Vertrauen. Darum drehte sich alles beim Vortrag von Florian Haller im Gasteig. Denn Vertrauen ist »eine Währung mit Hochkonjunktur«. Oder wie es der Hauptgeschäftsführer von Serviceplan auch beschrieb: »ein Megatrend«.

»Geld verloren, nichts verloren. Vertrauen verloren, alles verloren.« Die Altvorderen wie Robert Bosch wussten es längst. Und doch müssen sich heute viele Unternehmen diese Erkenntnis mühsam neu erarbeiten und tiefgreifende Folgerungen für ihr Verhalten ziehen. In der durch die sozialen Medien möglichen Verkehrung des jahrelang geübten Sender-Empfänger-Prinzips müssen Unternehmen lernen, Antworten zu geben, Verantwortung ist wahrsten Sinne des Wortes zu übernehmen. 
Auch Serviceplan hat diese Veränderung längst erkannt und Haller kritisiert in seinem Vortrag die mangelnde Bereitschaft vieler Unternehmen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Immer mehr deutsche Unternehmen leiden unter Stammkundenabwanderung und einer Schwächung der Marke, weil grundlegend nachhaltiges Agieren in allen drei Dimensionen des Begriffs nicht geübt ist: sozial, ökologisch und wirtschaftlich. Damit wird auch deutlich, warum Florian Haller prägnant ausführt: »Bei Nachhaltigkeit geht es nicht um Gutmenschentum. Es geht um Markenprofilierung.«
Die Regeln, um das Vertrauen der Kunden (wieder) gewinnen zu können, sind eigentlich einfach, wie etwa »Skandale vermeiden« oder »glaubwürdiges Handeln«. Darüber hinaus braucht es laut Haller aber auch die Bereitschaft, den zum Teil inflationär gebrauchten Begriff Nachhaltigkeit aus der abstrakt-theoretischen Betrachtung heraus zu überführen in ganz praktische Alltagserfahrungen, die die »Konsumenten emotional erreichen«.
»Nachhaltigkeit« und »Vertrauen« haben eine zutiefst ökonomische Dimension, denen sich eben auch Marketing und Werbung stellen müssen. Nicht wenige Zuhörer zeigten sich positiv beeindruckt über diesen Weg zum Erfolg …

Ein »typografisches Tänzchen« zur Vorspeise gefällig?
Die Schrift, die im Vorprogramm gezeigt wurde, trägt dieses Mal den Namen »Gingar« und stammt aus der Hand der Berlinerin Melle Diete. Beide Typen – die Entwerferin und ihre Schrift –  faszinierten das Publikum mit beschwingtem Elan. Die Schriftfamilie, die in 15 Abstufungen zwischen den Extremen Ultra Light und Extra Black angelegt wurde, verfügt außerdem über eine freundliche Kursive und zahlreiche zusätzliche Glyphen.

Fotos: © Simone Naumann