Bei den schriftbesessenen alten Ägyptern


 

Die Typografische Ortsbesichtigung im neuen Ägyptischen Museum war bald nach dem Anmeldestart ausgebucht. Die hohen Erwartungen der Teilnehmer wurden durch die Führungen von Dr. Sylvia Schoske, Prof. Dr. Dietrich Wildung und Christian Raißle mehr als erfüllt. Die Erläuterungen aus unterschiedlichen Perspektiven (Kunst, Architektur, Design) machten das Gesamtkonzept des Museums auf einer spannenden und kurzweiligen Art und Weise verständlich und erlebbar.

Trotz der – milde ausgedrückt – schwierigen Lichtverhältnisse konnte ich einige Eindrücke mit der Kamera festhalten:

Rechts im Hintergrund: Die Stand-Schreitfigur des Gottes Horus (ca. 1360 v. Chr.)

 

Sämtliche Piktogramme im Museum wurden von DIE WERFT neu Entwickelt.

 

 

 

Der Hintergrund ist für uns sehr spannend: Die »Tapete« ist ein Siebdruck, der vor Ort und direkt an die Wand angebracht wurde.

 

 

Swiss Graphic Designers (SGD) Basel zu Besuch in München


Im April 2013 organisierten Catherine Hersberger und ich gemeinsam eine tgm-Studienreise nach Basel, Elsass und Weil am Rhein. In Basel begrüßten uns der Präsident der SGD Basel Nicholas Mühlberg und ein weiteres Vorstandsmitglied Markus Stöckli persönlich und verbrachten einen ganzen Tag mit der Gruppe. SDG Basel arrangierte eine Exklusivführung durch Kurt Würmli im Depot der Plakatsammlung, bei der die Teilnehmer eine Einführung in die Geschichte der Schweizer Plakatgestaltung bekamen und Originalplakate von u.a. Emil Ruder, Max Bill und Niklaus Troxler ansehen – und sogar anfassen durften. Anschließend gab es ein Mittagessen in der Mensa der Schule für Gestaltung Basel, und Nicholas Mühlberg führte uns durch die Schule und verschiedene Fachklassen; er selbst leitet dort die Fachklasse für Grafik. Am Ende des Tages, beim späten Abendessen, erfuhren wir, dass Nicholas Mühlberg seinen Geburtstag mit uns verbracht hatte.

Schriftgeschichte von und mit Kate Wolf an der Schule für Gestaltung Basel

 

Die soziale Nachhaltigkeit der tgm-Studienreisen ist einer der Hauptgründe, warum ich seit einigen Jahren leidenschaftlich solche Reisen mitorganisiere. Dass zum Beispiel tgm seit der Studienreise nach Armenien 2009 den GRANSHAN-Wettbewerb zu Non Latin Type Faces mitverantwortet, dass es seither eine schöne und konstruktive Zusammenarbeit zwischen tgm und dem Armenischen Kultusministerium gibt, und dass wir seither freundschaftliche Beziehungen zu einigen Kollegen in Armenien pflegen, begeistert und erfüllt mich maßlos.

Auch die Studienreise nach Basel blieb nicht »folgenlos« und erwies sich nachträglich als sozial-nachhaltig: SGD Basel kam mit einer Gruppe von zehn Kollegen vom 24. bis 27. Oktober 2013 nach München, so dass wir an den Kontakt anknüpfen und mit großer Freude die Swiss Graphic Designers in München begrüßen durften.

 

TypeWalk mit Oliver Linke
Im Rahmen eines Exklusiv-TypeWalks zeigte Oliver Linke den Basler Kollegen einige der wichtigsten Typo-Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt. Wir holten die Reisegruppe in Haidhausen ab und gingen mit ihnen bei herrlich sonnigem Herbstwetter zum Platzl. Den Ausklang des ersten Reisetages bildete dort ein typisch Bayerisches Abendessen.

 

Führung in der Designschule München
Am Freitag Vormittag arrangierte Dominik Parzinger eine Führung in der Designschule München, wo er als Dozent für visuelle Kommunikation und Fotografie tätig ist. Der stellvertretende Schulleiter Studiendirektor Martin Fahmüller begrüßte die Gruppe mit einer Präsentation über die Geschichte und Strukturen der Schule. Nach einer kurzen Kaffeepause durften wir dann einige Fachklassen besuchen und uns mit Dozenten und Studenten austauschen.

