»Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden.« zitiert der Taschen Verlag Albert Einstein. Um unsere Welt besser zu verstehen reicht manchmal die Sprache nicht aus. Ein Zusammenhang muss dann besser grafisch dargestellt werden. Je komplexer dieser ist, desto schwieriger wird die Anlage einer solchen Darstellung.

Schon bevor es den Begriff »Information-Graphics« gab wurden komplexe Zusammenhänge grafisch dargestellt. Das hieß dann »Grafisches Diagramm« und eine systematische Darstellung darüber brachte Walter Herdeg, Herausgeber der bedeutenden Schweizer Zeitschrift »graphis«, 1981 als Buch heraus. Gelernt hatte ich zuvor viel aus der Kartografie, nämlich aus Jaques Bertin: »Graphische Semiologie«, die 1974 in deutsch erschien. Inzwischen ist Einiges an wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema erschienen.

Doch jetzt berichte ich von einem  ganz enormen Werk: Riesiges Buchformat, sehr schwer, sehr umfangreich. Was sonst eher abschreckend, wäre ist in diesem Fall eine Tugend. Die 200 Beispiele sind sehr groß dargestellt. Sie sind alle knapp und plausibel beschrieben und folgen einer neuen Systematik:
1. Location. Elemente werden räumlich geordnet.
2. Time. Elemente werden in einer Zeitabfolge präsentiert.
3. Category. Elemente werden nach Typ unterschieden.
4. Hierarchie. Elemente werden in eine Rangfolge gebracht.
Warum und wie das geordnet wurde steht in einer jeweiligen kurzen Kapiteleinführung.

On Hold. Hold on. Project Info: Mark, magazine article, 2009, Netherlands. Data Source: SkyscraperPage.com; Emporis.com; Oobject.com; BBC News. Design: Theo Deutinger, Barbara Weingartner.

 

Die Beispiele stammen von Meistern des Genres, die mit ihren zeichnerischen Erfindungen unsere Möglichkeiten zur Verständigung erweitert haben. Der ebenfalls grafisch gut aufgearbeitete Einführungsteil enthält eine Einleitung von Sandra Rendgen, Richard Saul Wurman fasst einen geschichtlichen Überblick zum Thema zusammen, Simon Rogers berichtet darüber, wie heutige Daten den Journalismus verändern und Paolo Ciuccarelli beschreibt wie aus Visualisierungen Geschichten werden.

Body Parts. Project Info: Esquire, magazine article, 2006, UK. Design: Peter Grundy (Grundini). Art Direction: Alex Breuer. Awards: AOI Images 200712.

 

Ciuccarelli sieht es als wichtige Aufgabe, die Kluft zwischen wissenschaftlicher Aussage und Öffentlichkeit zu verringern. Und das bedeutet oft, dass sehr komplexe Zusammenhänge verstanden werden sollen. Das führt bis zu narrativen Visualisierungen, indem nicht nur Fakten vermittelt werden, sondern der ganze Kontext eines Phänomens gezeigt wird. Schließlich geht es auch darum, dass »Statistik nicht lügt«.

Definitive Atlas of UK Government Spending. Project Info: “Where Your Money Goes”, The Guardian, newspaper article, 2008, UK. Research: Simon Rogers, Gemma Tetlow, Max Opray. Design: Jenny Ridley. Art Direction: Michael Robinson.

 

Seit der Jahrtausendwende, so Sandra Rendgen, ist das Interesse an Infografik weiter gestiegen. Stastische Daten sind frei verfügbar und verlangen eine grafische und verständliche Aufbereitung. Lesegewohnheiten mögen sich mit den heutigen digitalen Möglichkeiten verändern, der Weg zur »Kürze« der Information scheint angeraten zu sein. Aber wie man das macht, dass Sehen in Verstehen übergeht, dazu gibt das Buch viele Hinweise und Beispiele.

Sandra Rendgen, Julius Wiedemann: Information Graphics
480 Seiten, ca. 400 Beispiele,
Hardcover, 24,6 x 37,2 cm,
Taschen Verlag, Köln, 2012
50 €
ISBN 978-3-8365-2879-5