Touch, oder was man darunter versteht 
Ken Garland, der bereits 1963 nützliche und nachhaltige Kommunikationsformen forderte und zu den interessantesten britischen Gestaltern gehört, beginnt mit Beispielen der Berührung oder sogar der Rührung anhand von Tierbildern. Berührungen, sensorische Berührung, affektive Berührung bei Füßen von neugeborenen Menschen oder unterschiedliche Hände, weiß als gesund im Gegensatz zu schwarz als krank.

Ken Garlands Bühne

Eine Hand berührt den Kopf eines Kindes, das schon im Grab liegt. Klar, Garland will das Publikum sensibilisieren und sagt auch: Wenn wir uns auf das verlassen was wir auf dem Bildschirm sehen, sind wir verloren. Wie wahr. Am Schluss seines Vortrags verteilt er Gegenstände im Publikum, die berührt werden sollen und lobt das Gefühl bei der Berührung. Touch heißt ja auch das Motto des internationalen Design Talks Typo 2013 in Berlin.  Hoffentlich ist das nicht nur eine Metapher, welche die einzelnen Sprecher halt auch einmal erwähnen, denke ich.

Nancy Birkhölzer und Reto Wettach sind sehr enttäuscht von einem »Ingenieurs-Ansatz«, den sie in der Gestaltung sehen und meinen, dass  Gestalter »das Ruder rumreissen« sollten. Dank der Technik könnten den Menschen ihre Wünsche erfüllt werden. Doch die Menschen verpassen was um sie herum geschieht, da sie mit ihren Mails beschäftigt sind. Ein Bild wird nicht mehr gesehen sondern ein Bild wird »gemacht« und sofort gepostet. Klick und gefällt mir, nichts wahrnehmen, aber cool aussehen.
Was ist aber mehr wert als »gefällt mir«?
Wie engagiert man sich für das, woran man glaubt oder besser gesagt, wie nimmt man besser wahr? Und dann folgen Empfehlungen und Warnungen: Alle Macht dem Geist zurückgeben. Täglich 63000 Wörter erhält ein Mensch zur Informationsverarbeitung. Aufmerksamkeitsdauer  8 sec.. Störungen ausschalten und das Netz abstellen. Die Daumen werden stärker durch dauernde SMS Betätigung.  
Computer beanspruchen immer die volle Aufmerksamkeit.
Die beiden Referenten empfehlen Mobiltelefone, die Empfindungen wieder geben. Oder ein Radio mit Stopfen für eine direkte Handlung.
Und übrigens bräuchten wir Gesten.
Dabei erzählen sie von ihrer Arbeit mit Apps, da doch ab 2015 in der EU alle Autos mit dem Internet verbunden sein müssen. Und nebenbei stellen sie dauernd digitale Möglichkeiten vor, ob Tabletten genommen wurden oder nicht. In einer Bäckerei geht die Info über alles was aus dem Ofen kommt sofort ins Internet. (Und das soll gut sein?)
»Kochhaus« wird als Beispiel eines begehbaren Rezeptbuchs gesehen, alle Zutaten werden mitgeliefert. Kochen ade.
Drei Millionen Fernbeziehungen gibt es in Deutschland. Wie kann man hier intimere Kontakte schaffen? Beispielsweise mit Daumenküssen über den Bildschirm. Vibrationsmodus in der Wäsche, finden die beiden auch im  Prinzip toll. Lampen, die andere Bewegungen aufnehmen.
Xing Radar, ist doch eine schöne Art wenn man seine Freunde kommen »sieht«. Viel digitaler Touch, aber für was?
Immerhin aber die Idee der Give Box, in die man eingibt, was man nicht mehr braucht, überflüssige Lebensmittel an Sammelorte bringen. Nun ja, aber das ist auch nicht ganz neu.

