Farben messen oder empfinden ist traditionell ein Streitpunkt. Im Bereich der Druckvorstufe messen wir lieber. Aber es gibt eine ältere künstlerische Tradition, die auf ästhetisch empfundene Erfahrungen baut. 128 Farben mit einem besonderen Gebrauchswert für Architekten werden von Katrin Trautwein vorgestellt.

 

Viele Farben stammen hierbei aus dem »Farbenklavier« LeCorbusiers. Jede Farbe ist ergänzt mit einer Beschreibung woher die Farbtöne kommen und auch einer kleinen Geschichte deren Pigmente, die für diese Farben eine große Rolle spielen. Für Gestalter sind jeweils die Annäherungen an CMYK und RGB dabei. In der knappen Einführung wird einiges zur Farbwahrnehmung und Anwendung relativiert. Das allein macht schon den Band lesenswert. »Der Vergleich [der Farbnuancen] mit einem Gourmet-Menü oder einem Spitzenwein ist nicht verfehlt, denn sie alle beeinflussen unser Wohlbefinden unmittelbar«, schreibt die Autorin. Interessant sind auch beispielsweise die Aspekte zur Gruppe der weißen Farben. Die von uns so geliebte klassische Moderne benutzte nämlich nicht die hochweissen Töne, sondern durchaus gebrochene Weißtöne. Und dass diese hochweissen Töne in der heutigen Papierproduktion so dominieren beruht vielleicht auf der Unkenntnis von Wahrnehmungs- und Lesbarkeitsfakten.

 

Katrin Trautwein
128 Farben.
Ein Musterbuch für Architekten, Denkmalpfleger und Gestalter.
296 Seiten, Spiralbindung.
Birkhäuser Verlag, Basel 2010.
ISBN 973-3-0346-7