt im Buch durch alle Kapitel der Ausgangspunkt der Druckschrift. Die Schrift beherrscht zurecht die Typografie, wobei in diesem Buch die typografischen Aspekte jeweils einem Kapitelthema untergeordnet wurden. Mit den Überschriften zeigt sich eine klare inhaltliche Struktur. Die Hauptkapitel heißen:
Wie Schrift unseren Alltag begleitet,
Wie Schrift unterschiedlich wirken kann,
Wie Schrift verarbeitet und gelesen wird,
Wie Schrift gestaltet und ausgewählt wird,
Wie Schrift sorgfältig gesetzt wird
und
Wie Weißraum strukturiert wird.

Was in der Typografie passiert wird hier auch beschrieben. Natürlich ist so ziemlich alles schon an anderen Stellen gesagt und beschrieben worden. Doch vertritt die hier ordnende Interpretation die vielfältigen einzelnen Themen überzeugend. Doch ist das Lesen im Buch schon nach einer Stunde anstrengend. Vielleicht wäre eine Altersbegrenzung auf dem Cover sinnvoll; 40 vielleicht? Schade ist auch, dass es im Buch kein Register gibt. Aber insgesamt ist das Buch eine sorgfältige und auch sehr schöne Arbeit.

Sabrina Öttl
Der erste Eindruck zählt!
Das Handwerk der Typografie verstehen und anwenden
160 Seiten
Format 172 × 24 5 mm
Fadengeheftete Broschur
20 €
Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2020
ISBN 978-3-87439-908-1

Typografie und Bild barrierefrei


Jeder Text, der zum Lesen veröffentlicht wird, muss typografisch bearbeitet sein. Das gilt auch dort, wo Einfache oder sogar Leichte Sprache eingesetzt wird. Für Typografen und Gestalter keine ganz einfache, aber sehr wohl wichtige Aufgabe. Im Hintergrund steht die Forschung, die ja, was den Einsatz von barrierefreier Typografie und Bildern angeht, noch am Anfang steht.

Kerstin Alexander von der Hochschule Merseburg hat gemeinsam mit ihren Studierenden sechs Studien zur Leserlichkeit von Typografie bzw. Lesbarkeit von Layout sowie sechs Studien zur Verständlichkeit von Bildern in der barrierefreien Kommunikation veröffentlicht. Barrierefreies Denken im Design hilft, empirische Forschung zur barrierefreien Kommunikation ein wenig zu begreifen. Menschen mit speziellen Lese- und Erklärungsbedürfnissen sollen besser informiert und ernst genommen werden. Die Überlegungen hierzu helfen nicht nur Gestaltern, die entsprechende Aufträge bearbeiten, sondern allen, die sich mit der Basis von Typografie und Bildwahrnehmung auseinandersetzen, denn bei Leichter Sprache kommt es auf Grundsätzliches an.

Die Autorin fasst in ihrer Einführung den Forschungsstand der barrierefreien Kommunikation zusammen, geht dabei von den bisherigen Regelwerken für Leichte Sprache aus. Ausführlich macht sie auf den Wissensstand zu Typografie und Layout in der Leichten Sprache aufmerksam, beschreibt detailliert Probleme der Schrift und deren Beschaffung, aber auch die Wirkung von Schrift auf mobilen Endgeräten. Ebenso beschäftigt sie sich mit dem Bild in diesem Umfeld, Bildfunktionen, Möglichkeiten des Bildeinsatzes für Leichte Sprache und auch damit, was innere Bilder bedeuten können. 

Den Kern des Buches bilden die genau beschriebenen Studien. Erfreulich für Typografen ist, dass viele Annahmen, die aus der sorgfältigen gestalterischen Praxis kommen, durch die Forschung bestätigt werden. 

Dass auf kostenfreie Schriftlizenzen besonders geachtet wird liegt sicher vor allem an der finanziellen Not im sozialen Bereich. So ergaben sich in den Forschungsstudien, dass beispielsweise der Unterschied der Lesegeschwindigkeit zwischen der Frutiger und der Open Sans sehr gering ist. Die Auswirkung von unterschiedlichen Zeilenabständen bei verschiedenen Schriften werden nachgewiesen. Dabei wird auch auf die irreführenden Angaben z.B. unter »Word« hingewiesen, wo typografisch Grundsätzliches immer noch ignoriert wird. Aus einem Qualitätsvergleich von verschiedenen frei verfügbaren Schriften gingen die Open Sans und die Gentium als »Testsieger« hervor.

