Gestaltung von und mit Systemen: Prof. Markus Schröppels Beitrag zur Orientierung im öffentlichen Raum


Wie werden Räume gekennzeichnet für Kinder, die noch gar nicht lesen können? Wie plane ich die Anlage eines Hochschulcampus auf der grünen Wiese? Solche Fragen und Themen wurden von Markus Schröppel am 18. Februar 2014 in der Black Box (Gasteig) pragmatisch und oftmals verblüffend beantwortet.
Der Professor für Grafikdesign und Visuelle Kommunikation überzeugte mit einem Vortrag, der durch konkrete Beispiele, Praxisnähe und anschauliche Tiefe bestach. Sein immerwährend die Gestaltung begleitendes Thema ist das »benutzerabhängige Modellieren«: So sei etwa das empirische Erfassen der Fußgängerwege vor dem Gestalten eines Verkehrsleitsystems eine wichtige Vorarbeit. Passend dazu demonstrierte er den Unterschied zwischen der »Architekten-Denke« und der Aufnahmefähigkeit eines gestressten Flughafenbesuchers in Eile. Schröppel warnt davor, dass Designer gerne dazu verleitet werden, für sich, ihre Altersgruppe und ihre Gewohnheiten zu gestalten und dabei oft die eigentliche Zielgruppenzusammensetzung aus den Augen verlieren.

Weiterführend zum Vortrag stellt Prof. Markus Schröppel seine Dissertation, die zugehörige Literaturliste sowie den Online-Fragebogen zur Verfügung.

Fotos: © Peer Koop

»Raster und Revolte«: Position beziehen und Richtung weisen


Die tgm präsentiert: das neue Programm 2013/2014

Sterne und Idole, Sonnenaufgänge und Trends, Landkarten und Meilensteine, Ver- und Mut­maßungen, objektive Kriterien und subjektives Fürwahrhalten … geografisch, sexuell, religiös, mental, politisch, modisch, moralisch – WO GEHT’S HIER EIGENTLICH LANG?

Das neue Programm der Typographischen Gesellschaft München (tgm) ist da! Dieses Mal widmen sich die Macher unter Leitung von Boris Kochan dem Thema »Orientierung« unter dem Titel »Raster und Revolte«.

In ZEHN VORTRÄGEN greifen Gestalter, Philosophen, Unternehmer, Szeno- und Typografen das Thema auf, beziehen Position und weisen Richtungen. Über (geo)grafische und gesellschaftliche Bezugsrahmen. Über alte Richtschnüre und neue Leitfäden. Über das System als Impulsgeber für seine Umwälzung – das Raster als Inspiration für Revolte. Mit dabei sind u. a. Lutz Engelke von »TRIAD«, Stephan Grünewald von »rheingold«, die Philosophen Wilhelm Vossenkuhl und Rebekka Reinhard sowie Peter Martin von »Martin et Karczinski«.

Prof. Wilhelm Vossenkuhl führt in seinem Grundlagenvortrag zu den »Ursprüngen des Einnordens«. Lars Bolle und Jens Grefen vereinen Kunden- und Agenturperspektive auf die Entwicklung der Marke DER Touristik und bei seiner Auseinandersetzung mit der Orientierung im öffentlichen Raum begibt Markus Schröppel sich auf die »Spuren der Schwarm-Intuition«.

Daneben bietet die tgm erneut ein vertraut breites Spektrum von Führungen, Ortsbesichtigungen, Seminaren, Workshops und Studienreisen zur Fort- und Weiterbildung an. Darunter neu ist zum Beispiel die Kooperation mit dem mediacampus Frankfurt und die gemeinsam entwickelte Tagung für Buchgestalter und Hersteller »bookmarks« im April 2014.

Der Erste Vorsitzende Boris Kochan, zugleich Geschäftsführender Gesellschafter von KOCHAN & PARTNER, freut sich auf das kommende Programmjahr: »Nach dem Erfolg von ›GRANSHAN Konferenz und Festival‹ in Bangkok (www.granshan.com) holen wir die Welt in diesem Programmjahr nach München: Mit der Editorial Design Konferenz #qved während der MCBW, der 60. TDC-Show und der weltweit einzigartigen Dokumentation von Schriftentwicklung in nicht-lateinischen Sprachen: ›From Hot Metal to Open Type‹.«

Besonderer Dank gilt Michael Lukas, der die wunderbar passende bildliche Begleitung für das diesjährige Programm zur Verfügung gestellt hat.
Das ganze Programm findet sich ab sofort unter www.tgm-online.de, ein pdf-Download ist ebenso möglich.
Auch eine aufwändig gedruckte Version ist in Kürze erhältlich. Bestellungen an info@tgm-online.de.

