typographische
zitate
Typo­graphie ist die Kunst des feinen Maßes. Ein Zuwenig und Zuschwach entfernt sie ebenso von der Meis­ter­schaft, wie ein Zuviel und Zustark.
Kurt Weidemann

Typographische
Gesellschaft
München e. V.

Goethe­straße 28 Rgb.
80336 München

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089.7 14 73 33

Branche

Zwei Tage, ein Meister­werk

Michi Bundscherer
10. März 2026
Die Baye­rische Staats­bi­bliothek besitzt einen der bedeu­tendsten Bestände schrift­licher Kultur weltweit: erlesene Hand­­schriften, kost­bare Inku­nabeln, seltene Land­karten, Noten­­­samm­lungen, Künst­ler­­bücher – 14 davon zählen zum UNESCO-Welt­­do­ku­men­ten­erbe. Doch das meiste davon ist wegen konser­va­to­rischer Auflagen verschlossen. Eine neue Reihe ändert das.
Bayerische Staatsbibliothek München
Mit »StabiLiebling« zeigt die Bayerische Staatsbibliothek Spitzenstücke aus ihren Tresoren.

Mit der Reihe »Stabi­Liebling. Ein Spit­zenstück. Zwei Tage. Ganz nah.« öffnet die Bibliothek einmal im Monat ihre Schatz­kammer. Mit einem einzigen Objekt im Mittelpunkt. An beiden Tagen gibt es zudem kurze Fach­ge­spräche mit Biblio­the­ka­rinnen und Biblio­thekaren, jeweils um 11, 13 und 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erfor­derlich. Wer neugierig ist, kommt einfach vorbei.

Den Auftakt macht am 11. und 12. März 2026 die berühmte Gutenberg-Bibel, ent­­standen 1454/55 in Mainz. Sie ist das erste mit beweg­lichen Lettern gedruckte Buch der west­lichen Welt. Das Münchner Exemplar gehört zu den frühen Drucken, bei denen Gutenberg noch mit der Zeilenzahl expe­ri­men­tierte. Auf der ausge­stellten Seite stehen 40 Zeilen pro Spalte. Auf der Rückseite 41. Erst danach stabi­lisiert sich das Layout bei den berühmten 42 Zeilen, die der Bibel ihren biblio­­­gra­fischen Spitznamen »B42« geben.

Ausge­stellt wird der Beginn der Schöp­fungs­ge­schichte – mit hand­ge­malter Bordüre und einem in Rot gedruckten »Incipit«, einem frühen Versuch des Zwei­fa­r­ben­drucks. Gutenberg expe­ri­men­tierte kurz­z­eitig mit roter Druckfarbe, bevor sich aus prak­tischen Gründen wieder die hand­schrift­liche Rubri­zierung durch­setzte. Typo­­­grafisch beein­drucken die rund 290 Typen der gotischen Textura, eigens für dieses Werk geschnitten: Sie erzeugen ein bemer­kenswert geschlossenes Schriftbild. Alle Zeilen sind gleich lang, ohne die unter­schiedlich breiten Wort­zwi­schenräume, die im heutigen Blocksatz unver­meidlich sind.

Im April folgen die Bairischen Land­tafeln von Philipp Apian, eine Ikone der altbaye­rischen Karto­grafie. Im Mai ist der Bußpsal­mencodex Albrechts V. zu sehen – nach Auskunft der Staats­bi­bliothek die wohl schönste Musik­hand­schrift der Welt. Die Präsen­ta­ti­onsreihe ist zunächst bis Februar 2027 geplant, jeweils Mitte des Monats, jeweils nur für zwei Tage.

Stabi­Liebling – Gutenberg-Bibel
11.–12. März 2026, 10–19 Uhr
Baye­rische Staats­bi­bliothek, Schatz­kammer (1. OG)

Eintritt frei, keine Anmeldung erfor­derlich
Fach­ge­spräche jeweils um 11, 13 und 17 Uhr

Die weiteren Termine der Reihe: 15./16. April 2026, 20./21. Mai, 17./18. Juni, 15./16. Juli, 12./13. August, 16./17. September, 14./15. Oktober, 11./12. November, 16./17. Dezember, 13./14. Januar 2027, 3./4. Februar 2027

Weitere Infor­ma­tionen auf www.bsb-muenchen.de

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