Wer an der Forschung über Inkunabeln und früher Drucke interessiert ist findet im Gutenberg-Jahrbuch ausführliche Berichte und Informationen. Seit 1926 gibt es diese jährliche Ausgabe. Die 96. Ausgabe für 2021 stelle ich hier vor, wobei ich hinzufüge, dass ich die Ausgaben seit 2006 sehr interessiert verfolgt habe.

Gleich fällt die hervorragende typografische Gestaltung von Ralf de Jong auf. Gesetzt aus der MT Walbaum, eine Walbaum noch schöner als es die Bleisatz-Version war. Der historisch-warme Eindruck dieser relativ neuen Version ist sehr angenehm.

Nahe an unsere Zeit rückt ein Bericht des Medienhistorikers Jürgen Wilke. Er analysiert die Presseberichterstattung der großen Londoner Pest von 1665/66, die als eine der schlimmsten Epidemien der frühen abendländischen Neuzeit gilt. Wilke beginnt mit Daniel Defoe, der in einem Tagebuch bereits eine frühere Pest (1722) schilderte. Die Kommunikationswege der Zeit werden dargestellt, zeitgenössische Pesttraktate zitiert. Und gerne wurden in der Presse die Opferzahlen genannt. Nebenbei hat das einiges mit Presserecht oder Zensur zu tun. Die Umstände der Berichterstattungen bei den Zeitungen »The Intelligencer«, »The News« oder »The Oxford Gazette« werden ausgewertet und auch abgebildet. Doch auch Zeitungsartikel in deutschen Zeitungen werden untersucht. Es gibt Parallelen zu heute.

Einige Beiträge dieses Jahrbuchs als Beispiele ( teilweise in ihren Originalsprachen gesetzt). So kann man ein Lehrbuch zur Rhetorik von Albrecht von Eyb von der handschriftlichen Verfassung bis zum Druck von 1472 verfolgen. Umfangreiche Beispiel- und Vergleichsabildungen finden sich bei »Christophorus Valdarfer’s Roman Types and their Imitations« von Riccardo Olocco. Über  die L’Imprimerie Lithographique Engelmann in Mulhouse  berichtet Dominique Lerch, einer Druckerei des 19. Jahrhunderts. Und viele andere weitere Beiträge … Und natürlich rentiert es sich erst recht in frühere Bände des Jahrbuchs rein zu schauen.

Es ist sicherlich ziemlich »speziell«, was hier vorgestellt wird. Aber die Druckgeschichte und damit die Geschichte des Buches ist es ja ohnehin und darüber hinaus ziemlich spannend, wenn man sich damit befasst (was zur Typografie dazu gehört).

Gutenberg-Jahrbuch 2021 
Hrsg. im Auftrag der Gutenberg-Gesellschaft von Stephan Füssel 
356 Seiten
Leinen mit Schutzumschlag
Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 2021
ISBN 978-3-447-11620-6
98 Euro