Lust am Handwerk und Attraktion auf der Typo: Gestalter dürfen mit Holzschriften setzen

Harry Keller von Edenspiekermann findet, dass alles auf totale Vernetzung hin läuft und rät für sich, ob das alles gut sei. Findet
Google Glass lächerlich und Gesichtserkennung ist für ihn eine schreckliche Vorstellung. Die Maschine steuert uns nicht, sondern eher die Menschen. Aber die Revolution braucht Designer und Designer sollten die Zukunft denken. Er sagt, dass weniger Leute im digitalen Bereich arbeiten und viel mehr im Printbereich, dessen Zeit demnächst zu Ende gehen soll. Die Frage stellt sich, ob das digitale Angst macht? Im Web könne  viel mehr schief gehen als im Printbereich, wo alles bestimmt wäre.
Man muss mit Entwicklern arbeiten, obwohl diese Leute oft alles ganz anders machen. Der Designer entwirft für den best case. Der Entwickler muss die Funktionen möglich machen. Entwickler ist also nicht nur  Umsetzer, sondern vor allem Partner. Die Projekte für das Web sind nie fertig, sondern gehen immer weiter. Oft entwickelt man etwas, was fehlerhaft ist, weil man nicht weiß, was draußen in der »Wildnis« geschieht.
Dann noch einiges aus der Werkstatt: Der Entwurf wird nicht mit InDesign gemacht, denn im Web gibt es keine Serien von Seiten. Bei Spiekermann wird mit Keynote gearbeitet. Ein Raster im Web hätte keinen Sinn oder man fasst einen Raster noch einfacher.

Schrift für die Goldene Kamera

Carolin Rauen und Max Kuehne von Paperlux zeigten sich zunächst mal als Babyfoto. Der gelernter Schildermaler mit Hut sieht Kundenbeziehung als Flirt. Das mag für ihn nett sein, doch seine langatmige naive Darstellung von Kundenbeziehungen waren nicht einfach zu ertragen.
Die aufwändig geprägt, gestanzt und lackierten Präsentationen für die Goldene Camera, (Hör Zu) gipfelten in banalen Drucksachen.
Seit 2012 ist auch ein sibirischer Illustrator im Team. Die Covergestaltungen für novum sind in der Branche sehr aufgefallen.
Nach einer Auseinandersetzung mit den Ideen von Buckminster Fuller entsteht ein Dreiecksraster in Farbvarianten. Das ist sicherlich eine  interessante und engagierte Prozesstechnik. Den Film über die Produktion, aber auch über die Werkstatt hätte man sich sparen können.

Design toucht wild
Kate Moross blickt zurück auf ihre Piraterie nach der Schulzeit und die Punkszene. Sie glaubt, dass wir heute in einem Punkzeitalter leben. Heimwerken, also das Selbermachen wäre doch Beispiel dafür.
Behauptet, dass es für sie keine  Regeln der Gestaltung gäbe, denn es ginge lediglich um Kommunikation und dass man sich für etwas bemüht. Und später sagt sie dann auch fast kokett, sie würde eigentlich nur Bullshit machen. Das scheint aber nicht so zu sein. Für ihre äußerst farbigen, überbunten Arbeiten gründete sie ein CD-Label um die Covers gestalten zu können.

 

