Vor dem Ackerbau ging es den Menschen am Besten, sagt Julian Nida-Rümelin zu Beginn seines Vortrags. Eine Aufwärtsentwicklung fand nicht statt, was mit der Industrialisierung noch bestätigt wurde. Der technische Fortschritt führt zum Kapitalismus und einer Konkurrenzgesellschaft. Die Idee der rein wirtschaftlichen Optimierung bewirkt nicht per se qualitätvollere Lebensbedingungen. Das Paradigma der Rationalität und der Verbesserung der Ergebnisse ist nur begrenzt sinnvoll. Wir müssen deshalb kommunizieren um Erfolg zu haben.

Hierzu nennt Nida-Rümelin drei Grundprinzipien: Wahrhaftigkeit, damit man an sich selbst glaubt; Vertrauen muss gewährleistet sein; und Wahrheit, damit beide funktionieren und wir eine Sprache sprechen. Wenn das stimmt ist die wesentliche Voraussetzung für eine humane Ökonomie gegeben. Regeln mit Konfliktpotential zur Mehrheit sind zu brechen. Regeln bilden sich natürlich nicht von selbst und schon gar nicht durch die Märkte. Nida-Rümelin präferiert den Begriff der »Tugend«, sieht das »Glück« als denEinsatz der eigenen Fähigkeiten für ein gelungenes Leben. Ein Tugendkatalog wäre zu entwickeln, der die eigene Urteilskraft fördert, die Entscheidungsstärke bei gleichzeitig konsequenter Strukturierung. Eine Besonnenheit mit der entsprechenden Selbsteinschätzung, die die eigenen Grenzen kennt und emphatische Möglichkeiten berücksichtigt. Und natürlich die Gerechtigkeit mit einer autonomen Entwicklung auf Freiheit. Die Gegensätze zwischen Ethik und Ästhetik funktionieren nicht. Wir gestalten unser Leben nach unseren Vorstellungen und die ästhetische Qualität sieht heute oft recht schlecht aus. Im Vergleich zur pietistischen Ästhetik ohne »Tand« sollten wir eine Versöhnung mit der gestalteten Welt erreichen. Gestaltete Funktionen müssen mehr als Dekoration sein. Ein gelungenes Leben kann nicht nur die Optimierung der Produktion sein. Ein sehr schöner Beginn der aktuellen Vortragsreihe »Verantwortung in der Gestaltung« mit diesem wunderbaren Vortrag. Und gespannt darf man auf die folgenden Verantwortungsträger sein. Rudolf Paulus Gorbach / Astrid Baldauf