Dank Kickstarter konnte bei Slanted ein sehr grundlegendes Buch zu visuellen Systemen erscheinen. In einem Anfang 2021 gehaltenen Vortrag vor der tgm sprach der Autor des Buches, Martin Lorenz, eher zurückhaltend über seine Theoriearbeit. Aber der Beweis sehr intensiven Nachdenkens und Anwendens liegt mittlerweile mit diesem Buch auf dem Tisch. Es ist ein Basiswerk zu systematischen und flexiblen visuellen Arbeiten. Und gleichzeitig spricht daraus sehr viel praktische Erfahrung. 

Im ersten Teil des Buches nähert sich Lorenz an das Phänomen der Systeme. Und eine Geschichte der visuellen Systeme folgt über Yi Jing zu Manutius / Griffo, DIN, Froebel, Albers zu Gerstners Programme und endet beim Studio Dumbar 2011.

Der zweite Teil ist eine praktische und visuelle Beschreibung, wie man flexible Systeme auf Formen entwirft, beginnend mit Kreis, Dreieck, Quadrat, Fünfeck und Sechseck.

Und im dritte Teil erklärt Lorenz, wie Transformationsprozesse zu flexiblen Systemen für visuelle Identitäten werden können. Das ist für kreative Programmierer, Motion Designer und experimentierende Gestalterinnen und Gestalter besonders interessant. 

Mir gefällt das Buch besonders, da es systematische minimale Systeme erprobt und so ein handwerkliches Denken von eben systematischer Arbeit überhaupt (in der Praxis leider eher seltener) fördert und vielleicht sogar ermöglicht. Eine gute Grundlage für weitergehende Gestaltung und gegen das Bauchgefühl. Und es ist ein Kompendium visueller Basis-Möglichkeiten. 

Martin Lorenz
Flexible visuelle Systeme
Broschur
320 Seiten 
Englisch 
Slanted, Karlsruhe 2021
ISBN: 9-783948-440305
42 Euro
https://www.slanted.de/product/flexible-visual-systems