Obsolete Medien? Das kennen wir in der Druckbranche: Bleisatz, Hochdruck, Fotosatz, Klischees und einiges mehr. Medien, die nicht mehr gebraucht werden und deshalb wieder besonders in Nischen erscheinen. Bei dem Buch, das ich hier vorstelle, geht es aber um audiovisuelle Medien, analoge Geräte wie Kassettenrekorder oder Röhrenfernseher, um nur einige zu nennen.

Cover und Schuber


Das Buch ist gleichzeitig ein Katalog einer Ausstellung in Langenthal in der Schweiz, die noch bis 25. Juli 2021 zu sehen ist. Der Schweizer Musiker, Künstler, Sammler und Ingenieur hat das alles zusammengetragen, was manchen als Elektroschrott scheinen mag. Aussortierte Kabel, Mikros, Objektive, Plattenschneidemaschine, Radios, Kassetten erinnern an eine Zeit, die noch nicht allzu lange vergangen ist.
Für die Ausstellung wurden die Dinge umfunktioniert. Neue Kunstwerke entstanden, ästhetisch verfremdet, aus dem ursprünglichen Verwertungskontext gefallen, gleichzeitig die schon so hoch entwickelte Medientechnik demonstrierend.

Vielleicht erinnert man sich beim Blättern im Buch oder direkt in der Ausstellung an eigene Medienerlebnisse. Manches ist ja zum Glück weiterhin verfügbar wie das Radio, dessen bildende und informierende kulturelle Wirkung in meiner Jugend in der Provinz mir ein Stück Welt eröffneten. Oder die erste Tonbandmaschine mit den selbst gebauten Bandschleifen, mit deren meine Besucher genervt wurden …

Die Bandbreite der besprochenen Geräte und Objekte reicht vom optisch-chemischen Foto und Film über Schallplatten, Radio, Fernsehen, Ton und Videobänder bis zu Compact Disc. Die jeweiligen Funktionen werden jeweils von Flo Kaufmann erläutert. 14 Kunstwerke verschiedener Medienkünstler werden gezeigt und beschrieben und schließlich folgt ein Essayteil mit Medienhistorischen und medientechnischen Themen.

Raffael Dörig, Flo Kaufmann (Hrsg.)
H.o.Me. — Heim für obsolete Medien
208 Seiten mit 96 Abbildungen
29 Euro
Christoph Merian Verlag, Basel 2021
ISBN 978-3-85616-949-7