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Menschen

Hochuli trifft Leu

Valentin Heisters
16. Mai 2026
Jost Hochuli und Olaf Leu gehören zu den prägenden Figuren der euro­pä­ischen Typo­grafie der Nach­kriegs­jahr­zehnte. Jeder auf seine Weise. Dennoch sind sie sich nie persönlich begegnet! Das änderte sich letzte Woche in St. Gallen.
Jost Hochuli (inkks) und Olaf Leu (rechts) im Gespräch
Jost Hochuli (li.) und Olaf Leu im persönlichen Austausch über Gestaltung, Typografie und gemeinsame Haltungen. Zwei Gestalter, die einander mit großem Respekt begegneten, aufmerksam zuhörten und dabei in vielen Fragen zu gemeinsamen Standpunkten fanden.

Am 7. Mai 2026 kam es im Haus des Schweizer Buch­ge­stalters Jost Hochuli in St. Gallen zu einer besonderen Begegnung zweier prägender Persön­lich­keiten der euro­pä­ischen Gestaltung: Gemeinsam mit seiner Frau, der Gestalterin Ursula Hochuli-Gamma, empfing Hochuli den deutschen Typo­grafen und Gestalter Olaf Leu zum Gespräch über ihre Arbeit. Orga­nisiert wurde das Treffen von Designer Clemens Hilger, der gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Gestalter Valentin Heisters (Heisters & Partner) an dem Gespräch teilnahm. Beide verbindet seit Jahren eine enge Beziehung zur Arbeit von Hochuli und Leu. 

Im Verlauf des Gesprächs tauschten sich Hochuli und Leu ausführlich über ihre Schriften, ihre Arbeit und die Entwick­lungen der Gestaltung in den vergangenen Jahr­zehnten aus. Jost Hochuli (92) zeigte im Studio beispiel­hafte Entwürfe und sprach über seinen Weg als Buch­ge­stalter und Typograf, über seine Arbeit für Verlage und kulturelle Insti­tu­tionen sowie über seine Tätigkeit als Lehrer in St. Gallen und Wien. Seine Publi­ka­tionen zu Schrift- und Buch­ge­staltung gelten inter­na­tional bis heute als wichtige Beiträge zur typo­gra­fischen Diskussion.

Olaf Leu (89) zählt zu den prägenden deutschen Gestaltern der Nach­kriegszeit. Als Typograf, Creative Director und Professor verband er früh die Klarheit euro­pä­ischer Gestaltung mit Einflüssen der ameri­ka­nischen Kommu­ni­kations- und Werbe­kultur. Seine Arbeiten für inter­na­tionale Unter­nehmen und Insti­tu­tionen machten ihn weit über Deut­schland hinaus bekannt. Als Ehren­mitglied der tgm gehört er zu den wichtigen Stimmen des deutsch­spra­chigen Grafik­designs.

»Wir sind uns nie begegnet, aber mein Respekt und meine Hoch­achtung vor Hochulis Werk bestehen seit vielen Jahren«, sagte Olaf Leu während des Treffens. »Es wurde höchste Zeit, dass wir das nachholen.«

Trotz unter­schied­licher Schwer­punkte wurde im Gespräch schnell deutlich, wie nah sich beide in ihrem Verständnis von Qualität, Präzision und gestal­te­rischer Haltung stehen. Typo­grafie und Gestaltung verstehen beide nicht als Stilfrage, sondern als kulturelle Aufgabe. Hochuli schrieb nach dem Treffen an Leu: »So verschieden wir alle waren, mir schien, es sei eine gute Mischung gewesen.«

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