Exakt 109.242 codierte Schriftzeichen gibt es derzeit auf dieser Welt – Tendenz steigend. Wir befinden uns in der Zeit der „digitalen Inventur“, wie es die Autoren von „decodeunicode“ Johannes Bergerhausen und Siri Poarangan ausdrücken. Deren persönliche Zeicheninventur begann spätestens 2004, als sie an der Fachhochschule Mainz das Projekt „decodeunicode“ ins Leben riefen. Die daraus entstandene, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Online-Plattform (2005) war die erste Form des digitalen Zeichenlexikons. Nun gibt es auch das zugehörige Buch.

Es enthält nicht nur alle Zeichen des Unicodes 6.0 in übersichtlicher, tabellarischer Form, sondern darüber hinaus ein brilliantes Einführungskapitel: Es wird ausführlich über die Geschichte der Zeichencodierung und die Hintergründe, Methoden und Technologien des heutigen Standards berichtet. Die Autoren schaffen es, aus einer vordergründig banalen Liste von Glyphen die Kulturgeschichte der Zeichen dieser Welt zu filtern. „A, B und C sind große Erfindungen – aber die Welt hört nach dem Buchstaben Z noch längst nicht auf.“

Ein wunderbare Idee sind die 100 farbigen Seiten, auf denen jeweils einzelne Zeichen oder Themen genauer vorgestellt werden. Man kann dort den „kreativen Himmel“ kennen lernen, sich von der Vielfältigkeit der Ziffer 9 überraschen lassen oder auch einfach mal verschiedene Leerräume auf sich wirken lassen. Langeweile Fehlanzeige! Wer sich für die Zeichen unserer Welt begeistern lassen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

 

 

Johannes Bergerhausen, Siri Poarangan:
decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt
656 Seiten
Format 22 x 28 cm
Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2011
ISBN 978-3-87439-813-8
68,00 EUR
www.typografie.de

Fotos: Verlag Hermann Schmidt Mainz