Nachdem die digitale Medienrevolution zu Ende ist und so vieles selbstverständlich geworden ist fragt Florian Pfeffer welche Alternativen es für Design gibt.

Die erste wäre alles so weiter zu betrieben wie bisher. Die zweite bedeutete den Rückzug in nostalgische Nischen und akademische Unverbindlichkeiten und die dritte wäre die Auseinandersetzung von Design mit den komplexen und widerspenstigen Fragestellungen des modernen Lebens. Davon handelt sein Buch, ein dichtes und sehr gut strukturiertes Kompendium, mehr fragend als antwortend, zum Design heute. Einzelne Themen in neuen Terrains werden mit Projekten vorgestellt. Es gibt Wege dazu, Strategien, Werkzeuge und Geschäftsmodelle.

 

Und dabei wird viel zitiert:

»Vor 25 Jahren war Design eine kleine Nische. Ein obskures Gebiet, das sich mit der Gestaltung schicker Stühle beschäftigt hat, die zu phantastischen Preisen verkauft wurden«. Stefano Mirti, Architekt und Designer (wobei sich dadurch Design selbst disqualifiziert hätte).

Gestaltung sollte die Wirklichkeit immer wieder neu interpretieren und so müsste Design sich in jedem neuen Projekt neu erfinden, meint Pfeffer, was nicht ganz nachvollziehbar ist.

 

»Die besten Köpfe arbeiten dort, wo sie keiner braucht – an den Problemen der Reichen«, sagt Sam Pitroda (National Inovation Coucil India).

»Design bezieht sich auf den kulturellen Zustand einer Epoche. Die heutige Welt ist definiert durch ihren Entwurfszustand«, sagte Otl Aicher schon 1991. »Wer entwirft gestaltet die Welt«.

Der Designer Victor Papanek hat bereits 1971 die Forderung erhoben, Einfachheit und Offenheit nicht als ein formales Programm zu begreifen, sondern als strukturelle Eigenschaften gestalterischer Erzeugnisse.

 

Das Buch umfasst 99 Themen, die hier Terrains genannt werden. Ich greife ein Terrain als Beispiel heraus: Bilderstürme. Erzählt wird als »Phänomen« eine Geschichte, dass Ikea einen Katalog für die arabische Welt herausbrachte, gleicher Inhalt wie der schwedische Katalog, aber ohne Abbildung von Frauen.

 

Im folgenden Abschnitt »Werkzeuge« wird beschrieben wie Kopien das Original schlagen mittels eines »Mems«, was eine kulturell/kommunikative Sinneinheit wäre und sich durch Kopieren und Variieren verbreitet. Im Fall Ikea tauchten massenhaft Varianten auf, Ikea-Bilder, in denen statt der Frauen Möbelteile einkopiert wurden.  Mems gelten als neue Kommunikationsmodelle in Netzwerken. »Früher waren Gestaltungsmodelle erfolgreich, wenn sie originell und erfolgreich waren. Kommunikation im Zeitalter des Mems ist erfolgreich, wenn sie leicht zu kopieren ist«, ist unter dem Begriff »Werkzeuge« zu lesen. Und man sollte den Wert schätzen, dass sich an dem, was ein Unternehmen tut, sich so viele damit befassen. Das Spiel mit den herausgenommenen Frauen ging weiter. Im Buch gezeigt wurden brsiante Bilder, Möbelstücke statt Hilary Clinton oder Yoko Ono . Dieses System mit Varianten führte dazu, dass Ikea diesen Katalog zurückgenommen hatte.

 

Die einzelnen Themen mögen unseren oft linearen Alltag stören, sie wirken erst verworren und stellen Fragen, helfen Gedanken zu ordnen wenn man sich mit den einzelnen Terrains befasst. Manchmal geschieht so etwas über Umwege. Ich hatte zuerst im Anhang über recht gut beschriebene Bücher und Texte sowie Begriffe und Definitionen gelesen und war fasziniert. Die recht praktisch gehaltene Einführung in das Buch brachte dann eine spannende Lesezeit, zum Glück war ich da nicht in meinem Büro und konnte alles andere liegenlassen.

 

 

Florian Pfeffer

To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt

Strategien | Werkzeuge | Geschäftsmodelle

Ein Kompass zum Erschließen neuen Terrains.

288 Seiten mit 100 Beobachtungen aus der erweiterten Designpraxis,

über 1000 farbige Abbildungen

Flexcover mit 100 verkürzten Kommentarseiten

Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2014

ISBN 978-3-87439-834-3

39,80