Erstaunlich ist, wie viele Monospace-Schriften es gibt. Durch ihre für alle Buchstaben gleiche Breite sind sie für die Lesbarkeit von Texten problematisch. Sinnvoll war eine Monospace einstmals für die Schreibmaschine und das schon ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Und der epochale Erfolg der Schreibmaschine beruhte auch mit auf diese Schrift-Möglichkeit. 

Kommunikations-Terminal vor 1950

Ich erinnere mich noch an dicht vollgeschriebene DIN-A4-Blätter, die grauem Aktenstaub glichen. Versuche, die mit Schreibmaschinenschriften aus verschiedenen Gründen wenigstens saubere und etwas besser lesbare Dokumente zu schaffen, waren schwierig und gelangen erst einigermaßen in den 1960er-Jahren mit der IBM-Kugelkopf. Oder etwas später mit dem IBM-Composer, der sogar satzähnliche Produkte erzeugen konnte (immerhin 3 Buchstabenbreiten!).

Bei slanted ist nun ein großzügig gestalteter Band »Mono Moment« erschienen, in dem 47 Monospace-Schriften vorgestellt werden. Monospace-Schriften sind bei vielen Gestaltern beliebt, was vielleicht auch ein wenig kurios ist. Wenn es um einen Zweck geht, braucht man dicktengleiche Schriften eigentlich nur für die Nachbildung von Dokumenten und der Wiedergabe von Computerprogrammen. Geschmacksmoden wollen dem widersprechen.

Auch diese Schriften sind ästhetisch voller Reiz und durchgehend sorgfältig entworfen und gestaltet. Trotzdem ist es vielleicht ein historischer Nachhall, der an eine große Geschichte der visuellen Kommunikation erinnert. Friedrich Kittler widmete der Schreibmaschine ein umfangreiches Kapitel in seinem 1986 in Berlin erschienenem Buch »Grammophon, Film, Typewriter«.

Selbst viele Künstler haben sich mit der Schreibmaschine angefreundet und diese für ihre Werke benutzt. Ein ganzes Buch zeugt davon über die Schreibmaschinenkunst (Marvin und Ruth Sackner, Schreibmaschinenkunst. München 2015).

Und noch direkter mit der Schreibmaschine und ihrer Schrift hat sich bereits 2010 mit der 11. Ausgabe slanted beschäftigt (slanted Magazin # 11. Monospace, Schreibmaschine. Karlsruhe 2010). Leider ist diese Ausgabe längst vergriffen.  

»Mono Moment« behandelt das Thema ab der Mitte des 20. Jahrhunderts sehr asketisch, von Howard Kettlers »Courier« von 1955 bis zu Nicolien van der Keurs »VanderKeur« von 2020.

Mono Moment – ​​Monospace Type Design
208 Seiten
22  €
ISBN 978-3-948440-32-9
slanted, Karlsruhe 2022