Der einstige Typostar Neville Brody überzeugte durch sein umfangreiches Werk. Er begann mit früheren Arbeiten und zeigte die Entwicklungsspanne anhand der Zeitschrift Fuse (siehe auch Buchbesprechung Fuse-Übersicht im tgm-Blog).
Er führt handgemachte Beispiele vor, was manche verwundern mochte, da Brody ja mit der aufkommenden digitalen Typografie berühmt wurde. Und beim Handgemachten erwähnte er gleich die im Hamburger Bahnhof laufende Gesamtsicht auf das Werk von Martin Kippenberger samt Zwischenraum von Dieter Roth als schönes Beispiel einer Ausstellung.
Heute geht es ihm nicht mehr um die Tools, er findet die Medien antisozial und meint, dass die siebziger Jahre nicht so hektisch waren. Entwicklungen liefen eher im Hintergrund, was heute nicht mehr so ist.
Nach der Postmoderne wollen viele seiner Studierenden nichts Digitales, sondern ein Buch. Und ein wichtiger Versuch ist für ihn, dass das Digitale analoger gemacht wird. Mehr Fluidum und Malerei sollte ins Digitale gebracht werden,  was ja vor 20 Jahren vorhanden war. Nicht funktionierendes wie ein Jahrbuch, das zerfallen
soll oder The Times als Theater.
In der Rückschau auf 20 Jahre Fuse zeigte und kommentierte er viele Beispiele, die inzwischen Typografie- und Designgeschichte geworden sind. Übrigiens war »Touch« einst Titel eines Multimedia-Magazin von    Jon Rozencroft.

 

Jessica Walsh, Partnerin von Sagmeister, gab einen umjubelten Schlussvortrag. Sie sprach äußerst perfekt, bisweilen fragte man sich, ob da nicht eine digitale Puppe stände. Aber sie zeigte dann doch auch viel Leben, indem sie ihre anwesende Schwester auf die Bühne holte, was vom Publikum mit Applaus bedacht wurde. Ist das jetzt schon Kitsch, fragt man sich verwundert? Zurück zum Inhalt:  Was sie zeigte und kommentierte, waren perfekte Arbeiten. Viele Ideen kommen aus der Kunst, sind hier nur auch noch äußerst perfekt ausgeführt. Oft wundert man sich wie große Markenartikler sich zur Umsatzvergrößerung und Gewinnmaximierung solche Arbeiten leisten. Natürlich gibt es auch die großspurigen »Sagmeistereien«, beispielsweise die Eigenwerbung im prüden Amerika mit sich und Sagmeister im Nacktfoto. Walsh sieht dies  und wohl alles als Spiel, jedenfalls lautet der Text im Programmheft so und das Spielerische konnte sie auch an die vielen Studierenden im Publikum gut vermitteln.

»Gute Typografie muss passend sein, das würde uns glücklich machen« Das genaue Gegenteil der Bühnenhyperaktivitäten bieten die Schweizer Stieger, Senn, Hafen. In äußerst ruhiger Dartstellung zeigten die drei Gestalter aus St. Gallen ihre sehr schönen Buchgestaltungen.
Das Buch hat sich wenig verändert. Den Weißraum gab es schon in alten Büchern. Ihre Gestaltung geht betont vom Inhalt und von den Innenseiten aus. Der Ablauf, also die Dramaturgie ist neben dem prinzipiellen Seitenspiegel wesentlich.
In einem Buch über Jost Hochuli zum 75. Geburtstag werden Schriften verwendet, die Hochuli immer verwendet hatte. Holzhaltige Papiere kommen zu neuen Ehren, da alle in Würde altern: der jeweilige Autor, die Leser und natürlich das Papier.
In einem Band über eine Lokremise gibt es aufeinander kaschierte Seiten, der Text kann so gefahrlos über den Bund laufen.
Ihre Arbeiten findet man aber auch für das Kunstmuseum St Gallen
Oder auf sehr schönen Plakaten des Theaters St Gallen.
Über ihre Lehrtätigkeit berichteten sie aus dem Fach Schriftgestaltung, wo es eine interessante Aufgabe gibt: Schriftentwurf in 20 Minuten in 4 cm x-Höhe.
Spannend sei es auch mit neuen Schriften zu arbeiten. Seine Allegra hatte Jost Hochuli auf  van Crimpens Idee der 20er Jahre aufgebaut, aber nach dem Erscheinen der Rotis liegenlassen. Dem Team ist es gelungen die Arbeit daran wieder aufzunehmen und sie erzählten dann auch, dass
je Zeichen mit einer Stunde Arbeit zu rechnen sei.

