Heute erreichte uns die traurige Nachricht, dass Eckehart SchumacherGebler, unser Ehrenmitglied und langjähriger Förderer, von uns gegangen ist. Eckehart war nicht nur ein Unterstützer unseres Vereins, sondern auch ein profunder Kenner und Förderer der Typografie. Seine Leidenschaft für Schrift und Druck war ansteckend und hat viele von uns inspiriert. Er war immer bereit, sein Wissen und seine Erfahrung mit anderen zu teilen, nicht zuletzt auch auf zahlreichen Veranstaltungen der Typographischen Gesellschaft München.

Eckehart SchumacherGebler bei seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der tgm am 4.4.2019

Nach seiner Ausbildung zum Drucker* und dem Studium an der Hochschule für Grafisches Gewerbe München übernahm ESG Anfang der 1960er-Jahre von seiner Mutter die Druckerei. Diese erweiterte er in den folgenden Jahren durch eine gut ausgestattete Layoutsetzerei.

Schon damals galt sein Interesse den Buchstaben. Eine neue Schrift war für Druckereien seinerseits eine teure Anschaffung. Damit Grafiker dennoch ermutigt werden, die vielfältigen Schriften der Berthold-Bibliothek zu verwenden, gab es in jeder großen Stadt eine Layoutsetzerei, welche alle beworbenen Schriftarten zur Verfügung hatte. Das Typostudio SchumacherGebler war eine dieser Setzereien. Mit Linotype gab es später eine ähnliche Vereinbarung (weshalb unter anderem 1988 das Linotype-Schriftmusterbuch auch in kleinerer Auflage mit einem SchumacherGebler-Umschlag produziert wurde). Dadurch hatte SchumacherGebler nicht nur die schönsten Schriftarten bei sich direkt vor Ort, auch wirtschaftlich erwies sich dieser Schachzug für seine Layoutsetzerei als positiv. Schnell war das Typostudio SchumacherGebler eines der renommiertesten deutschen Setzereien.

Eckehart SchumacherGebler bei seinem Leipziger TypoTag am 11.7.2004

Die Qualität eines Druckstücks wird aber nicht alleine durch die Gestalt der verwendeten Lettern bestimmt. Auch die dahinterstehende Technik war wichtig. Die meisten großen Hersteller hatten jedoch geschlossene Systeme – die Schriften wurden für die eigenen Druck- und Satzsysteme hergestellt, Plattformkompatibilität war nicht erwünscht. So hatte Berthold (unter anderem dank Günter Gerhard Lange) im Fotosatz zunächst die besseren Schriften, Linotype jedoch die besseren Belichter. Ideal wäre es gewesen, wenn man die Vorteile beider Welten vereinen könnte. Um Möglichkeiten hierzu zu erkunden, gründete sich die PentaCom-Gruppe (Alster-Lichtsatz, TypoSatz Bauer, Repro-Satz Georg Dürmeyer, Englersatz, Hesz Satz Repro, von Oertzen, SchumacherGebler, und Typopress Zürich), was von Berthold und Linotype recht kritisch beäugt wurde.

Eckehart SchumacherGebler beim GGL-Soirée der tgm am 24.7.2009

Seine große Liebe jedoch war das Monotype-System – verständlich, wenn man eine komplexe mechanische Monotype Setz- und Gießmaschine in Aktion sieht. ESG wurde von einigen daher auch »Mister Monotype« genannt. Überhaupt waren die historischen Lettern aus Blei seine Passion. Aus dem Stegreif konnte er mehrstündige Vorträge halten, etwa zum Wettstreit zwischen Giambattista Bodoni und Firmin Didot und deren Einfluss auf die Entstehung klassizistischer Druckschriften in Deutschland (siehe auch Gutenberg-Jahrbuch 1993), oder zu den Vorzüge verschiedener Fraktur-Schriften, etwa der Walbaum-Fraktur oder der Zentenar Fraktur. Es gab nicht wenige Menschen die vermuteten, ESG würde schlicht alle Schriften kennen. Auf seiner Suche nach Original-Lettern fand er immer wieder neue Schätze, die er unter anderem in seiner seit 1974 jährlich erscheinenden Buchreihe »Bibliothek SG« zeigte (Werke klassischer Autoren, gesetzt im Monotype-Bleisatz mit zum Thema passender Schrift, im Buchdruck gedruckt, ergänzt um eine ausführliche Besprechung der jeweiligen Schrift von ESG).

