Samstag, 23. Februar 2013
Ine Ilg

»Man muß sich verabschieden, um Neues zu beginnen, neue Wege zu gehen.« Diesem Lebensmotto folgt Mario Lombardo seit er begann, sich mit Grafikdesign auseinanderzusetzen. Nach dem Studium, beeinflusst von Vorbildern wie Peter Saville und Dieter Rams, von Zeitschriften wie Tempo und The Face, nach Mitarbeit beim Büro X, gründete er sein eigenes Büro und erregte schnell öffentliche Aufmerksamkeit durch seinen Job als Art Director bei Spex (2001 – 2005).

Er schaffte es, in einer Woche ein Magazin zu machen, »ohne sich und andere zu verheizen«, dabei eine eigenständige, erkennbare, intelligente Handschrift zu entwickeln, die nie langweilte, immer wieder überraschte.

Die Arbeiten des »Leaders of the Year 2008« stehen oft im kulturellen Kontext, er gestaltet für Museen und Ausstellungen wie die Berlin Biennale, aber auch für kommerzielle Auftraggeber wie das KaDeWe und Wempe.

»Forget Fear.« Fürchte Dich nicht davor, etwas anders zu machen, zu polarisieren, Diskussionen auszulösen. Mario Lombardo berichtet aus eigener Erfahrung: Beim Logodesign für die Ausstellung Vertrautes Terrain des ZKM Karlsruhe 2008 wurden ihm für seinen »amputierten Bundesadler« faschistoide Tendenzen vorgeworfen.

»Es geht darum, Sachen aus der Mitte rauszubewegen, Grenzen auszuloten, nicht nur im Layout, sondern auch auf einer metaphorischen Ebene.« In diesem Sinne entwickelte Mario Lombardo mit seinem Team für die 7. Berlin Biennale eine ungewöhnliche Kampagne: Mit – wie kann es anders sein – vom eigenen Team handgemalten, agitativ anmutenden Schaufensterparolen erzeugt er beim Betrachter brisante Bilder. Parolen, Aufrufe, Sprüche in schlichtem Weiß, vor herablaufender Farbe triefend, sind im visuellen Spannungsfeld historischer Nazischmierereien auf Schaufenstern einerseits und moderner Graffiti-Statements andererseits im ersten Moment schwer einzuordnen und erregen damit Aufsehen, Wahrnehmung und Auseinandersetzung.

Mario Lombardo spielt meisterhaft mir gelernten Wahrnehmungs- und Bildbewertungsstrukturen und lässt so das Publikum innehalten und aufhorchen getreu seinem Motto »Get involved, take position, make demands.«