 

Agenturführung bei KOCHAN & PARTNER
Besuch der tgm-Geschäftsstelle
Boris Kochan empfing die Gruppe in seiner Doppelfunktion als Agenturinhaber und als Ersten Vorsitzenden der Typographischen Gesellschaft in der Hirschgartenallee 25 und 27. Bei einem Rundgang durch die Agenturräume konnten wir einige Mitarbeiter und ihre Projekte kennenlernen. Zwei der aktuellen Projekte wurden uns von den verantwortlichen Mitarbeitern präsentiert. Der Besuch in der Hirschgartenallee endete mit einer kleinen Ausstellung aus den Agenturarbeiten und einem Mittagessen in der Rotis’serie.

 

Agenturbesuch bei Wangler und Abele
Catherine Hersberger führte die Reisegruppe anschließend nach Schwabing zu einem Besuch bei der Agentur Wangler und Abele.

Den Abschluss diesen zweiten Reisetages bildete ein gemeinsames Abendessen mit Kollegen aus München und Basel im Literaturhaus.

Am Wochenende standen diverse Museumsbesuche und eine Theateraufführung auf dem Reiseprogramm der Basler Designer. Wir hoffen, dass die Kollegen schöne und bleibende Eindrücke aus München mit nach Hause nehmen konnten, und dass sie bald wiederkommen.

Fotos: Catherine Avak und Christoph Draxler

Bildsprache – ein Workshop in Fragen


von Simone Naumann

Stundenlang könnte man über ein Bild diskutieren. Ist es zufällig entstanden oder wurde jedes Element durch den Fotografen bewusst eingesetzt oder arrangiert? Sehen wir als Betrachter überhaupt die Information, die der Fotograf vermitteln möchte? Wie betrachten wir Bilder, wie nehmen wir Informationen auf? Viele Fragen für ein Bild.

Und genau darum ging es im Workshop Bildsprache »Part Zwei« – Bilder qualifiziert beurteilen mit Martin Summ und Dominik Parzinger.

Als ich, leider mit Verspätung, zum Workshop stieß, tummelten sich bereits acht Teilnehmer in verschiedenen Ecken des Raumes und hantierten mit einem Hammer! Hatte ich mich in der Tür geirrt, und war das ein Grundkurs für häusliches Handwerken?

Doch eher unwahrscheinlich unter dem Dach der Mediadesign Hochschule München. Sie werden es ahnen, der Hammer war hier kein Werkzeug, er war Objekt. Natürlich ging es um einen fotografischen Prozess, sich den kompletten Vorgang vom Konzept, über die Bildidee bis hin zur fertigen Aufnahme vor Augen zu führen und ihn dann Schritt für Schritt umzusetzen. Am Ende stand die gemeinsame Beurteilung, konstruktive und kritische Fragen der beiden Workshopleiter sollten den Denkprozess sehr anregen. Entspricht die Aufnahme, das Endprodukt wirklich der ursprünglichen Bildidee? Ist das Foto Zufall oder entspricht es der Skizze, die vorab gemacht wurde? Wie wurde vorgegangen und wie kann dieses Foto z.B. einem Kunden erklärt werden? Viele der Aufnahmen wichen vom ursprünglichen Ansatz ab. Knallhartes Fazit der Dozenten: Die typische Fotofalle! Erst eine Skizze machen und sich dann verlaufen. Am Ende kommt kein Bild von einem Hammer raus aber ein »Hammer Bild«.

Wozu braucht man Bilder? War die nächste Frage, die es zu klären galt. Es folgte eine gemeinsame, intensive Diskussion. Welche Eigenschaften gehören zur Informationen und wer sieht sich eher auf der Seite der Emotion. In Gedanken geht man schon sein komplettes Fotoarchiv durch. Wo ordnet man was wirklich ein und warum wurde so und nicht anders aufgenommen? Wer kennt das nicht: Gefangen in dem Moment der Aufnahme sehen wir mitunter eine völlige andere Geschichte als später der Betrachter.

Du siehst was du denkst!
Nie ist es möglich, eine Aufnahme neutral und losgelöst von den eigenen Gedanken zu betrachten. Immer spielen unsere Kenntnisse und Emotionen eine bedeutende Rolle. Was interpretiert man in ein Bild hinein? Wie viel Information braucht ein Bild, um die richtige Antwort zu geben? Diese Diskussion führten wir anhand von Porträtaufnahmen. Alle abgebildeten Personen wurde in gleicher Position, in gleichem Umfeld aufgenommen. In den Aufnahmen waren auf dem ersten Blick sehr wenige Informationen vorhanden. Wer von ihnen fährt einen Mercedes? Wer hat eine Mietwohnung? Wer ist dir sympathisch oder unsympathisch? Wir suchten und suchten, diskutierten über Informationen, Anhaltspunkte unserer eigenen Wahrnehmung, und was wir glauben zu wissen, weil wir es nicht anders kennen.

