Jürgen Häusler zu Gast bei der tgm
 
Mit Design oder Kommunikation hatte er ursprünglich gar nichts am Hut. Denn eigentlich ist er Sozialwissenschaftler und bekennt sich sogar dazu, früher einmal Marxist gewesen zu sein. Jürgen Häusler ist vieles, aber eines ist er sicherlich nicht: langweilig.

Dasselbe darf von seinen Vorträgen behauptet werden. Im Gasteig sprach der Chairman von Interbrand Central and Eastern Europe auf Einladung der tgm über Marken- und Ortsbeziehungen. Unter dem Titel „Zwischen Versprechen und Realität“ entführte er sein Publikum in die Welt der Marken, die unseren Globus schon lange erobert hat. Nicht ohne Witz und oft auch provokativ schilderte er die Beziehung zwischen Marke und Raum.
Ob nun große oder kleine, reale oder virtuelle, physische oder soziale Räume – alle können geprägt sein von Marken, denn Marken kreieren Räume und das laut Häusler mit „totalitärem Gestaltungswillen“. Marken verändern allerdings nicht nur den Raum, sondern ebenso den Menschen. Oder wie es der Markenexperte beispielhaft formulierte: „Überall, wo McDonald’s ist, verändern Menschen ihre Physiognomie: Sie werden fett.“

Häusler, der es schätzte, durch spontane Zwischenfragen unterbrochen zu werden, erklärte auch das „paradox of choice“ und zeigte, warum eine große Auswahl nicht Freiheit bedeutet, sondern im Gegenteil beim Konsumenten die Angst vor Fehlentscheidungen generiert. Marken helfen an dieser Stelle, da sie eine Orientierungsfunktion übernehmen. Quasi als Beweis für diese These erzählte Häusler, dass er selbst vor bereits 40 Jahren entschieden hat, seine Zähne nur noch mit blend-a-med zu putzen, um der schwierigen Frage nach der richtigen Zahnpasta zu entkommen.

Viele seiner Thesen und so manche seiner provokanten Statements haben während sowie nach seinem Vortrag zu regem Meinungsaustausch geführt. Kontrovers wurde mit Häusler auch anschließend bei der Nachtausgabe diskutiert, die diesmal bei Literatur Moths stattfand. Umgeben von erlesenen Büchern und so manch witzigen Kuriositäten boten sich zahlreiche Gelegenheiten, mit Häusler ganz persönlich bei einem Glas Wein zu debattieren. In dieser inspirierenden Atmosphäre blieb die Nachtausgabe ihrem Namen treu, denn nicht wenige nutzten die Chance und philosophierten bis spät in die Nacht über Marke und Raum.

 

Martina Kopp
 
Bildnachweis: © Michael Bundscherer – flickr.com – Vielen Dank!