Als Lettering (von engl. letter: Buchstabe) wird die Beschriftung von Sprechblasen in Comics bezeichnet (Wikipedia, 24-7-2015). Und Letterset ist ein indirektes Hochdruckverfahren. Und Letterpress ist angeblich etwas Neues, was gaaanz tolles. Aber eigentlich ist »Letterpress« nur die englisch Bezeichnung für Buchdruck.

Im Buchdruck, der ein Hochdruckverfahren ist, werden die Buchstaben ganz leicht in das Papier gepresst. Man spricht auch vom Anpressdruck. Dieser wird möglichst gleichmäßig mittels einer Zurichtung ausgeglichen, sodass die »Schattierung« auf der Rückseite des Bogens äußerst schwach zu erkennen ist. Erreicht wurde das durch Ausgleichen mit Seidenpapierschichten. Denn Unebenheiten hatte die Druckform, also die Bleisatzseite und es gab kleine Schwankungen der druckführenden Teile  (Zylinder und Formbett) der Druckmaschine. Die Zurichtung und damit der Gleichmäßige Druck führten zu einer hohen Qualität der Schriftwiedergabe im Buchdruck. Und Buchdruckseiten kann man haptisch spüren.

Im »Letterpress«-Verfahren werden dies handwerklichen Tugenden zur Karikatur. Dröhnend wird die Schrift oder deren Klischee abgequetscht. Hätte ein Buchdrucker so gedruckt wäre er schon im ersten Lehrjahr aus der Druckerei geflogen. Momentan entstehen ja wieder allerlei Handpressen und die traditionellen Druckverfahren sind beliebt. Vielleicht sollte man aber solche schriftzerstörenden Scheußlichkeiten wie »Letterpress« nicht benutzen. Prägedruck wäre etwas ganz anderes und in feiner Ausführung als Blindprägedruck für einzelne Elemente kostbar.
Buchdruckmeister Rudolf P. Gorbach.