Am zweiten Tag Feedback und schon war es wieder da, das Unwort des Wochenendes: die Fotofalle. Und mit ihr eine Fülle an theoretischen Überlegungen. Grundlagen der theoretischen Basis dieses Tages waren folgende Überlegungen: Der Fotograf bestimmt den Bildinhalt, seine Kamera ist das Werkzeug. Und dennoch kann der Betrachter eine völlig andere Bildaussage als der Fotograf sehen. Was braucht man für ein Foto: Kamera, Motiv, eine Idee bzw. eine Absicht? Eine Matrix mit vier Elementen war das Werkzeug der nächsten Stunden.

Bilder wurden nun nach folgenden Kriterien geordnet:

  • Material für die Kunst des Fotografen
  • Wie bin ich?
  • Wie möchte ich gesehen werden?
  • Wie sieht mich der Fotograf ?

Das ging nicht ohne Diskussionen über die Bühne, sehr lange Diskussionen. Die zentrale Frage dabei war, wann ist ein Bild ein Bild? Ist es nur ein Abbild eines Gegenstandes oder macht der Fotograf es zum Bild? Mit Informationen werden Emotionen in ein Bild gegeben. Wir diskutierten über ein Stillleben. Zwei Vasen. Was ist die Kunst des Fotografen? Wenn er sein eigenes fotografisches und künstlerisches Talent in ein Bild hineinlegt? Das Objekt mit besonderem Licht betont oder aus einem ganz bestimmten Blickwinkel das Objekt aufnimmt?


 
Häufig erhalten wir Bildinformationen über einen bekannten Kontext. Der Kontext kann im Bild stecken, im Objekt selbst, oder es sind unsere Erfahrungen unser Wissen, unsere Gewohnheiten.
Wir versuchten nun unsere mitgebrachten Bilder in diese Matrix einzuordnen. Fragen wie: »Was war dir hier wichtig?«,  »Was hast du gesehen?«,  »Warum hast du so und nicht anders fotografiert?«, wurden intensiv und angeregt diskutiert.
 
Die Matrix war etabliert und wird uns in Zukunft vermehrt beschäftigen. Damit wieder zurück zum Hammer. Die Aufgabe lautete: sucht einen Platz auf der Matrix, plant die Form der Aufnahme und setzte sie um. Und, et voila, die meisten Aufnahmen entsprachen danach tatsächlich der vorherigen Planung. Geht doch! Dominik und Martin haben uns mit Geduld und Beharrlichkeit sehr viel vermittelt. Die umfangreiche Theorie wurde in vielen Diskussionen wiederholt und vertieft.

Ein Bild muss in dem Kontext, in dem du dieses Bild setzt, bestehen können. Es muss tatsächlich die Geschichte erzählen, die darzustellen beabsichtigt war.
 
Diese Erkenntnis nehme ich mit in meinen Arbeitsalltag, nun hängt der Hammer 😉

Simone Naumann
Dagmar Martin

Foto-Reisetagebuch: Dresden, Halle, Dessau und Leipzig


von Catherine Avak und Thomas Schlierbach

Anfang November 2012 hat sich eine Reisegruppe von 17 Personen auf Spurensuche und Entdeckungsreise zu wichtigen Stationen der Typografie- und Designgeschichte in Dresden, Halle, Dessau und Leipzig gemacht. Anhand einiger Fotos möchten wir die einzelnen Stationen dieser schönen Reise beschreiben.

Hier hat jede Type ihre Geschichte …

Unser stets gut gelaunter Busfahrer Charly bringt uns zu unserer ersten Verabredung: Offizin Haag-Drugulin in Dresden.

 

Eckehart SchumacherGebler zeigt uns mit Leidenschaft und Begeisterung seine Schätze, hier ein Schriftmusterbuch mit »Non Latin Type Faces« aus dem 19. Jahrhundert.

 

Wir erhielten eine Exklusivführung durch die Produktionsstätten des Typostudios SchumacherGebler. Es war besonders spannend, die altehrwürdigen Druck- und Satzmaschinen in Aktion zu erleben.

 

Linda von Keyserlingk (Sachgebietsleiterin Schriftgut) führte die Reisegruppe durch das Dresdner Militärhistorische Museum, das vom Stararchitekten Daniel Libeskind 2011 erweitert wurde. Die Synthese aus Exponaten, Ausstellungskonzept und Architektur überzeugte sogar unsere eingefleischten Pazifisten. Am Ende der Führung haben sich Frau von Keyserlingk und der wissenschaftliche Leiter des Museums Gorch Pieken Zeit für eine ausgiebige Diskussion genommen.

