Typografie und leichte Sprache


Typografie als Mittler zwischen Text / Sprache und dem Vorgang des Lesens ist für Typografen selbstverständlich. Typografie muss dabei funktionieren. Aber wie sieht Typografie für Menschen mit kognitiven Einschränkungen aus?

Seit 2019 gibt es im Deutschen Designtag auf Initiative von Boris Kochan eine Projektgruppe, die sich damit beschäftigt: die Projektgruppe »Inklusives Kommunikationsdesign« des Deutschen Designtags unter Leitung von Ulrike Borinski und Birgit Walter (beide Forum Typografie). Hier arbeiten zahlreiche tgm-Mitglieder mit. 

Anfang 2020 verkündete das Deutsche Institut für Normung (DIN) die Ausarbeitung eines DIN SPEC-Projektes zum Thema »Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache«. Den dazugehörigen Geschäftsplan hat der Deutsche Designtag kommentiert und kritisiert, dass unter den bisherigen Teilnehmern des Projekts weder Gestalterinnen oder Gestalter noch Experten für den Einsatz von Bildern sind. Deshalb entsandten die einschlägigen Verbände zur Mitarbeit:

  • Typographische Gesellschaft München (tgm), Rudolf Paulus Gorbach (Beirat);
  • Illustratoren Organisation Berlin (IO), Juliane Wenzl;
  • Allianz deutscher Designer (AGD), Sabina Sieghart;
  • Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner (BDG), Stefanie Ollenburg;
  • Forum Typografie (FT), Sonja Schultes,
  • Forum Typografie (FT), Prof. Monika Schnell;
  • Zentrum für Designforschung (HAW Hamburg), Tom Bieling.

Zunächst aber erst einmal, um was es im Projekt »Leichte Sprache« eigentlich geht. Sabina Sieghart schreibt darüber: »6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland haben Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen kurzer Texte (BMBF, 2019). In unserer literalen Gesellschaft ist Lesen eine Grundvoraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wenn wir über die Zukunft des Lesens nachdenken, stellt sich die Frage, was wir als Designer und Designforscher beitragen können, um das Lesen und Textverstehen für schwache Leser zu erleichtern. 

Seit einigen Jahren wird in der Praxis und auch in der Forschung das Phänomen Leichte Sprache diskutiert. Hauptdesiderat der Forschung ist dabei die empirische Überprüfung, der in der Praxis entwickelten Regeln der Vereinfachung. Die zentrale Frage ist dabei, wie verständlich Leichte Sprache für die Zielgruppe ist«.

Mit der ersten Konsortialsitzung wurde Rudolf Paulus Gorbach in den Beirat gewählt. Mit den entsandten Gestaltern entstand sofort eine Arbeitsgruppe, die auch beispielgebend für andere Interessengruppen des DIN-Projektes »Leichte Sprache« ist. 

In der Arbeitsgruppe arbeiten zusätzlich zu den Mitgliedern des Konsortiums am DIN SPEC mit:

  • Florian Adler,
  • Prof. Dr. Bettina Bock,
  • Ulrike Borinski,
  • Boris Kochan,
  • Torsten Meyer-Bogya,
  • Albert-Jan Pool,
  • Christoph Schall,
  • Birgit Walter,
  • Susanne Zippel.

Die Arbeitsgruppe »Typografie und leichte Sprache« möchte darauf einwirken, dass funktionierende Gestaltung für Text und Bild wirkungsvoll verwendet werden kann. Das heißt, dass Basis-Empfehlungen erarbeitet werden. Sobald die Aufgabe komplexer wird, ist es ratsam, eine im Thema einschlägige Gestalterin oder Gestalter zu beauftragen.

Was bis jetzt geschah, sind zahlreiche Sitzungen, viele informelle Überlegungen und ein intensiver Austausch zwischen den Teilnehmern der Arbeitsgruppe »Typografie und leichte Sprache« Sprache. Und in Arbeit ist jetzt eine umfassende Gliederung des ganzen Komplexes. Im übrigen sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, die bereits in der Gruppe »Lesbar« aktiv sind. Vielleicht lohnen sich die theoretischen Erwägungen auch für eine bessere Gestaltung im Bereich der Leichten Sprache.