Für Grafikdesign gibt es recht wenig Zeitschriften. Die Empörung war deswegen deutlich, als die alte »novum« ihr Ende verkündete. Nun kennt man das auch aus der Buchbranche, wenn ein Verlag verkauft wurde und die neuen Eigner nicht am Inhalt oder dem Objekt / Organ interessiert sind. Das ist dann fast immer das Ende des Programms. Manchmal glückt so etwas trotzdem und es entsteht etwas schönes Neues, wie das beim Triest Verlag erfolgreich geschah. Und jetzt ist ein von der alten personellen Besetzung der »novum« herausgegebenes Fachmagazin mit seinem ersten Heft erschienen, das »Grafikmagazin«. 

Im sympathisch relativ kleinen Format 210 x 270 mm, auf angenehm mattem Papier gedruckt, präsentiert die neue (alte) Chefredakteurin Christine Moosmann das Heft 01. Man darf anmerken, dass die »novum« inhaltlich und gestalterisch eine gute Zeit hatte und sich das positive hier offensichtlich fortsetzen lässt. 

Vertraute Kolumnisten wie Andreas Koop oder Sylvia Lerch finden sich und natürlich wird wieder Gestaltung, Produktion und Papier des Covers genau beschrieben. Im ersten Heft ist es eine Arbeit von Dafi Kühne. Und hier ergibt sich gleich die Frage, wo Grafikdesign endet und Kunst beginnt. Vielleicht ein unterschätztes Thema. 

Gesetzt wird die Zeitschrift aus einer schönen und gut lesbaren Serifenschrift, der Arizona Text und der serifenlosen ABC Favorit. Verschiedene Spaltenbreiten werden verwendet und die Headlines wirken klassisch (20. Jahrhundert), wenn auch mit eher zu großem Zeilenabstand.

Das Layout der Seiten ist sicher nicht einfach, da das Format dann eben doch etwas gedrängt wirkt (aber ich verzichte sehr gerne auf große »Angeberformate«). Es gibt sehr schöne typografische Zwischenseiten.

Und nun zum Eigentlichem, dem Inhalt. Die Struktur ist klar. Im ersten Heft gibt es neben den Kolumnen, von denen eine davon der Typografie gewidmet ist (diesmal Jana Madle-Elmerhaus in ihrem »Buchdruckrausch«):
Fotografie: Wes Anderson und ein Beitrag über »queere« Fotografie, beide auf glänzendem Bilderdruckpapier gedruckt;
Design & Research: zum Beispiel der Nachhaltigkeit und der Mitwirkung des Designers am Produkt selbst;
Production & Publishing: Unter anderem wird über einen ungewöhnlichen Geschäftsbericht von Melitta berichtet;
Fokus Gründung und Showroom: (eher künstlerisch ausgerichtet) kennt man aus der »novum«;
und ein umfangreicher Teil widmet sich der 
Grafik + dem digitalen Museum (Zeichensetzung & + stammen aus den angegebenen Rubriken). 

Klar, unsere Branche steckt in einem ziemlichen Umbruch und ist vielfältiger geworden. Aus diesem Grund wäre es sicher hilfreich, wenn dieses Magazin nicht nur über die Szene berichtet, sondern diese auch kritisch begleitet. 

Mit dem ersten Heft von 2022 würde ich – oder wir in der tgm – vielleicht einen kritischen Rückblick auf das »Grafikmagazin« werfen, wozu jetzt ein Heft noch zu wenig wäre. Aber erst einmal viel Erfolg für die Initiative zu diesem Magazin und Gratulation zu dem sehr guten Beginn.

Grafikmagazin
erscheint alle zwei Monate
Chefredaktion Christiane Moosmann
Sonja Pham
Art Director Tobias Holzmann
104 Seiten
210 x 270 mm
Broschur
Phoenix Verlag für Grafikdesign, München 2021
ISSN 2703-1071
www.grafikmagazin.de