Samstag, 23. Februar 2013
Ine Ilg

Jeremy Leslie liebt Magazine seit seinen Jugendjahren. Bereits mit 16 produziert er ein Music-Fanzine (1977), noch bevor er beginnt, in London Grafikdesign zu studieren. Magazine gestaltet er seit Mitte der 80er Jahre, zu seinen ersten Kunden zählen Blitz, The Guardian, das WAVE Magazine u.a. Bis heute leitete er die Editorial-Design-Teams von rund 40 Magazin-Projekten, ist Autor von Büchern über Editorial-Design und einer der Initiatoren von Colophon, einer Plattform für Independent Magazine. Seine mittlerweile 25jährige Erfahrung im Editorial Design hat er nun mit der Gründung seines eigenen Studios magCulture gebündelt. Er gestaltet, berät, spricht auf Konferenzen, kuratiert, schreibt Bücher und bloggt auf  magculture, der zu einer wesentlichen und inspirierenden Quelle für Editorial-Designer geworden ist.

»A magazine is something you can stick a DVD on the front of and charge £ 5,99 for it.« Jeremy Leslie weiß, welch vielfältige Rollen Magazine spielen, was ein Magazin ausmacht: Es hat körperliche Eigenschaften, ist berührter, riechbar, ist konkret. Für die meisten Menschen dient es zur Unterhaltung, zur Ablenkung vom Alltag. Für andere ist es eine lebendige Quelle von Informationen und Meinungen. Ein Magazin veröffentlicht Wissen, teilt Erfahrungen. Diese vertrauliche Einbeziehung in Inhalte, Geschichten und Fakten ist es auch, die ihn beim Editorial Design so fasziniert. Ein Magazin kann Themen sehr individuell darstellen, kann geschichtliche, politische, soziale und kulturelle Aspekte in den Vordergrund stellen. Und Magazine lassen den Leser ganz wunderbar in andere Welten eintauchen, in denen sie sich verlieren können. Was eine ungeheure Kraft vermittelt.

Zu all diesen Wesenszügen der Magazinwelt zeigt Jeremy Leslie Magazine, Cover und Innenseiten, die er vorbildlich oder aufregend findet. Port ist dabei, das Musik-Mode-Kulturmagazin The Face, Bloombergs Businessweek, Esquire, das Flug-Magazin Carlos. Ungewöhnliche Formate gibt es da wie einen Magazinwürfel aus einzelnen Faltblättern, ein T-Shirt-Magazin, vorne Bild, hinten Story. Das Magazin Gentlewoman findet er herausragend, da es Althergebrachtes auf den Kopf stellt.

»Zeitschriften faszinieren durch ihre organische Natur. Anders als Bücher oder andere Publikationen verändern sie sich mit jeder Ausgabe.« Und sie verändern unsere Weltsicht, sind Vorreiter, prägen. Das beweist das every-day-life-interiors-magazine apartamento bereits zum zweiten Mal an diesem Konferenztag.

Fotos: © Peer Koop