Schon mehrmals haben wir Titel der Buchreihe »Ästhetik des Buches« im Wallstein Verlag hier im Blog rezensiert – es ist also kein Geheimnis, dass wir von dieser recht angetan sind.

Namhafte Autoren verschiedenen Disziplinen – aus Buchgestaltung und Typografie, aber auch aus Philologie, Semiotik, Literatur … – widmen sich hier sowohl den kulturellen und wahrnehmungspsychologischen als auch ästhetischen Qualitäten des gedruckten Buches. Mal als reflektierende Erkenntnisse aus der Praxis, mal als theoretische Überlegungen zu Themen wie Lesen, Buchmarkt, Fotobuch, Medien- und Schriftgeschichte und … klar, Buchgestaltung. Obwohl einige Autoren die Texte und das Cover selbst gestalten, ist die Reihe in sich stimmig. Vermutlich auch wegen des stets gleichen handlichen Formats, dem angenehmen matten Papier, den verschiedenen stets gut lesbaren Schriften (jeweils eine Renaissance-Antiqua) und der angenehmen herstellerischen Qualität.

Nun liegt Band 14 vor. Silvia Werfel versucht auf 88 Seiten die »Buchgestaltung in Deutschland« zu fassen. Tatsächlich wird gleich richtig losgelegt: In Form eines Essays reißt Sie die Entwicklung der Buchgestaltung seit Gutenberg an, wichtige Nachkriegs-Gestalter, der aktuelle Stand der Buchgestaltung sowie den Diskurs an Hoch- und Fachhochschulen. Angesprochen wird auch: Wie hat sich die Qualität der Bücher in den letzten Jahren entwickelt, welche stilistische Wandlungen gab es und welche Konventionen sind heute gültig, welche Verlage haben in Deutschland in den letzten Jahren viele Preise gewonnen, was sind die aktuellen Trends und wohin entwickelt sich die Branche in Zukunft? Die Breite der Betrachtung ist beeindruckend, alles fachkundig und informativ; nach nur 19 Seiten ist dieses Feuerwerk aber schon wieder vorbei.

Der zweite Teil listet auf jeweils zwei Doppelseiten 15 deutsche Buchgestalter·innen auf. Neben einer einseitigen Vita bleiben also drei Seiten mit Abbildungen von Buchprojekten – fast in Thumbnail-Größe. Diese lassen bei Innenseiten leider nur den groben Aufbau erkennen, wegen der kleinen Größe und die einfarbige Darstellung kann die typografische Gestaltung, immerhin eines der Hauptkriterien in der Buchgestaltung, nur schlecht beurteilt werden. Das eigentlich praktische Format 13 cm × 20,5 cm ist hier leider etwas ungünstig.

Auf dem Umschlag und mehrmals im Text wird das inzwischen 30 Jahre alte Standardwerk »40 Jahre Buchkunst« von Hans Peter Willberg erwähnt. Mit diesem 269-seitigen Katalog zum Wettbewerb »Schönste Bücher« der Stiftung Buchkunst kann sich das vorliegende Buch aber freilich nicht messen.

Die Neuausgabe zur »Buchgestaltung in Deutschland« irritiert zunächst etwas. Sie passt zwar inhaltlich, nicht aber konzeptionell in Wallensteins »Ästhetik des Buches«. Vielleicht wäre es besser gewesen, diesem Thema mehr Raum zu lassen und dem Buch nicht das Korsett der Reihe anzulegen? An einigen Stellen hätte ich die Materie gerne noch etwas tiefer und länger betrachtet. Im Gegensatz zu den anderen Titeln der Reihe ist es in erster Linie also kein Nachdenk- sondern eher ein Sachbuch. Dann aber, wenn alle Sachpunkte auf dem Tisch liegen, regen einige durchaus zum Nachdenken an (beispielsweise: Wie schauen Bücher aus, wenn Buchgestalter lange Texte in Zukunft eher meiden?).
Dieses Buch ist gut geeignet für den schnellen und breiten Überblick der deutschen Buchgestaltung der letzten 30 Jahre – und wird seinem Versprechen somit grundsätzlich gerecht.

Silvia Werfel
Buchgestaltung in Deutschland
Reihe: Ästhetik des Buches; Bd. 14
88 Seiten
engl. Broschur
Wallstein Verlag, Göttingen 2021
ISBN: 978-3-8353-3928-6 
14,90 Euro