Manchmal silbern glänzend, mit elegantem Schwung, manchmal verstaubt, verrostet mit dem morbiden Charme des Verfalls: Alte Ladenbeschriftungen lassen die Herzen vieler schriftbegeisterter Menschen höher schlagen. Sei es die individuelle, immer wieder andere Gestaltung der Schriftzüge oder die reine handwerkliche Qualität, die uns staunen lässt – in jedem Fall ist die Sammlung, die uns Volker Plass in seinem Buch präsentiert ein echter Augenschmaus.

In den letzten Jahren erschienen einige Publikationen und Initiativen (siehe unten), die sich mit Schrift im öffentlichen Raum auseinandersetzen. Offenbar scheint die Tatsache, dass die älteren Exemplare ganz langsam Stück für Stück verschwinden, immer mehr Menschen zu alarmieren. Bewahren oder zumindest Dokumentieren heißt die Devise, die auch Volker Plass seit Jahren verfolgt. Seine Bildersammlung von über 13.000 Fotos hat er nun nach den schönsten Motiven durchsucht und präsentiert sie uns in seinem neuen Buch.

Der überwiegende Teil der fotografierten Objekte stammt aus Wien. Es sind aber auch Beispiele aus anderen Teilen Österreichs und Deutschlands im Buch enthalten. Auf genauere Beschreibungen verzichtet der Autor. Auch der Ort wird nur grob benannt, weil man befürchtet, dass Diebe darauf aufmerksam würden. Insofern handelt es sich also um einen reinen Bildband, wobei meist jeweils zwei Fotografien übereinander platziert wurden. Dadurch wirkt das Layout leider etwas gleichförmig und nüchtern. Auch die schattierten Rahmen treffen wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack.

Interessant ist, dass Plass die Schriftzüge nach ihrem Wortlaut bzw. Metier zusammenstellt, so finden sich oft gleich mehrere Beispiele für Bäckereien, Feinkostläden oder Wäschereien nebeneinander. Alte Begriffe, wie »Feinputzerei« oder »Anstreichermeister« lassen den Leser unwillkürlich schmunzeln. Man fühlt sich zurückversetzt in eine andere Zeit.
Bleibt zu hoffen, dass Initiativen wie diese tatsächlich eine größere Wertschätzung im öffentlichen Bewusstsein oder bei den Denkmalbehörden bewirken und letztlich den Bestand an wertvollen Beschriftungen zumindest ein wenig schützen.

Volker Plass: Stadtschriften – Was über Geschäften einst geschrieben stand
160 Seiten mit 240 Farbabbildungen
Format: 16,5 x 21 cm
Hardcover
Metroverlag, Wien 2014
ISBN: 978-3-99300-193-3
19,90 EUR
www.metroverlag.at

Vergleichbare Publikationen zum Thema:
Martin Ulrich Kehrer: »Stadt Alphabet Wien« und »Stadt Alphabet Barcelona«
Verena Gerlach u.a.: »Karbid«
Oliver Linke u.a.: »Von Asam bis Zrenner«
Buchstabenmuseum Berlin
Verein Stadtschrift