Ein Buch über Schriften erscheint, nicht etwa in einem der typoverdächtigen Verlage, nein ganz allgemein, bei Ullstein. Simon Garfield, ein britischer Journalist scheint sich in Druckschriften verliebt zu haben. Er berichtet gut recherchiert und oft auch witzig über die Schriften und Schriftszene heute, aber auch die wichtige Geschichte der Schrift kommt nicht zu kurz.

Die britischen und amerikanischen Begebenheiten dominieren zwar, das liegt schon daran, dass das Buch zuerst in London erschien. Im letzten Kapitel kommentiert Garfield sogar die schlimmsten Schriften der Welt (Comic Sans, Ecofont, Souvenir, Gill Sans Light Shadow, Brush Script, Papyrus, Neuland Inline, Ranson Note und am allerschlimmsten die Schrift der Olympischen Spiele 2012).
Garfields Recherchen ergeben zahlreiche Hintergrundgeschichten, die auch Szenenkenner interessieren könnten und er weist Druckschriften ganz richtig nach der Qualität der Lesbarkeit ein. Einige Schriften bekommen deshalb einzelne Kapitel. So die Gill Sans, Albertus, Futura, Dove, Baskerville, Frutigers, Gotham, Optima, Sabon, Vendome. Das heißt allerdings überhaupt nicht, daß nicht sehr viele andere Schriften angesprochen werden. Und bei manchen der Anekdoten über die Schriftgestalter werden einem die Gestalter oft durch die sonderbaren Begebenheiten recht sympathisch – oder auch nicht.
Das Ganze liest sich nicht wie ein ernstes Sachbuch, sondern eher wie erzählte amüsante Geschichten, eben über Schriften. Vielleicht eignet sich das sogar für einen Einstieg in das Thema, es genügt allerdings natürlich nicht, wenn man mit Schrift täglich umzugehen hat. Und was passiert, wenn eine Schrift außer Kontrolle gerät?Damit fängt das Buch von Garfield an.

Simon Garfield
Just my Type
Ein Buch über Schriften
Aus dem Englischen von Marion Hertle
368 Seiten, Ganzpappband mit Schutzumschlag
Ullstein Buchverlage Berlin 2012
ISBN 978-3-550-08879-7
20 Euro