Welche Schrift könnte Kindern mit eingeschränktem Lesevermögen helfen besser zu lesen? Anne Bessemans hat nach ihrer Dissertation mit dem Thema »Lesbarkeit für Kinder mit eingeschränkter Lesefähigkeit« einem Forschungsbeitrag auf wissenschaftlichen Grundlagen geleistet.
Eine neue und dafür geeignete Schrift sollte entwickelt werden. Nun weiß man, dass Lesen lernen ein sehr komplexer kognitiver Prozess ist. Leseschwierigkeiten behindern auch intellektuelle Entwicklungen. Ein Prozess. der normalerweise mit dem Alter von neun Jahren abgeschlossen ist. Die Schwierigkeiten  Ziffern, Zeichen und Muster zu erkennen wird manchmal mit einer Verbesserung der Eingangssignale versucht, Schrift  etwas größer. Aber das hilft noch nicht.
Die Lücke zwischen Praxis und Wissenschaft ist oft eklatant.  Zu wissenschaftlichen Forschungsarbeiten werden oft keine Gestalter hinzu gezogen. Beim Testmaterial in ihrem Forschungsprojekt zeigte sich, dass eine Lesbarkeitsbeeinträchtigung oft schon in der Schriftwahl für den Test begründet ist. Manchmal basteln Wissenschaftler etwas selbst zusammen. Das Selbstgemachte reicht aber nicht für eine Objektivität aus.
Aber auch schon beim Begriff der Lesbarkeit/Leserlichkeit ist eine konzeptionelle Unschärfe vorhanden, was versteht man unter Lesbarkeit?
Ist es die Lese-Geschwindigkeit, die Saccaden, oder wie leicht sich bestimmte Symbole entziffern lassen? Decodiered und sensorisch sind Aspekte des Lesens. Bessemans glaubt, dass der sensorische Bereich ganz wesentlicht wäre und bemühte sich, eindeutiges Testmaterial zu entwickeln. Viele Lehrer glauben ja, dass serifenlose Schriften einfacher zum Lesenlernen wären. In einem Vergleich zwischen den Schriften »Documenta« und »Frutiger«  haben 110 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren teilgenommen, 54 Kinder zusätzlich als Vergleichsgruppe. Der Test war als Spiel aufgezogen. Die Kinder waren voll bei der Sache.
360 Wörter wurden in 6 Sessions gelesen.

Herausgestellt hat sich dabei, dass die Documenta lesbarer wäre als die Frutiger. Das bedeutet, dass Serifen die Zeichen »schärfen«. Die serifenlose Schrift in ihrer Heterogenität gibt eine Art von Floating.
Von den Kindern gab es keine relevante Rankings. Sie fanden nicht dass  eine der beiden Schriften besser lesbar wäre.
Bei der Frage welche Schrift Kinder lesen wollen sind natürlich die  Gewohnheiten aus Schulbüchern zu berücksichtigen. Serifenschriften stammen danach aus «echten« Büchern (also nicht die Schulbücher). Bei abweichenden Buchstabenbreiten dachten die Kinder, dass die Schrift selbst größer wäre.
Aus dem Text mit Frutiger und Documenta wurden nun Versuche für eine neue, noch lesbarere Schrift begonnen. Matilda heißt die Schrift und sie ist weiter, offen, rund organisch. Der etwas unregelmäßige Rhythmus der Buchstabenfolgen wird als hilfreich für das Lesen gesehen. Genau genommen sind die Unterschiede sehr gering. Aber vielleicht werden ja auch Ergebnisse aus der Lesepraxis mit Matilda veröffentlicht.