Die in den Tests verwendeten Schriften lassen sich auch auf einer App vergleichen, die aus einem Text in Leichter Sprache besteht (http://kiw.hs-merseburg.de/wp-content/uploads/typo-app). Dabei ist Wirkung und Lesbarkeit des jeweiligen Regular-Schnitts vergleichbar. Und man sieht auch die Veränderungen, indem man den Schriftgrad größer stellt. Der Zeilenabstand bleibt dabei immer bei 150 %. Hierbei ist aber auch schon zu sehen, dass eine bisher in der Leichten Sprache angewandte Umbruchregel wie »jeder Satz beginnt auf einer neuen Zeile«, ins Absurde führt. Automatisch werden je nach Platzbedarf die Zeilen umbrochen und der Rest der Zeile steht dann eben auf den nächsten Zeile.

Juliane Wenzl (Illustratoren Organisation e.V.) hat die Publikation zum Bereich des Bildes durchgesehen:

Die derzeitige Diskussion zur Leichten Sprache ist geprägt von der Idee informierender und didaktischer Vermittlung, da sie nach der Gesetzgebung bzw. den angestrebten Regelungen erfolgt. Diese sollen vor allem öffentliche Einrichtungen in die Lage versetzen, Inhalte angemessen zu vermitteln.

Alexander zeigt auf, dass es in den vorliegenden Regelwerken zur Leichten Sprache bisher kaum verbindliche Empfehlungen gibt. Aus ihnen lassen sich lediglich acht Hinweise zur Bildverwendung ableiten, die aber auch auf Probleme hinweisen. So wird z. B. dazu geraten, Bilder wiederholt einzusetzen, damit diese von der Zielgruppe »erlernt« werden können. Das kann aber nur gelingen, wenn die Bilder immer im gleichen Kontext verwendet werden.

Die vorliegenden Studien, einschließlich der sechs in Alexanders Publikation, sind noch zu vereinzelt und zu wenig an klaren Parametern orientiert, als dass sich valide Empfehlungen für die Verwendung einer bestimmten Bildart in bestimmten Kontexten ableiten ließen. Festgestellt wurde, dass Invarianten und Komplexitätsreduktion die Lesbarkeit von Bildern erleichtern. Auch sollten sich Bildinhalte nicht so sehr an Objekten, als vielmehr an Tätigkeiten orientieren. Sprache und Bild sollten sich ergänzen und aufeinander verweisen.

In Hinblick auf die Sprache-Bild-Beziehung unterscheidet sich Leichte Sprache von Standardsprache. In einer Studie wird vermutet, dass Leser der Leichten Sprache an begleitetes Lesen gewöhnt sind, also an Interaktionen, die anhand eines Textes erfolgen. Das lässt die These zu, dass Zugänglichkeit und Verständlichkeit durch den Einsatz aufeinander verweisender Medien noch besser noch besser erreicht werden könnten

Bilder machen sichtbar, sie können abbilden, zeigen und erzählen, dekorativ sein, Informationen vermitteln und zu einem Erkenntnisgewinn führen. Bilder können uns beeinflussen, etwas zu tun oder zu lassen. Sie können außerdem motivieren und die Aufmerksamkeit der Rezipienten halten oder auf etwas richten. Bilder tragen zur Erinnerung bei, wenn sie als inneres Bild wiederholt werden; die Aktivierung innerer Bilder trägt im Umkehrschluss zum Textverstehen bei. 

Bildkonzepte im Kontext Leichter Sprache sollten, wie in anderen Kontexten auch, individuell, konsistent und der Aufgabe wie der Zielgruppe angemessen sein.

Die Studien genauer zu lesen lohnt sich, auch wenn die klammernde Klebebindung zum Aufschlagen des Buches Gewalt braucht.

Dringend müsste in diesen Bereichen weiter geforscht werden. Die Bereitschaft hierzu wäre da, aber die nötigen finanziellen Mittel fließen wohl woanders hin.

Kerstin Alexander (Hrg.)
Mit Typografie und Bild barrierefrei kommunizieren 
Kommunikation – Partizipation – Inklusion 
Forschungsstand und Studien 
382 Seiten  
Broschur
ISBN 978-3-7329-0584-3 
49,80 Euro

Extrabolder Streifzug


Im Vorwort zitiert Anita Kern Othmar Motter mit der »Würde der Grafiker der  Nachkriegsgeneration« und als »Geschichte eines Gestalterlebens«, das Kultur-, Wirtschafts- und Zeitgeschichte gleich mit erleben lässt. Motters Karriere war nicht nur österreichisch, sondern weltweit, vor allem mit seinen ziemlich auffälligen Schriften Tektura, Ombra, Corpus oder Femina. Als Gestalter dominierte er die Vorarlberger Textilbranche. 

