Momentan gibt es eine starke Tendenz Design als Theorie zu sehen. Und so erscheinen zu diesem Thema Aufsätze und  Bücher; häufig werden hierzu Vorträge gehalten. Wagner von der renommierten Marken- und Designagentur hw.design gmbh schreibt in seinem Buch »The Value of Design« über, so im Untertitel, Wirkung und Wert von Design im 21. Jahrhundert.


Das Buch stellt viel mehr Fragen als es Antworten gibt. Im ersten Kapitel »Design und Relation« geht Wagner auf die Entwicklung des Designs im 20. Jahrhundert zurück. Das geht bis zur Postmoderne, über die er schreibt: »In der Pluralität der Postmoderne ist alles möglich. Und nur was kommerziell erfolgreich ist erscheint auch relevant. Wir wissen nicht, was wir tun, doch solange es erfolgreich ist, ist es richtig«. Diese Situation scheint mir generell noch nicht überwunden zu sein. Wagner beklagt, dass Design viel zu wenig als Lösungsansatz gesehen wird. Aber welche Lösung  kann gemeint sein? Da Design omnipräsent ist müsste sich der Designer qualitativ absetzen. Visuelle Qualität entsteht aus der Form, der Idee und der Botschaft. Und die kann natürlich sehr unterschiedlich aussehen. Doch sieht Wagner die Wertigkeit durch die Augen des  Konsuments gesehen ziemlich vorne.

Im Kapitel Design und Ästhetik geht der Autor auf den philosophischen Begriff der Ästhetik im 18. Jahrhundert ein. Was auf die Ästhetik der Kunst gedacht war wird nun – wenn auch sehr respektvoll – auf das Design übertragen. Warum Ästhetik für das Design so wertvoll ist erschliesst sich nicht.

Design weckt Sehnsucht. Aber wozu? Ist der »Wunsch nach Höherem« gleichzusetzen mit der Erfüllung durch den Markt? Etwas besser, schöner erscheinen zu lassen als es ist folgt sicher zunächst den Bedürfnissen des Marktes. »Werden wir dieser Verantwortung nicht gerecht (die der Designer hat) und hält der Inhalt oder die Funktion nicht, was die Form verspricht, wird Glaubwürdigkeit, Zuspruch und somit Wachstum (…) aufs Spiel gesetzt«. Ist das nicht ein grundsätzliches Problem?

Viele Kapitelüberschriften in diesem Buch klingen sehr interessant. Liest man die Kapitel hat man vielleicht ein paar Fragen dazu bekommen, aber Aspekte zur Lösung finden sich kaum. Doch immerhin wird im Kapitel »Design und Designer« das Phasenmodell eines kreativen Prozesses dargestellt, laterales Denken und intrinsische und extrinsische Modelle der Motivationsforschung werden erwähnt und erklärt.

Das Buch ist voll mit Beobachtungen und Feststellungen. Aber sie erscheinen etwas überhöht und wecken viele Zweifel. Im letzten Kapitel »Design und Zukunft« macht Wagner in drei Phasen Vorschläge zu einem »Codex Design« und einem Studienprogramm. Das könnte allerdings auch als Instrument für Marketing untergehen. Vielleicht darf daran erinnert werden, dass jemand die Dinge in der Folge auch gestalten (designen) muss. Sicher ist Design nicht nur handwerklich zu sehen, aber genau so wenig als Disziplin der übergeordneten Weltveränderung oder Weltführung durch Design.

Das Buch tritt als haptisch angenehmes Produkt auf. Werkdruckpapier, Klappenbroschur, richtige Textgröße, sorgfältig gesetzt, sehr schöne Proportion von Satzspiegel und den dazugehörigen Weissräumen. Etwas störend beim Lesen sind die stark unterschiedlichen Einzüge. Einen im Buch üblichen Innentitel gibt es nicht. Jeder Kapitelbeginn tritt wie ein »Titel-Altar« feierlich auf (aus Versalien gesetzt und Mittelachse); es gibt sogar noch »Unteraltäre« (Unterkapitel).

Frank Wagner
The Value of Design
Wirkung und Wert von Design im 21. Jahrhundert
Ein Plädoyer für ein neues Designverständnis
160 Seiten
Format 14,3 x 20,3 cm
Flexcover
Hermann Schmidt Verlag, Mainz, 2015
ISBN 978-3-87439-857-2
29,80 €