Support Slanted #21: CUBAN POSTER ART – The New Generation


Slanted #21: CUBAN POSTER ART – The New Generation wird im Frühjahr 2013 mit einem Umfang von 320 Seiten (!) veröffentlicht. Wie der Titel schon sagt, geht es um aktuelle, kubanische Plakatkunst und Design – den talentierten, jungen Kubanern soll auf diesem Weg eine Plattform geboten und der Welt gezeigt werden, welch großartige Dinge dort entstehen.

Neben dem Magazin, das in jedem Fall produziert wird, sollen zum ersten Mal eine bilinguale Übersetzung (Spanisch/Englisch) sowie verschiedene Wanderausstellungen in Berlin, Leipzig und Paris finanziert werden (eventuell auch mehr). Außerdem ist geplant, 1.000 zusätzliche Ausgaben zu drucken, die nach Kuba verschickt werden sollen. Das sind finanzielle Aufwendungen, die Slanted üblicherweise nicht hat. Daher wurde ein Crowdfunding gestartet, bei dem man das Projekt schon ab 8 Euro unterstützen kann. Es gibt viele unterschiedliche Pakete – vom gedruckten Magazin bis hin zu Sammler-Editionen mit Original Siebdruckplakaten und Anzeigenplätzen ist alles dabei.

Wir freuen uns über diese Initiative unseres Medienpartners Slanted – und über jeden, der mithilft!

 

Die Bahn aus einem Guss


Jeder glaubt, die Deutsche Bahn zu kennen. Rot-weißes Logo, fortwährend dieselben Züge und auf jedem Bahnhof das stets gleich aussehende Personal. Doch das war nicht immer so, wie Karsten Henze, Leiter Corporate Design/Corporate Identity und Kreation bei der Deutschen Bahn, klarstellt. Früher war die Deutsche Bahn mit über 800 verschiedenen zugehörigen Bahnbetreibern vielmehr die »Bunte Bahn«: eine farbenfrohe Mischung verschiedenster Logos und Auftritte. »Die Bahn aus einem Guss« – das war Henzes erklärtes Ziel.

Mit seinem Team von ca. 20 Mitarbeitern hat er die Markenarchitektur des Unternehmens neu geschaffen, ein stringentes Corporate Design entworfen und die Umsetzung in Kommunikations- und Produktdesign forciert. Dass es nicht einfach wird, einem omnipräsenten und weltweit agierenden Unternehmen mit über 300 000 Mitarbeiten ein neues Gesicht zu verleihen, stand außer Frage. Mit der Skepsis aus den eigenen Reihen hatte Henze jedoch nicht gerechnet: Als Chef des »Kosmetikstudios der Deutschen Bahn« dürfe er nicht glauben, das neue Corporate »Disein«  würde »auch nur einen Kunden mehr bringen«.
Verhaltene Freude brachten ihm auch die rund 120 Agenturen entgegen, die im Auftrag der Bundesbahn Broschüren und Infomaterialien erstellen. Henze belegte sie mit Regeln für das Layout im Sinne des neuen Corporate Designs, um einen Wiedererkennungseffekt bei Printerzeugnissen zu gewährleisten. Der Kreativchef steht zu dieser Einschränkung von Gestaltungsspielraum, schließlich könne man nicht vor jedem Fußballspiel erneut diskutieren, wie breit das Tor diesmal sein dürfe.  Zudem wird nur auf diese Weise Identität und darüber hinaus Identifikation mit einem Unternehmen erzielt, das von außen oft auf den Bereich »Personenverkehr« reduziert wird, während die Schwerpunkte »Schienennetz« und »Güterverkehr« eigentlich weit größeren Raum einnehmen.

Das alles war Henze aber noch nicht genug, er wollte weitergehen und überzeugte den damaligen Bahnchef Mehdorn von der Notwendigkeit einer eigenen Hausschrift. Zusammen mit Erik Spiekermann wurde begonnen, »etwas Individuelles« zu entwickeln. Nach ersten Startschwierigkeiten (Henze: »Nach einem Jahr haben wir alle Entwürfe weggeschmissen und noch mal ganz neu angefangen«) und der Klärung essentieller Fragen (»Wie aggressiv darf ein W sein, wie europäisch ein P?«) wurde 2005 die »DB Type« eingeführt.
Henze hat für die Deutsche Bahn vieles erreicht, dennoch sieht er selbst noch Potentiale. Dabei kämpft er stets damit, dass Neuerungen, die er heute anstößt, frühestens in eineinhalb Jahren bemerkbar werden. In dieser Zeit kann sich jedoch vieles ändern, weshalb eine »leistungsstarke Kristallkugel« auf Henzes Wunschliste ganz oben steht.