Dieses Buch ist eine Forschungsarbeit, die Genauigkeit mit visuellem Anspruch verbindet, Theorie mit  praktischem Background, nennt das Anita Kern. Ihr Autor Elias Riedmann hat 2016 sein Studium in Wien abgeschlossen, offensichtlich im Design forschend. Eine sehr lesenswerte und informative Biografie führt in Motters Lebenswerk ein. Die besprochenen und abgebildeten Beispiele bestehen im Wesentlichen aus Motters Schriftschaffen und einer ungeheuren Anzahl an Logos. Da die Schriften fast immer besonders fett sind bekam Motter auch den Titel »Meister der Extrabold«. 

Forschungssystematik bei den Logos:

Im Buch sind die Beispiele auf den schlanken Seiten (harmonische klassische Proportion 2 : 3) sehr schön komponiert, Schrift und Typografie sind klar angewandt (außer dem nicht passenden Inhaltsverzeichnis). Die Vorarlberger Plakatbeispiele sind sogar auf Affichenoffsetpapier gedruckt. Über diese Plakate zitiert Peter Niedermair im Nachwort Reinhard Gassner: »Sie waren um Klassen besser und wirkungsmächtiger als alles, was heute so als Veranstaltungswerbung herumhängt (Messe Dornbirn eingeschlossen). Er hat die Dinge auf den Punkt gebracht …«. Da sind die wesentlich jüngeren Kollegen bisweilen anderer Meinung. Doch ist das Buch auch aufschlussreich über die Vorarlberger Grafikszene der zweiten Jahrhunderthälfte. 

Elias Riedmann  
Othmar Motter, Meister der Extrabold.
Ein Streifzug durch das Archiv der Vorarlberger Graphik
352 Seiten 
Mit 5 Motter-Fonts  
Festband
Triest Verlag Zürich 2019
ISBN 978-3-03863-033–3 47
47 Euro

 

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Drei große Typografen des 20. Jahrhunderts


Die großen Typografen des 20. Jahrhunderts sind für die heutige Typografie immer noch größtenteils maßgebend und sie werden vielfach zitiert. Drei solcher Beiträge hat Klaus Detjen in seiner Reihe »Ästhetik des Buches« zusammengestellt und herausgegeben. Und es sind tatsächlich ganz wesentliche Aufsätze von Stanley Morison, Eric Gill und Paul Renner.

Morison schreibt 1929 über die „Grundregeln der Buchtypographie“. Wie Ästhetik und Lesefunktion zusammenhängen und was nicht damit gemeint ist, gibt vielleicht schon wider:  »… daß der Druck von Büchern, die zum Lesen bestimmt sind, blendender Typographie wenig Spielraum bietet«. Insgesamt geht es Morison um die Gesetze, die für die Buchgestaltung maßgebend sind und das wird sehr detailliert behandelt. Das üppige Nachwort des Verfassers der Ausgabe von 1966, aus der diese Aufsätze stammen, geht intensiv auf das Zeitgeschehen in Politik, Kunst und Gesellschaft ein.

Eric Gills Beitrag von 1931 mit dem Titel »Typographie« befasst sich vor allem mit der Schrift, im Detail mit unserer drei Alphabete (Majuskeln, Minuskeln, Ziffern), wie sie zusammengefügt die Grundlage unserer Schrift bilden. Die Qualität von (Buchdruck)Typen und ihre diffizile Anwendung folgen in seiner Betrachtung. Industrielle Buchproduktion findet Gill abstoßend und für ihn gilt vor allem die künstlerische und handgemachte Arbeit.

Paul Renners Rede von 1947, in Lindau vor Verlegern und Buchhändlern gehalten, geht dagegen ganz pragmatisch und gut gegliedert auf die Möglichkeiten der Buchgestaltung ein. 

