Hochuli trifft Leu
Am 7. Mai 2026 kam es im Haus des Schweizer Buchgestalters Jost Hochuli in St. Gallen zu einer besonderen Begegnung zweier prägender Persönlichkeiten der europäischen Gestaltung: Gemeinsam mit seiner Frau, der Gestalterin Ursula Hochuli-Gamma, empfing Hochuli den deutschen Typografen und Gestalter Olaf Leu zum Gespräch über ihre Arbeit. Organisiert wurde das Treffen von Designer Clemens Hilger, der gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Gestalter Valentin Heisters (Heisters & Partner) an dem Gespräch teilnahm. Beide verbindet seit Jahren eine enge Beziehung zur Arbeit von Hochuli und Leu.
Im Verlauf des Gesprächs tauschten sich Hochuli und Leu ausführlich über ihre Schriften, ihre Arbeit und die Entwicklungen der Gestaltung in den vergangenen Jahrzehnten aus. Jost Hochuli (92) zeigte im Studio beispielhafte Entwürfe und sprach über seinen Weg als Buchgestalter und Typograf, über seine Arbeit für Verlage und kulturelle Institutionen sowie über seine Tätigkeit als Lehrer in St. Gallen und Wien. Seine Publikationen zu Schrift- und Buchgestaltung gelten international bis heute als wichtige Beiträge zur typografischen Diskussion.
Olaf Leu (89) zählt zu den prägenden deutschen Gestaltern der Nachkriegszeit. Als Typograf, Creative Director und Professor verband er früh die Klarheit europäischer Gestaltung mit Einflüssen der amerikanischen Kommunikations- und Werbekultur. Seine Arbeiten für internationale Unternehmen und Institutionen machten ihn weit über Deutschland hinaus bekannt. Als Ehrenmitglied der tgm gehört er zu den wichtigen Stimmen des deutschsprachigen Grafikdesigns.
»Wir sind uns nie begegnet, aber mein Respekt und meine Hochachtung vor Hochulis Werk bestehen seit vielen Jahren«, sagte Olaf Leu während des Treffens. »Es wurde höchste Zeit, dass wir das nachholen.«
Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte wurde im Gespräch schnell deutlich, wie nah sich beide in ihrem Verständnis von Qualität, Präzision und gestalterischer Haltung stehen. Typografie und Gestaltung verstehen beide nicht als Stilfrage, sondern als kulturelle Aufgabe. Hochuli schrieb nach dem Treffen an Leu: »So verschieden wir alle waren, mir schien, es sei eine gute Mischung gewesen.«
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