 

 

Am ersten Abend machte die Gruppe eine Kneipentour durch die Neustadt und entdeckte unterwegs allerlei Typografisches.

 

Tag 2: Trüber Tag – aber die »Bauernromanik« von Hellerau (O-Ton Walter Gropius) bezauberte die Teilnehmer trotzdem. Wir lernten dabei auch einen Experten für Jakob Hegner (legendärer Hellerauer Buch- und Schriftgestalter) kennen.

 

Frau Prof. Sabine Golde führte uns durch die Werkstätten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein und zeigte uns einige Abschlussarbeiten der Studenten der Fachklasse Buchkunst.

 

Hier ein Kreisschneider in der Buchbinderwerkstatt von Burg Giebichenstein.

 

Auf dem Weg nach Dessau werfen wir einen Blick durch »Lyonel Feiningers geheimes Fenster« in Halle. Bei dieser Führung besuchen wir alle Orte, die der Bauhaus-Lehrer auf seinen elf Halle-Gemälden festgehalten hat.

 

Ankunft in der Ikone der Moderne! Wir übernachten im Atelierhaus im Bauhaus und sind begeistert von der Atmosphäre in den ehemaligen Studentenzimmern.

 

Während des zweitägigen Aufenthalts im Bauhaus ist die Marcel-Breuer-Lounge der Treffpunkt für Frühstück und Verschnaufpausen zwischen den unterschiedlichen Führungen.

 

Am letzten Tag kurz vor der Abreise aus Dessau macht der Himmel auf und entzückt alle Fotografen in der Gruppe.

 

Unsere letzte Station ist Leipzig, wo Prof. Rayan Abdullah uns in seiner Firma Markenbau freundlich mit orientalischen Köstlichkeiten empfängt. Er berichtet ausführlich von seiner Lehrtätigkeit und zeigt uns wunderbare Studentenarbeiten und ein paar eigene Projekte. Wir wären gern länger geblieben …

 

Bevor es nach Hause geht, steht noch der Besuch im Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig an: Ein interessanter Schnelldurchlauf durch die Mediengeschichte der Menschheit und ein kurzer aber spannender Blick in den Museumstresor, wo am Tag zuvor die Ausstellung Noten aufzeichnen – Klang speichern eröffnet wurde.

 

Fotos: Christoph Draxler, Bernd Köhler, Andrea Mogwitz, Thomas Schlierbach

 

 

Internationale Konferenz »Verantwortung Gestalten«


Eine Fotoreportage von Simone Naumann.

Im Rahmen der MUNICH CREATIVE BUSINESS WEEK fand am 9. Februar 2012 die Konferenz »Verantwortung Gestalten: Respekt und Übermut« im Literaturhaus München statt.

Einen Tag lang teilten Münchener und internationale Referenten aus allen Design- und Wirtschaftsdisziplinen ihren Blick auf das Thema »Verantwortung in der Gestaltung«. Aus ökologischen, ökonomischen, sozialen, nachhaltigen und persönlichen Perspektiven gingen sie Vorschlägen nach, wie und inwieweit Gestaltung zur Verantwortung gezogen werden kann, will und soll.

 

Boris Kochan: Typo für alle. Vom Balancieren auf dem Tellerrand.

 

Florian Kohler: Oberflächen mit Tiefgang. Über die Dimensionen des (Papier-)Schöpfens.

 

Florian Kohler

 

 

Ausstellung: Edle Papiere aus Gmund (Gmund Papiere)

 

Sandra und Anja Umann vom Modelabel Umasan aus Berlin mit Silke Hohmann

 

Anja Umann bei der Ausstellung ihrer veganen Avantgard-Mode

 

Uwe R. Brückner: Begehbare Inhalte. Eine szenografische Einführung

 

 

 

Boris Kochan und Stefan Sagmeister

 

 

Mark Adams: Recycling is a defeat. The value of eternity

 

Die erste Reihe

 

Martina Grabovszky: Design bewegt. Über die Grenzen hinaus …

 

Martina Grabovszky

 

 

Erik Spiekermann: Neue Lösungen statt alte Probleme. Von der Umgestlatung des Denkens

 

Erik Spiekermann kam extra aus San Fransisco.