Das beginnt mit der Frage, was heute (1947) modern in der Buchgestaltung sei. Was das für ein modernes Buch samt seiner Lesbarkeit bedeutet kann man im Wesentlichen auch heute noch bestätigen. Gerade in der Nachkriegszeit war die Diskussion ob man in der Schriftwahl Antiqua oder Fraktur benützt, aus schmerzlichen Gründen wichtig geworden. Und genau so war in dieser Zeit erneut die Diskussion aufgekommen, ob man nicht alle Texte klein schreiben solle. Oder was Schreibweisen wie ph oder f beinhalten, wobei er eine vorsichtige Reform vorschlägt. Und schließlich geht er auf die Art, wie Bücher gestaltet werden sollten, besonders intensiv ein, spricht über moderne und unmoderne Textschriften, was die Typografie selbst für Bücher möglich machen kann, die Handlichkeit und das Format von Büchern (selbst die Laufrichtung des Papiers im Buch findet er im Vortrag erwähnenswert). Schließlich kommt auch noch das illustrierte Buch und sogar das Luxusbuch zur Sprache. Und werkbündlerisch folgt der Lohn der Arbeit, die dem Buchgestalter viel Freude und Befriedigung bringen kann; besser als der Lohn »den ihm das Finanzamt doch wieder abnimmt«, wenigstens zum Teil.

Alle drei Beiträge sind entnommen aus: »Typographie und Bibliophilie. Aufsätze und Vorträge über die Kunst des Buchdrucks aus zwei Jahrhunderten«. Ausgewählt und erläutert von Richard von Sichowsky und Hermann Tiemann. Maximilian-Gesellschaft Hamburg, 1971. Kleiner Tipp: Wer sich auch für die anderen Beiträge dieser Ausgabe interessiert, der kann den Band im Antiquariat noch immer recht günstig erwerben.

Typografen der Moderne 
Herausgegeben von Klaus Detjen
in der Reihe Ästhetik des Buches
Band 12
80 Seiten
Englische Broschur
Wallstein Verlag Göttingen 2020
14,90 €
ISBN 978-3-8353-3660-5

Dreschers einzigartiger Plakatstil


Wir wissen, dass die traditionelle Technik des Buchdrucks in der DDR viel länger als im Westen existierte. Das wurde eigentlich auf den wirschaftlichen Mangel bezogen, erweist sich heute aber durchaus auch als Vorteil. In der Plakatgestaltung gilt deshalb Karl-Heinz Drescher als Beispiel. Plakate im Hochdruck, meistens zweifarbig, von den Plakatschriften gedruckt mit allen Vor- und Nachteilen, nach denen sich heute Anhänger von Pressendrucken oder der Schwarzen Kunst so sehnen.

Bei slanted erschien nun ein sehr schön gestaltetes Buch über das Werk von Karl-Heinz Drescher. Papierwahl und Gestaltung (mit einigen Ausnahmen) passen hervorragend zum Thema. Dreschers Plakate sind informierend, gestalterisch eher rückwärtsbezogen, aber das wiederum in einer erfrischenden Art. Es sind keine Kopien älterer Anschläge, beziehen sich aber darauf. Er war fester Mitarbeiter im Theater am Schiffbauerndamm und hat damit auch das Erbe Berthold Brechts erweitert. Im Buch selbst kommt Drescher (1936 – 2011) mit verschiedenen Themen zu Wort. Einzelne Beiträge streifen die Plakatgestaltung, aber auch die Kultur der DDR, wobei Sylke Wunderlichs kenntnisreiche Artikel zum gesamten Plakatschaffen der DDR hervorstechen. Drescher hat aber nicht nur für das Theater am Schiffbauerndamm gearbeitet, sondern Serien von Plakaten entstanden für die Akademie der Künste der DDR oder dem BAT – Arbeiter und Studententheater. 

Die sehr ansprechende Publikation hat leider ein paar Probleme. Typografie, die lesen behindert, ist zynisch. Das trifft hier zum Glück nur auf einen kleinen Bereich zu. Aber die Biografien auf den breiten Umschlagklappen sind von der Schriftwahl und Laufweite unlesbar. Biografien (ab Seite 250) in kleinem Schriftgrad in hellem Rot zu drucken zeugt von Ignoranz jeglicher Lesbarkeitsforschung. Schreibmaschinenschrift für die Bildlegenden und Interviews bleiben unbefriedigend für den Leser. Das mag zwar zur Gestaltung des Buches passen, kann aber nicht zugemutet werden. Sehr schade für das sonst so gut editiertes und gestaltetes Buchprojekt.

