Wer mit Daniel Weil durch seine Skizzenbücher blättert, begegnet seinem Leben. In mehr als 400 Skizzenbüchern finden sich unendlich viele Zeichnungen … und jede einzelne von ihnen erzählt, was ihn inspiriert hat, wo er gewesen ist. Und nicht selten lässt sich spüren, was er gefühlt hat, während er zeichnete. Ob Szenen vom Treiben am Strand, der Blick aus dem Flugzeug oder Zeichnungen, die vom künstlerischen Schaffen von Duchamps oder Cézanne geprägt sind. Die Vielfalt von Weils Skizzen ist so bunt wie das Leben selbst. Beeindruckt von seinem gezeichneten Tagebuch verwundert es wenig, wenn Weil erzählt, dass er sich bei jeder einzelnen seiner Zeichnungen an deren jeweilige Geschichte erinnert.

Nicht nur seine Skizzenbücher begeisterten das Publikum im Gasteig, auch sein Charisma und sein augenzwinkernder Humor faszinierten. So gestand er seine Bewunderung für die zehn Design-Thesen, die dieses Jahr als Leitmotive durch die Reihe der Zehn Vorträge führen. Weil nennt sie die »Zehn Design-Gebote«, die zwar nicht von Moses stammen, aber dafür von einem anderen berühmten Ägypter: Dieter »Ramses«.
Analog zu den 10 Thesen von Dieter Rams präsentierte Weil seine »Seven actions for designers« und beschreibt damit seine Herangehensweise an gestalterisches Schaffen. »Learn sources«, »add colour« oder »find project« sind nur einige seiner sieben Handlungsschritte hin zu gutem Design. Und selbstverständlich hat hier die Anweisung »draw think« nicht gefehlt, schließlich ist Weil »Der mit der Hand denkt«.

Wie immer ging dem Vortrag ein kurzes Schriftportrait voraus. Dieses Mal erzählte die dänische Schriftentwerferin Trine Rask von der Entstehungsgeschichte ihrer Schriftfamilie Rum Sans. Anders und doch verblüffend wirkungsvoll entpuppte sich ihre Methode »inside out«: Beginnend bei den Punzen wurden die Buchstabenformen um die Binnenräume herum entwickelt und so schließlich das komplette Alphabet gestaltet. Übrigens: Die Rum Serif ist schon in Arbeit!

Beide Vortragende konnte man in der sich anschließenden Nachtausgabe – die dieses Mal bei der Kreativagentur SapientNitro stattfand – hautnah erleben und so wurde bis spät in die Nacht diskutiert, analysiert und sich amüsiert.

Fotos: © Michael Bundscherer (Flickr)