Im Vorprogramm: Christoph Dunst und seine Schriftfamilie Heimat
Christoph Dunsts (Atlas Font Foundry / burodunst.com) zweite große Schriftfamilie nach der Novel heißt »Heimat«. In der 2010 erschienenen Schrift beschäftigt sich der Absolvent aus Den Haag mit der geometrischen Serifenlosen und schafft durch zahlreiche besondere Glyphenformen ein charaktervolles, neues Schriftbild. Pate standen dabei merkwürdig abstrahierte Glyphen, wie die fl-Ligatur der Futura. Interessant ist dabei, dass die teilweise etwas irritierenden Zeichen durch gewöhnlichere Alternativen ausgewechselt werden können und somit die Gesamtwirkung vom Anwender selbst gesteuert werden kann. Die Heimat gibt es derzeit in 6 Gewichten mit zugehörigen Kursiven, eine Monospaced-Variante ist in Arbeit.

Fotos: © Peer Koop

GRANSHAN 2012


5. Internationaler Schriftwettbewerb für nicht-lateinische Schriften – dieses Jahr aus besonderem Anlass auch für lateinische Schriften

2012 gibt es vom Schriftwettbewerb GRANSHAN einiges zu berichten: Mit »Indisch« und »Arabisch« sind dem bisherigen Wettbewerbskanon zwei neue nicht-westliche Kategorien hinzugefügt worden. Überraschend ist zudem in diesem Jahr, dass auf Beschluss des Organisationskomitees auch lateinische Schriften und Fonts eingereicht werden dürfen. Grund für diese Besonderheit ist das 500-jährige Jubiläum des ersten in Armenien gedruckten Buches. Schriften können noch bis 31. Mai 2012 eingesandt werden.

Im Rahmen des vom Kultusministerium der Republik Armenien initiierten Wettbewerbs GRANSHAN wurden seit 2008 nicht-lateinische Schriftsysteme gewürdigt und in den bisherigen Kategorien »Armenisch«, »Kyrillisch« und »Griechisch« ausgezeichnet. Seit 2010 findet der Wettbewerb in Kooperation mit der tgm statt.
Die Bewertung des diesjährigen Wettbewerbs durch eine internationale, mehrköpfige Jury erfolgt von 14. bis 16. Juni 2012 in Jerewan, Armenien. Alle ausgezeichneten Werke werden in Ausstellungen u.a. in München und Hong Kong gezeigt. Nähere Infos zur Einreichung gibt es unter www.granshan.org.

Foto: © Catherine Avak

»Ich liebe Dieter Rams. Er mich nicht.«


Das Geständnis einer unerwiderten Liebe markierte den Beginn von Jochen Rädekers Vortrag am 14. Februar 2012 im Gasteig. Anfänglich ohne im Vordergrund stehendem Bezug zu Rams zehn Thesen zu gutem Produktdesign entwickelten die Gründer der Stuttgarter Designagentur Strichpunkt, Kirsten Dietz und Jochen Rädeker, für ihr Buch »Good Design is a Tough Job« gleich zwanzig Statements … mit einem Fokus eher auf Kommunikationsdesign. Die Analogie zu Rams Thesen verführte Rädeker, ihn um ein kurzen Text zur Einführung in das Buch zu bitten. Dessen Reaktion kam unerwartet: Über eine Assistentin ließ Rams antworten: »Wäre Dieter Rams die Queen, könnte er nun sagen: I’m not amused.« Durchaus betroffen stellte Rädeker fest, dass sich sein »Respekt« vor Rams als »Übermut« entpuppte. Welch Entsprechung zum Jahresthema der tgm!

Rädekers zwanzig Thesen alle einzeln aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. So wie es auch einigen Zuhörern ging, die unruhig wurden, als deutlich wurde, dass Rädeker jede seiner Thesen beabsichtigt gesondert vorzustellen. Halb so viele Thesen wären genug gewesen. Und um nicht wieder auf Dieter Rams zu kommen: Der liebe Gott kam auch mit zehn Geboten hin.