Markus Lange (Hrsg.)
K. H. Drescher Berlin Typo Posters
Mit Beiträgen von Renè Grohnert, Friedrich Dieckmann, Sylke Wunderlich, Peter Kammerer, Niklaus Troxler, Helene WeigelGötz Gramlich, Jamie Murphy, Erik Spiekermann / Ferdinand Ulrich, Gerd Fleischmann und zahlreichen Interviews
19,5 × 26,5 × 2,5 cm
272 Seiten
Englisch, Deutsch
Schweizer Broschur
Slanted Publishers, Karlsruhe 2020
ISBN: 978-3-948440-00-8
40 Euro
https://www.slanted.de/karl-heinz-drescher

Plakate 1983 und 1980
Plakate 1987, 1985, 1986, 1990 und 1984
Plakate 1098 und 1987
Plakate 1969 und 1978

Gebrauchsgrafik und Grafik-Design zwischen 1890 und 2018


Ein Mammutwerk, das hier Jens Müller und Julius Wiedemann geschaffen haben. Die Tendenz der Zeit, die mit dieser Disziplin dargestellt wird, besteht aus 6ooo Abbildungen und 179 Einzelbiografien über die wichtigsten Gestalter dieser langen Epoche.

In den beiden sehr großformatigen Bänden (was man bei Taschen ja bereits kennt) spiegelt sich die Geschichte der angewandten Gestaltung wieder. Mit dem Anfang um 1890, wo die bildenden Künstler die entscheidenden Rollen spielten über die Veränderungen der Druck- oder Reproduktionstechniken, wo sich Berufszweige änderten, neuen Einfluss nahmen, bis zur heutigen digitalen Situation: ein enormes gestalterisches oder künstlerisches Schaffen wird auf internationaler Basis dokumentiert.

Bekannte Arbeiten findet man ebenso wieder wie vergessene oder bisher völlig unbekannte Beispiele. Die Bände sind als historische Abfolge eingerichtet. Nach Information von Jens Müller »wurde versucht ein möglichst breites Spektrum verschiedenartiger Arbeiten abzubilden: unterschiedliche Medien, unterschiedliche Herkunftsländer, kleine Auftraggeber aus dem kulturellen Bereich genauso wie Projekte global agierender Konzerne. Darüber hinaus ist die Auswahl ganz bewusst eine Mischung aus ikonischen Arbeiten die jeder kennt und aus weniger bekannten Arbeiten, die bislang kaum publiziert worden sind …«

Die Struktur des Buches ist übersichtlich in Zehn-Jahresblöcken eingeteilt, die dann aufgefächert und schließlich auf einzelnen Doppelseiten der jeweiligen Jahre enden. Dazwischen finden sich Doppelseiten, die einzelnen der berühmtesten Gestaltern samt einer kurzen Biografie gewidmet sind. Bekannte und bisher weniger bekannte Persönlichkeiten wechseln sich hierbei ab.

Von den abgebildeten Produktarten dominieren Posters, es folgen Magazincovers, Buchumschläge und Logos. Es gibt auch Beispiele von Verpackungen. Innenseiten von Zeitschriften oder Büchern sind eher selten.

Designgeschichte wird ja noch nicht so lange konsequent betrieben. Deshalb wird es auch spannend sein, wie die neue Klasse der Gestaltungstheoretiker das Buch annehmen wird. Die Gestaltung des Buches ist klar und konsequent. Ob die Spaltenlinien nötig sind wäre zu diskutieren. Die Bildlegenden sind deutlich, in dem sie jeweils Jahr, Gestalter, Land und Produktart nennen. Das riesige Buchformat und die wohl nötige Papierstärke machen die Bücher sehr schwer. Umso erstaunlicher ist es, dass man bei der Bindung einen Kastenband bevorzugt. Eine Rundung des Rückens würde wahrscheinlich für mehr Stabilität sorgen. Nach meiner ersten Durchsicht Seite für Seite (die inhaltlich ein Vergnügen war) zeigte sich die äußere Form der Bände bereits leicht verschoben. Doch wer mit Gestaltung arbeitet oder sogar selbst gestaltet sollte die beiden Bände besitzen, um jederzeit vergleichen zu können oder sich animieren zu lassen.

Jens Müller
The History of Graphic Design
Julius Wiedemann, Editor
2 Bände
Band 1 1890 bis 1959
Band 2 1960 bis 2018
Je Band 480 Seiten
Format 240 x 360 mm
Ca 6000 Abbildungen
179 Einzelbiografien
Taschen Verlag, Köln 2017 und 2018
ISBN 978-3-8365-6307-9 (Band 1)
ISBN 978-3-83567073-4 (Band 2)
Je Band 50 Euro