 

König Bansah und Julian Zimmermann: Der König ist Kunde. Ein Gestaltungsmärchen

 

König Bansah

 

Stefan Sagmeister: Über Mut zum Eigensinn. Von der Psychologie der Dinge

 

nur noch 5 Minuten …

 

Fotos: Simone Naumann

Typofikation Nr. 2


 

Dieter Rams‘ zweiter Grundsatz zur guten Gestaltung lautet:

 

Gutes Design trägt zur Nützlichkeit des Produktes bei

Jedes Industrieprodukt dient einem bestimmten Zweck. Man kauft es nicht, um es nur anzusehen. Man benutzt es und tut bestimmte Dinge damit. Ein Gerät ist gut gestaltet, wenn es optimal verwendbar ist. Wenn seine verschiedenen Funktionen dem Verbraucher eine optimale Handhabung ermöglichen. Aber wenn man sich umsieht, entdeckt man viele Produkte, deren Design nicht auf notwendiger Funktionalität basiert. Manchmal muss man froh sein, wenn das Design eines Produktes seinen Gebrauch nicht beeinträchtigt. Der Designer, der ein wirklich funktionales Produkt entwickeln will, muß sich in die Rolle der Benutzer hineindenken und -versetzen und ihre Bedürfnisse und Wünsche verstehen. Der Designer ist der Anwalt der Gebraucher. Der strikte Funktionalismus der Vergangenheit ist in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten. Vielleicht zu Recht. Denn die Definition der Funktion des Produktes war oft zu begrenzt und puritanisch, und darüber vergaß man psychologische und andere Funktionen. Das Spektrum der Bedürfnisse der Menschen ist oft größer, als die Designer zugeben wollen oder können. Funktionalismus mag ein Begriff sein, der verschiedenste Definitionen zuläßt. Aber es gibt keine Alternative dazu.

Eine mögliche »Übersetzung« dieses Prinzips für die Typografie wäre etwa:

Jede Publikation dient einem bestimmten Zweck. Man nimmt sie nicht in die Hand, um sie nur anzusehen. Man will sie lesen und einen bestimmten Informationsgehalt daraus beziehen. Ein Buch etwa ist gut gestaltet, wenn es optimal lesbar ist. Wenn seine gestalterischen Elemente und Ebenen dem Leser eine optimale Handhabung ermöglichen. Aber wenn man sich umsieht, entdeckt man viele Bücher, deren Typografie nicht auf notwendiger Lesbarkeit basiert. Manchmal muss man froh sein, wenn die Gestaltung eines Buches seinen Gebrauch nicht beeinträchtigt. Der Typograf, der eine wirklich gut lesbare Publikation entwickeln will, muss sich in die Rolle des Lesers hineindenken und -versetzen und ihre Bedürfnisse und Wünsche verstehen. Der Typograf ist der Anwalt der Leser.

Die klassische Typografie ist in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten – nicht zu Recht. Denn auch wenn wir heute viel Digitales lesen, hat sich die Funktionsweise des Gehirns nicht verändert, wir lesen heute genauso wie vor 80 Jahren. Für eine gute Lesbarkeit gelten nach wie vor die klassischen Regeln der Typografie. Manche Gestalter erwecken den Eindruck, um jeden Preis etwas Neues machen zu wollen – nach der Devise »Hauptsache anders«. So gibt es heute viele Publikationen, die zwar grafisch schön anzusehen sind, nicht aber als Informationsträger funktionieren. Gute Lesbarkeit ist kein Begriff, der verschiedenste Definitionen zulässt. Es gibt keine Alternative dazu.

 

Die 2. These der Ramsifikationen in der Fassung aus dem Jahr 1990 ist zitiert aus Rams, Dieter: Die leise Ordnung der Dinge. 1. Auflage. Steidl Verlag. Das Foto stammt von der Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Fotograf: Armin Herrmann

Eröffnung der 57. TDC-Show


Baustelle: Erdgeschoss im Vorderhaus Hirschgartenallee 25 in München zwei Tage vor der TDC-Show-Eröffnung.

Am 19. November einige Stunden vor der Eröffnung:

Oben: Alfred Küng, der Ausstellungsgestalter

Unten: Anja Kurz und Alfred Küng

Alles ist fertig, es kann losgehen:

Oben: Die Gewinnerarbeiten des 4. Internationalen Non-Latin-Type-Design-Wettbewerbs Granshan 2011 sind im Rahmen der TDC-Show zu sehen.

Das gutgelaunte DJ-Duo steht auch schon in den Startlöchern:

Um 19:30 Uhr ist die Ausstellung offiziell eröffnet:

Luc(as) de Groot (oben), Helmut Ness (unten rechts) und Boris Kochan (unten links) halten je eine kurze Ansprache.

Die Ausstellung ist bis zum 4. Dezember 2011 in der Hirschgartenallee 25 zu sehen. Öffnungszeiten sind von Mittwoch bis Freitag 18 bis 20 Uhr sowie am Wochenende (Sa und So) von 16 bis 20 Uhr.