Matilda

Die neue Norm »Leserlichkeit« nach DIN 1450 ist erschienen.
Albert Jan Pool war maßgebend daran beteiligt und berichtete – auch über die Entstehung. Die alte DIN-Schrift sollte für Ungeübte bereit stehen. Der Wandel ist bekannt. Die neuen Fassungen der DIN-Schrift von Pool sind sogar von  Andreas Uebele für das Corporate Design des Deutschen Bundestags verwendet worden.
Überlegungen was beim Lesen passiert gibt es schon lange.
So liegt die Schärfe in der Mitte und darum herum nimmt  die Sehschärfe ab. Kevin Larson spricht in der kognitiven Psychologie von zwei Systemen für ein schnelles und langsames Erkennen. Die schnelle Erkennung braucht eine Konvention, gute Lesbarkeit ebenso. Serifenschriften werden danach etwas schneller gelesen als Serifenlose.
Der Lesbarkeitstest von Bernard wurde auch bei Wendts berühmten Studien verwendet. Eine Halbfette schließt schlechter ab als eine magere Schrift. Dass eine magere Bodoni probelmatisch ist weiß man spätestens seit Wendt. Die Zitate von Wendt erweisen sich als weiterhin gültig. Natürlich spielen die Textsorten eine Rolle. Ein Beipackzettel hat andere Aufgaben als beispielsweise ein Buch. Die Schärfeuntersuchung von Snellen haben sich für den normalen Sehtest bewährt. Die Landoltringe sind für Erkennungsmuster wichtig. Die Winkelmessung des  Sehwinkels in Bogenminuten ist besonders  für die Signaletik wichtig. Ist die Schrift gut geöffnet und stimmt die Strichstärke?
Jamie Neely sagte im übrigen in seinem Beitrag » Prototyping with web type«, dass heute 17 % der Website inzwischen mit Webfonts arbeiten.

Design der Zukun
ft bewegt sich anders
Mit Prototypen einer vernetzten Gesellschaft befasst sich Gesche Joost.
Ein Quilt steht für sie als Beispiel um Neuigkeiten und Geschichten auszutauschen, als spielerisches Interface, mit Falten [foto]
Von ihrer Arbeit am Design Research Lab der UdK Berlin berichtete sie von Versuchen auf der Textilebene mit leitendem Garn und Bluetooth- Verbindung mit Record- und Play- Funktion. Forschung sieht hier anders aus wenn man den Webstuhl im Lab sieht.
So wird eine Vernetzung aus der Forschung in die Gesellschaft hinein versucht. Wie können Technologien nachhaltig in die Gesellschaft eingehen? Joost spricht bewusst von »Sendungsbewusstsein« in die Gesellschaft. Mit Prototyping lässt sich manches einfacher erforschen.
Eine subtilere Art des Handyklingelns durch Atmen oder Herzschlag wäre vorstellbar. Mit der »Skintinesie« könnte man über den Hautwiderstand und die Intensität der Berührung Musik steuern. Gesche Joost stellt viele Fragen. Wie kann man mit Lorm, der Sprache der Taubblinden besser umgehen?. Demenz-Patienten versuchen in einer Demenz-WG mit
Tablet-PC besser zurecht zu kommen. Und vielleicht eine umfassende Frage (und vielleicht spricht da schon die Politikerin): Wie kriegen Designer das Mapping hin?.

Sander Neijnens, der vor Jahren auf der Typo ganz wunderbar Zusammenhänge zwischen Schrift und Akkordeon erklärt hatte, hat sich nun mit dem Zusammenhang von Schrift und Gedichten befasst.
Es entstanden Schrift und Gedichte zum Anfassen und er fragt,
was passiert wenn wir etwas betrachten und sieht Lesen als Schaffen einer virtuellen Realität.
Er beginnt mit einem Gedicht-Projekt in Tilburg. Ein Gedicht für eine Brandmauer. Und es folgen »großformatige Projekte, beispielsweise auf Bäumen, Straßen, Zäunen. Die Schriftpixel können auch Tomaten oder Äpfel sein oder große Farbflächen, wenn der Text von Außerirdischen gelesen werden soll.

