Samstag, 23. Februar 2013
Ine Ilg

»Illustration ist die Kunst, das Unsichtbare darzustellen. Sie ist keine Dekoration, kein Lückenfüller. Sie erzählt Geschichte und bildet das Weltbild.« Diese klare Botschaft resultiert aus dem reichen Erfahrungsschatz des Illustrators Pierre Thomé. Als ehemaliger Student von Heinz Edelmann an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, als Gründer des Comic Art Magazins Strapazin (1984), und als Illustrator mit langjähriger, breitgefächerter Erfahrung in der Gestaltung von Magazinen, Zeitschriften, Kinder-, Sach- und Lehrbüchern, Film- und Animationsprojekten, konzentriert sich Pierre Thomé seit 2002 auf die Lehre.

Von einem Workshop in Neu-Delhi und der Begegnung mit Bootsbauern bringt er wertvolle Impulse mit: »Practice every day, teach whoever wants to learn, don’t strive for fame and money…« Mit dieser Mission »macht« der Illustrator Thomé in der Schweiz an der Hochschule Luzern Studenten zu Illustratoren. Sein Ziel ist es, kreative Persönlichkeiten (her-)auszubilden, die auf ihre ganz individuelle Art Geschichten erzählen, eine eigene Stimme finden. Dem »undisziplinierten Haufen« in Freiheit die Disziplin beizubringen, den Betrachter nicht aus den Augen zu verlieren, ihn ernst zu nehmen, sich bewusst zu sein, dass die eigenen Werke das Weltbild bilden.

Wie man das im realen Leben lernen kann, zeigt Thomé mit Studentenarbeiten im Film Type Reality Show, der endet in einer Hommage an Jim Jarmusch’s Night on Earth-Episode in New York: Zum unverkennbaren Sound der New Yorker Straßenszene werden neue Bilder aus spielerisch animierten Lettern geschaffen, die die bekannte, schräge Szene anders erzählen und zum Schmunzeln anregen.

Es gibt keinen leeren Raum, keine leere Zeit, es gibt immer etwas zu entdecken. »Drawing is thinking.« Essentiell ist es zu lernen, mit dem Bleistift zu denken.

Fotos: © Kathrin Schäfer