Eckehart SchumacherGebler am Gründungstag des »Vereins für Schwarze Kunst« am 10.8.2013

Nach der Wende erwarb SchumacherGebler von der Treuhand die Leipziger Druckerei Offizin Haag-Drugulin (Teil des VEB Druckerei Anderson Nexö). Die vielen von ESG gesammelten historischen Setz- und Druckmaschinen waren das Fundament für das von ihm 1994 am ehemaligen Standort der Druckerei in der Leipziger Nonnenstraße gegründete »Museum für Druckkunst«. Nach seinem Ausscheiden in Leipzig folgte der Umzug der Offizin Haag-Drugulin als Sammlung und Betrieb nach Dresden. Der von ESG erworbene Bestand der VEB Typoart war 2013 der Grundstock für den »Verein für die Schwarze Kunst«. Ebenfalls 2013 wurde Eckehart SchumacherGebler als Honorarprofessor für Druckkunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar berufen.

ESG auf dem Symposion der Typographischen Gesellschaft Austria (tga) im Schloss Raabs an der Thaya am 25.8.2017

Auch in der Typographischen Gesellschaft München engagierte sich Eckehart SchumacherGebler sehr nachhaltig. In seiner Druckerei und/oder Setzerei entstanden einige der schönsten Druckstücke des Vereins (Johannes Tzschichhold – Iwan Tschichold – Jan Tschichold von 1976, Hermann Virl von 1980, Buchillustration – heute von 1984, Wie man liest von 1984, Schnurriges von 1987, Festvortrag: Zum 100jährigen Bestehen der Typographischen Gesellschaft München von 1990 und Programm-Bücher sowie Einladungen der tgm). Auch als fachkundiger Redner brillierte SchumacherGebler (zuletzt: Eckehart SchumacherGebler berichtet über F. H. Ernst Schneidler am 18.2.2003, ABCDESG – Die Alphabete des romantischen Realisten am 6.5.2008).

Eckehart SchumacherGebler vor dem Vortrag der tgm von Christof Gassner am 8.12.2009

Es versteht sich von selbst, dass ESG (spätestens) am 14. April 2019 die Ehrenmitgliedschaft der Typographischen Gesellschaft München e.V. verliehen bekommen musste. Hierbei hat Susanne Zippel eine sehr schöne Laudatio mit ausführlicherem Lebenslauf gehalten – Sie finden diesen Text in unserem Blogbeitrag anlässlich der Ernennung zum Ehrenmitglied.

Wir sind dankbar für alles, was er für uns und unsere Branche getan hat und werden ihn sehr vermissen. Eckehart SchumacherGebler ist am 17. Dezember 2022 im Alter von 88 Jahren verstorben.


* In einer früheren Version stand hier, ESG habe eine Ausbildung als »Drucker und Schriftsetzer (auch Schweizerdegen genannt)«. Der Verfasser dieser Zeilen ist sich zwar ziemlich sicher, den Schweizer Degen von ESG persönlich gehört zu haben. Er ging daher davon aus, dass SchumacherGebler auch eine Ausbildung als Schriftsetzer hatte. Ihm wurde jedoch mitgeteilt, dass eine Ausbildung zum Schriftsetzer nicht nachgewiesen werden kann. Da der Schweizerdegen keine geschützte Bezeichnung ist, gehen wir davon aus, dass ESG eine andere Aus- oder Weiterbildung in diesem Bereich (vielleicht seinen Meister) herangezogen hat. Dennoch haben wir die entsprechende Passage entfernt.


Vielen Dank an Gerd Fleischmann für die Redigierung dieses Textes.
alle Fotos: © Michael Bundscherer