Konkrete Poesie, wie sie vor allem in den 1950er Jahren entstanden ist, stützt sich auf Typografie. Und die Typografie dafür ist die, der damals aktuellen Moderne. Mit der Arbeit Eugen Gomringers befindet man sich dann in prickelnden Jahren der Nachkriegszeit, jedoch in der Schweiz. Die Verwandtschaft zur Szene der Konkreten Kunst liegt nahe und Namen wie Max Bill, Gottfried Honegger, Richard Paul Lohse, Dieter Roth  oder Karl Gerstner stehen dabei nicht nur am Rand. Details »der Zeit der großen Attitüden, wo gute Designer auch schlechte Kunst und gute Künstler auch schlechtes Design machten«, nennt es Roland Früh in seinem Vorwort zu diesem Buch.

Grafik und Typografie sind häufig mit Typo-Grafiken verbunden. Also dort, wo Typografie auch zum Bild wird. Das begann bereits mit den Futuristen und setzte sich auf andere Art mit den konkreten Poeten fort. Diese suchten nach der Einheit von Inhalt und Form. Und nach Jahren der Abstinenz tauchen solche Bewegungen oder Modelle in der zeitgenössischen Gestaltung wieder auf. Worte formen dabei die Sprache.

Gomringer arbeitete als Sekretär von Max Bill an der hochschule für gestaltung in Ulm und war nicht nur dadurch als Poet und Texter in der grafischen Avantgarde der 50er Jahre vernetzt.  Im vorliegend sehr schön und passend gestaltetem Buch geht es um die Themen des Konkreten (nach Max Bill) und wie sie Gomringer sah: Die Vereinfachung der Sprache, die für eine konkrete Poesie  ganz wichtig ist; Themen die wir heute in der Gestaltung kennen wie die Wiederentdeckung der Fläche; Formen und Gegenformen in der Schrift oder die Forderungen für die Typografie mit Kleinbuchstaben.

Gomringer arbeitete als Texter und auch als konkreter Lyriker immer mit Grafik-Designern zusammen. Und es gibt Zeugnisse davon, dass konkrete Texte erfolgreich in der Werbung eingesetzt werden konnten durch eine  intensive Zusammenarbeit mit dem Designstudion E+U Hiestand für das Warenhaus ABM.

Das Buch zeigt in erfreulicher Art wie die konkrete Szene gleichzeitig Basis der Schweizer Typografie der 5oer und 60er Jahre wurde: »worte formen sprache«.

Simon Mager (Hrsg.)
Worte formen Sprache
Über konkrete Poesie, Typografie und die Arbeit von Eugen Gomringer
220 Seiten
ca. 120 Abbildungen
16o × 240 mm
Broschur
25 Euro
ISBN 978-3-03863-068-5