»Verantwortung gestalten«, so lautet das Motto der tgm-Konferenz im Rahmen der 1. Munich Design Business Week (MCBW). Wie sehen Sie denn die Verantwortung des Designers?

Ich habe eigentlich immer die Meinung vertreten, dass der Designer mit seiner Arbeit keine besondere oder größere Verantwortung hat als alle anderen Menschen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er nun am Bankschalter sitzt oder eben Designer ist. Diese moralische Verpflichtung gibt es für jeden, nicht nur für den Gestalter.

Für sich selbst sehen Sie also diesen Anspruch?

Ich denke, es ist nur natürlich, dass wir – wie wohl jeder andere – mit unserer Arbeit lieber in guten Projekten involviert sind als in schlechten oder zweifelhaften. Unter „gut“ verstehe ich dabei, dass es Projekte sind, an die wir glauben können. Diese müssen nicht unbedingt sozial verantwortlich sein oder in eine soziale Richtung gehen. Das kann zum Beispiel durchaus auch Werbung sein für Produkte, von denen ich überzeugt bin oder von denen ich glaube, dass sie ein Recht haben in unserer Welt zu sein. Wir hatten in letzter Zeit eigentlich nur mit Kunden zu tun, deren Produkte wir selber verwenden oder gerne verwenden würden.

Das kommt ein bisschen aus moralischen Gründen, hat aber viele wunderbare praktische Vorzüge. Einmal sind Dinge, die man selbst verwendet, spannender, zweitens ist es auch im Umkreis viel interessanter, weil man die Arbeit mit Freunden bespricht, und drittens muss man nicht lügen. Das hat einen großen Vorteil für den Kunden, aber auch für den Endverbraucher, weil die Kommunikation ehrlich ist.

Das ist in Werbeagenturen nicht immer der Fall?

Art Direktoren oder Texter können sich die Aufgaben nicht aussuchen. Ich glaube aber, dass das über längere Zeit nicht gut für die Seele ist. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass so viele ältere Werber, die ich kennengelernt habe, unglaublich zynisch sind. Sie haben zu lange Dinge gemacht, an die sie nicht geglaubt haben.

Aber hat denn die Arbeit des Designers als Multiplikator nicht doch stärkere Auswirkungen als zum Beispiel die eines Schreiners?

Ich bin mir da nicht so sicher. Auch ein Schreiner kann ein Multiplikator sein. Wie ein Schreiner mit seinen Kunden, seinen Mitarbeitern und seinem Material umgeht, das hat durchaus Auswirkungen auf sein Umfeld. Ich habe gerade in Österreich einen Schreiner getroffen, von dem ich überzeugt bin, dass er seine Kunden glücklicher verlässt als er sie angetroffen hat. Einfach weil er so liebevoll und sorgfältig und verantwortungsvoll arbeitet.

Verantwortung gestalten, heißt das nicht auch, den Empfänger zur Verantwortung befähigen? Gibt es dazu nicht Beispiele aus Ihrer Arbeit?

Wir haben längere Zeit für einen Kunden gearbeitet, der das Pentagon-Budget zugunsten einer besseren Ausbildung einschränken wollte. In diesem Zusammenhang haben wir viele interaktive Dinge gemacht. Dadurch wurde das Publikum direkt integriert, etwa wenn es schätzen sollte, wie denn das Verhältnis von Militär- und Erziehungs-Etat aussieht. Wenn die Möglichkeit besteht, den Betrachter aktiv mit einzubeziehen, dann wählen wir immer diesen Weg, weil wir überzeugt sind, dass dadurch die Kommunikation besser funktioniert.

Wie sehen Sie denn eine Initiative wie die MCBW, die sehr viele, sehr unterschiedliche Veranstaltungen, Ausstellungen und Präsentationen aus ganz unterschiedlichen Bereichen vereinigt?

Grundsätzlich finde ich solche Bemühungen immer sehr hilfreich. Ich denke auch, dass gerade die Kommunikationsdesigner da anderen Design-Sparten voraus sind. Wenn man etwa Produktdesign, Mode oder auch Werbung betrachtet, dann sind die Veranstaltungen thematisch meist sehr viel enger gefasst – oder es geht sowieso nur um Preisverleihungen und Auszeichnungen.

Dass es aber Veranstaltungen gibt, die eher grundlegende Fragen stellen, das ist glaube ich schon das Verdienst der Kommunikationsdesigner – und vielleicht doch ihre Verantwortung. 

Das Interview führte Herbert Lechner.