Unabhängig davon dokumentierte der Thesenautor in seinem Vortrag unglaublich spannende Projekte: Mit der Gestaltung der Staatsoper Stuttgart zeigte er, dass Design Ecken und Kanten braucht, um erfolgreich zu sein: »Good Design is uncomfortable«. Auch ist gute Gestaltung für ihn nicht einfach ein Beruf. Es ist vielmehr eine Haltung, verbunden mit einer besonderen Verantwortung, denn »wer Kunden ein scheiß Logo verkauft, versaut unsere Umwelt«.
Andererseits ist »good design« auch ein »tough job«, bedeutet es doch nicht selten, hundertmal zu versagen, bevor man einmal Erfolg hat. Gutes Design ist nun einmal nicht »reasonable«. In Rädekers Worten heißt das, man treffe den Kopf nur durch das Herz. Deshalb gilt es, immer wieder Regeln bewusst zu brechen und etwas »Bescheuertes« zu machen.

Viele Statements des Strichpunkt-Designers sind im Kopf geblieben wie etwa »Werbung ist sexy, Design ist Sex«, »Geniale Ideen sind einfach« oder »Gute Designer dekorieren nicht, sie gestalten«. Trotzdem hätten sich unterm Strich viele etwas mehr Verdichtung von Rädeker gewünscht. »Not amused« so wie »Queen Rams« war allerdings am Ende niemand.

Fotos: © Michael Bundscherer (Flickr)

Verschieben der tgm-Thailandreise


Aktuelle Situation in Thailand

Die Bilder der Flutkatastrophe in Thailand 2011 gingen Ende letzten Jahres um die ganze Welt. Wie es heute dort aussieht, ist in den Medien dagegen kaum präsent.

Um die gegenwärtige Lage kennenzulernen und vorsichtig die Möglichkeiten einer Realisierung der tgm-Thailandreise im Herbst diesen Jahres zu prüfen, ist der Erste Vorsitzende der tgm, Boris Kochan, nach Bangkok gereist. Er ist  berührt davon, wie ungebrochen groß die Begeisterung und das Engagement unserer thailändischen Partner für die tgm-Reise sowie die in diesem Zusammenhang geplante Konferenz sind. Allerdings wirken sich die Ausmaße der Schäden in Thailand nach wie vor gravierend auf das alltägliche Leben aus. So ist etwa der Campus der Bangkok University – ein wichtiger Ort im Rahmen der Konferenz – gesperrt, da die Flut die gesamte Elektrik der Universität irreparabel zerstört hat.

In Thailand wird mit Hochdruck an der Beseitigung der Flutschäden gearbeitet. Angesichts der aktuellen Situation und den Rückmeldungen einiger Referenten scheint es uns dennoch angeraten, die Reise zusammen mit der Konferenz zu verschieben. Wir planen nun eine Durchführung im Jahr 2013. Den neuen Termin werden wir frühzeitig bekannt geben.

»Juli im Dezember« am typografischen Weihnachtsmarkt


Am 16. Dezember 2011 fand in der Hirschgartenallee 27 der typografische Weihnachtsmarkt zusammen mit der Lesung »Juli im Dezember« statt.
Hier sind einige Impressionen von diesem etwas anderen Weihnachtsmarkt…

 

Weihnachtsshopping mal anders:

 

Typografie- und Design-Begeisterte konnten hier in Ruhe stöbern.

 

Und so fand der ein oder andere noch in letzter Minute das passende Weihnachtsgeschenk.

 

Abgerundet wurde der stimmungsvolle Christkindlmarkt mit einer Lesung von Juli Gudehus aus ihrem »Lesikon«.

 

Begriffe wie »Abenteuer«, »Liebe«, »Lust«, aber auch »Verantwortung« und »Größenwahn« wurden vorgestellt und zusammen mit Andreas Trogisch diskutiert.

 

So gab es an diesem Abend nicht nur einiges zu kaufen, sondern auch neue Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Fotos: © Michael Bundscherer (Flickr)

 

Der mit der Hand denkt


Wer mit Daniel Weil durch seine Skizzenbücher blättert, begegnet seinem Leben. In mehr als 400 Skizzenbüchern finden sich unendlich viele Zeichnungen … und jede einzelne von ihnen erzählt, was ihn inspiriert hat, wo er gewesen ist. Und nicht selten lässt sich spüren, was er gefühlt hat, während er zeichnete. Ob Szenen vom Treiben am Strand, der Blick aus dem Flugzeug oder Zeichnungen, die vom künstlerischen Schaffen von Duchamps oder Cézanne geprägt sind. Die Vielfalt von Weils Skizzen ist so bunt wie das Leben selbst. Beeindruckt von seinem gezeichneten Tagebuch verwundert es wenig, wenn Weil erzählt, dass er sich bei jeder einzelnen seiner Zeichnungen an deren jeweilige Geschichte erinnert.

