Nicht oft ist Typografie so eng mit einer Ausstellungstradition verbunden wie dies bei der documenta erscheint. Hier ist nicht nur die Wort-Bildmarke (Logo) gemeint, sondern die Gesamtheit des visuellen informierenden Auftritts.

Arnold Bode hatte sich auf das Bauhaus bezogen. Er hat diese Welt in den 30er Jahren mit ehemaligen Bauhäuslern selbst mit erlebt. Und so zeigt sich der Bezug mit den ersten Ausstellungen in Plakaten und Katalogen der documenta. Eine virtuelle Ausstellung hierzu finden Sie auf: www.documenta-bauhaus.de

Plakat der 1. documenta 1955
Plakat der documenta 1959
Plakat der documenta 1964

Die Kataloge und Handbücher zur documenta waren meistens mit dem funktionellen und konstruktiven Ansatz der Gestaltung fortgeführt. Das bezieht sich nicht auf die einzelnen Logos der Jahrgänge, die künstlerischen oder später auch Marketing-Gesichtspunkten folgen dürften.

Handbücher der Ausstellung für documenta 13 (2012), 12 (2007), 11 (2002) und 9 (1992)
Bücher über einzelne Künstler. documenta 2012

Die 15. documenta 2022 erscheint in den Drucksachen etwas anders, wie auch die gesamten Ausstellungen einem anderen Geist folgen. Das sich wild gebärende Logo verliert sich in den Texten. Die Gestaltung der vier Publikationen der documenta 15 erinnert nicht an ein Kunstbuch sondern vielleicht mehr an ein Jugendbuch.

Drucksachen zur documenta 15. Für die Leichte Sprache (rechts) wird das Logo endgültig unbrauchbar.

Für meine Besprechung des Katalogs gibt es hier enorme Einschränkungen. Denn der Verlag versendet zur Besprechung nur pdfs der Doppelseiten der 4 Begleitbücher. In den pdfs gibt es keine Navigation, sondern es sind einfach Abbildungen der Doppelseiten der Print-Ausgaben. So ist es – wie immer bei Bildschirmbeurteilungen – kaum möglich, Aussagen über die Gestaltung gezielt zu treffen. Und das läßt nicht gerade auf eine Zukunft des gedruckten Buches hoffen.

Die recht bunte Gestaltung setzt sich im Inneren der Bücher fort. Das Material der Abbildungen führt sein Eigenleben und dominiert damit die Bücher. Am Bücherstand der documenta habe ich dann wenigstens kurz die Bücher leibhaftig gesehen und haptisch erstaunt wahrgenommen. Lesbarkeit war hier wohl nicht die wichtigste Aufgabe und Mikrotypografie ließ sich verbessern. Wie heute üblich werden möglichst ganz neue Schriften verwendet. Mit den Schriften hat sich ein Beitrag in der Zeitschrift »Grafikmagazin« 4 2022 beschäftigt.

Ich gehöre nicht zu den documenta-Kritikern, bin seit Jahrzehnten von diesen Ausstellungen fasziniert, war und bin auch von den Projektbeschreibungen der documenta 15 begeistert. So weit sogar, dass ich mich frage, ob es nach der Lektüre der einzelnen documenta-Beiträge überhaupt einer Ausstellung mit umfangreichen Texten und langen Videos bedurft hätte?

Hier folgt eine Serie von Doppelseiten-Abbildungen aus den vier begleitenden Büchern zur documenta 15 (pdfs)

documenta fifteen Handbuch
Hrsg. Ruangrupa, Text(e) von Ruangrupa, A.K. Kaiza, Alvin Li, Andrew Maerkle, Ann Mbuti, Annie Jael Kwan, Ashraf Jamal, Wong Binghao, Camilo Jiménez Santofimio, Carine Zaayman, Carol Que, Chiara De Cesari, Dagara Dakin, Enos Nyamor, Farhiya Khalid, Ferdiansyah Thajib, Hera Chan, Joachim Ben Yakoub, Krzysztof Kosciuczuk, Marta Fernández Campa, Max Kühlem, Nuraini Juliastuti, Övül Ö. Durmusoglu, Pablo Larios, Ralf Schlüter, Rayya Badran, Skye Arundhati Thomas, Tina Sherwell
320 Seiten, 150 Abb.
Klappenbroschur
ISBN 978-3-7757-5281-7
25 €

Gehen, Finden, Teilen
Ein illustriertes Begleitbuch zur documenta fifteen
ISBN 978-3-7757-5283-1
15 €

Majalah lumbung
Ein Magazin über Ernten und Teil
ISBN 978-3-7757-5285-5
30 €

lumbung erzählen
ISBN 978-3-7757-5286-2
18 €

HatjeCantz Verlag, Berlin 2022

Anmerken darf ich, dass die Sonderausgabe des »Kunstforums« einen hervorragenden Überblick über die documenta 15 (Band 283) gibt.