Äpfel als Pixel

Wie man eine Design-Zeitschrift gestaltet, versprachen Mitya Kharshak und Peter Bankov. Sie zeigten viele Titel und Innenseiten, Selbstgemachtes total. Die Erklärung wie man das nun macht blieben die Referenten schuldig. Dagegen kamen solche Hämmer wie »Lehrer ist man deswegen, dass man immer von den jüngeren Studenten Ideen klauen kann«. Doch noch etwas, wie man es macht: Das Format der Zeitschrift entspricht den Füßen der Frau von Bankov.

Klar wurde mir zwar nicht, warum Grzegorz Lazuk die polnische Plakatschule getötet hätte. Aber es war eine historisch-ironische Darstellung der polnischen Plakatgeschichte. Die Texte kamen aus dem Off und Lazuk  experimentiert mit verschiedenen Songs, die er mit einfacher Echtzeitelektronik verändert. Da gibt es sehr laute, aber doch auch schöne Klang- und Geräuscherlebnisse.

Der Magazin- und Zeitungsgestalter Jacek Utko meint, dass alles zu viel und zu schnell im Web sei. Print möchte zeitgemäß aussehen und deshalb ist die Zeitung der Zukunft im Magazinstil. Neuer und »kreativer« Journalismus wäre nötig. Nichtlineare Modelle werden angeblich von den Menschen bevorzugt.
Und wir solllten lernen kurz zu schreiben, also häppchenweise, und ziemlich viel »Contents« in Listenform verwenden. »Die Leute lieben dies«. Ein schwieriger Inhalt  soll in eine Art Raster geformt werden. Ikons, die nur wenige Sekunden zur Erkenntnis brauchen wären zu bevorzugen. Man sollte mehr mit den Rastern spielen. Gleichzeitig meint er, dass die Ersten, die ihren Job verlieren, Infografiker und Fotografen wären.
Während auf der Leinwand Arbeits-Beispiele herunterrasseln widerspricht sich der Sprecher. Einmal ist Titelseite das einzig wichtige einer Zeitschrift und kurz danach will er die Artikelseite und nicht die Titelseite als Wichtigstes sehen. So fragt er, was im Web von Print gelernt werden kann, beklagt mangelnde Hierarchien, redet von Rastern und schimpft gegen blöde Überschriften. Aber Antworten bleiben aus.

Henrik Kubel vom Studio A2 (Büro zu zweit) macht für jedes Projekt einen neuen Font. Er begeistet sich mit dem täglichen Gefühl, dass er etwas erreichen kann und bezeichnet sich süchtig nach seiner Arbeit. Das Erlebnis der Finanzkrise, von der er überrasch wurde, hat ihn offensichtlich sehr beschäftigt. Dafür konnte er in der gewonnenen Zeit viele Schriften entwickelt. Wie so viele zuvor zeigt auch er sein Atelier oder seinen Arbeitsraum, relativ klein, doch lobt er dass es so gut wäre viel Raum zu haben.

Nachsätze
An dieser Stelle möchte ich doch bemerken, dass viele »Speaker« auf dieser Konferenz tatsächlich nur sprechen, aber keine Vorträge halten. Sie haben sich am Fernsehen orientiert, laufen häufig auf der Bühne rum, wollen mehr unterhalten als informieren. Das wirkt recht unkonzentiert. In einem altmodischen Vortrag werden mit viel weniger Zeitaufwand wesentlich mehr Fakten vermittelt.
Natürlich ist das wieder ein sehr unvollständiger und subjektiver Bericht. Bei gleichzeitig immer drei Vorträgen wäre eine Vollständigkeit nur in einem größeren Team möglich. Zu kurz kam leider die ganze Serie von Auftritten russischer und polnischer Gestalter. Eine namhafte Kollegin sagte mir, dass sie vor allem wegen der Begegnung mit Kollegen nach Berlin käme. Auch ich finde das schön und sogar wichtig, aber das allein würde mir dann doch nicht reichen.