Nicht nur seine Skizzenbücher begeisterten das Publikum im Gasteig, auch sein Charisma und sein augenzwinkernder Humor faszinierten. So gestand er seine Bewunderung für die zehn Design-Thesen, die dieses Jahr als Leitmotive durch die Reihe der Zehn Vorträge führen. Weil nennt sie die »Zehn Design-Gebote«, die zwar nicht von Moses stammen, aber dafür von einem anderen berühmten Ägypter: Dieter »Ramses«.
Analog zu den 10 Thesen von Dieter Rams präsentierte Weil seine »Seven actions for designers« und beschreibt damit seine Herangehensweise an gestalterisches Schaffen. »Learn sources«, »add colour« oder »find project« sind nur einige seiner sieben Handlungsschritte hin zu gutem Design. Und selbstverständlich hat hier die Anweisung »draw think« nicht gefehlt, schließlich ist Weil »Der mit der Hand denkt«.

Wie immer ging dem Vortrag ein kurzes Schriftportrait voraus. Dieses Mal erzählte die dänische Schriftentwerferin Trine Rask von der Entstehungsgeschichte ihrer Schriftfamilie Rum Sans. Anders und doch verblüffend wirkungsvoll entpuppte sich ihre Methode »inside out«: Beginnend bei den Punzen wurden die Buchstabenformen um die Binnenräume herum entwickelt und so schließlich das komplette Alphabet gestaltet. Übrigens: Die Rum Serif ist schon in Arbeit!

Beide Vortragende konnte man in der sich anschließenden Nachtausgabe – die dieses Mal bei der Kreativagentur SapientNitro stattfand – hautnah erleben und so wurde bis spät in die Nacht diskutiert, analysiert und sich amüsiert.

Fotos: © Michael Bundscherer (Flickr)

Wie kam es eigentlich zur Grotesk?


Vortrag von Max Bollwage »Wie kam es eigentlich zur Grotesk?« und Ausstellungseröffnung »Die schönsten deutschen Bücher«



Samstag, 3. Dezember 2011
Vortrag 11 Uhr, ab 10 Uhr können die Bücher angeschaut werden.
Alle Bücher liegen frei aus.
Universitätsbibliothek Stuttgart
Holzgartenstraße 16
Eintritt frei

Die Entstehung der serifenlosen Schriften ist in den Lehr- und Geschichtsbüchern meistens sehr unklar, oft sogar falsch dargestellt. Die Namen Grotesk und Egyptienne werden nur ungenügend erklärt und das spärliche Bildmaterial ist in fast allen Büchern dasselbe. Die Autoren beschränken sich auf die Entwicklung der Druckschrift und berücksichtigen nicht das reiche Schriftgeschehen außerhalb der schwarzen Kunst. Aber gerade bei den Bildhauern, Schildermalern und Lithografen, für die die Entwicklung neuer Formen nicht mit so hohen Kosten verbunden war, wie in den Schriftgießereien, spielten sich die Veränderungen zuerst ab. Da die Entwicklung serifenloser Schriften in Deutschland durch die Vorherrschaft der Fraktur verzögert wurde, stützt sich der Vortrag zum Teil auf die Forschungen von James Mosley, dem ehemaligen Leiter der St. Bride Printing Library in London.

Max Bollwage ist Grafikdesigner, Typograf und Kalligraf. Studium in Hildesheim, Hannover und Wiesbaden. Atelierleiter und Artdirektor in einer Werbeagentur, einem Pharmakonzern und Chefdesigner in Buch- und Zeitschriftenverlagen. Eigenes Designbüro in Stuttgart. Auszeichnungen im In- und Ausland. Lehrbeauftragter an verschiedenen Fachhochschulen. Bücher und Aufsätze, Vorträge und Gastvorlesungen über Design und Schrift.

Veranstalter
Forum Typografie Arbeitskreis
Baden-Württemberg
c/o Christoph Dohse
Planie 1
72764 Reutlingen
Telefon (0 7121) 4 74 93
Fax (0 7121) 4 56 49
christoph.dohse@t-online.de
und
Universitätsbibliothek Stuttgart

Eine Veranstaltung im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen