Das Handwerk der »Schwarzen Kunst« ist populär geworden. Das gab es seit dem Ende von Bleisatz und Hochdruck um 1970 noch nie. Vermutlich hat das mehrere Ursachen. Da ist die Liebe zu einem handwerklichen System, das es so nicht mehr gibt und andererseits die Lust zum handwerklichen Machen: Setzen im Handsatz, Seiten umbrechen, Formen schließen, »echt drucken«, Werkstatt riechen. Die Faszination an Satzregalen oder gar an einem Heidelberger Tiegel greift um sich. 

Heute gibt es kaum noch Fachleute, die das als Lehrberuf erlernt hatten. Dagegen hat der Verein für Schwarze Kunst erfolgreich eine Ausbildung im Walz-System ausgeschrieben und schon mehrfach durchgeführt. Zahlreiche Werkstätten und Pressen haben sich neu gegründet. Sie haben andere Ziele als etablierte bibliophile Pressen, lieben Einzelbuchstaben in Blei oder noch öfter aus Holz, sind fasziniert von Tiegeldruckpressen.

Die Fachbücher für das grafische Gewerbe, die Bleisatz und Hochdruck betreffen, sind über 60 Jahre alt und für die komplexe Lehre der einzelnen Lehrberufe ihrer Zeit ausgerichtet. Das ist für einen heutigen Überblick mühsam und auch zu detailiert. Und deshalb ist es eine gute Idee, das Heike Schnotale, selbst spät gelernte Schriftsetzerin, und Michael Wörgötter, Professor für Typografie mit Wurzeln zur Lithografie, das Thema in einem den heutigen Bedürfnissen gerechten Art zu einem Buch komponiert haben. Und da ist für die Werkstattfans alles vorhanden, was man hierzu braucht.

Das Buch beginnt mit der Organisation und dem Aufbau einer Satz-Druck-Werkstatt, beschreibt die nötigen Möbel und Geräte und führt in den Bereich der Bleisatzschrift ein. Etwas Schriftgeschichte und die DIN-Klssifikation werden mit einer Auswahl von gängigen Bleisatzschriften ergänzt. Das ist wichtig für den kulturellen Bezug der Leser. Planvoll geht es dann ans Setzen, wobei ein Modell einer Nachbildung einer Drucksache von Kurt Schwitters als »Laborratte« funktioniert. Die typografische Basis wird hier an den Wurzeln, dem Bleisatz, erläutert und in vielen Abbildungen gezeigt. Die handwerklichen Techniken um Druckformen zu bauen (oft bestaunt) samt nötiger Arbeitshilfen wie Klebeumbruch, aber auch die Basis des Druckpapiers finden Beachtung. Selbst an eine Mini-Einführung zur Farbe wurde gedacht. Setzmaschinen, Druckpressen werden beschrieben. Aber einen Heidelberger Zylinder kann man deshalb wohl noch nicht ohne weiteres bedienen, obwohl gerade das Kapitel über die Arbeit an der Druckpresse alle Arbeitsschritte (sogar die Zurichtung per Handausschnitt) enthält. Und schließlich wird auch das Finale einer Drucksache, die buchbinderische Verarbeitung oder das Fertigmachen beschrieben.

Das Text-Bild-Buch ist sehr lebendig gestaltet, gesetzt aus der bei Lazydog erschienenen Genzsch-Antiqua (Schriftmischung mit der Univers), allerdings sinnvollerweise digital, also nicht im Bleisatz. Und das Buch ist informativ für alle, die die Techniken der Schwarzen Kunst erfahren wollen. Als ehemaliger Buchdrucker kommen mir hierbei viele Erinnerungen. Es war damals oft mühselig, aber im Rückblick auch schön.

Heike Schnotale, Michael Wörgötter
Bleisatz
Ein Werkstattbuch
160 x 240 mm
319 Seiten
Ganzpappband
Rheinwerk Design, Bonn 2022
ISBN 978-3-8362-8770-8
39,90 Euro