»In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf«… Ich kann nichts dafür, aber dieses Rezitativ aus Haydns »Schöpfung« habe ich sofort im Ohr, wenn ich ein Werk des 2009 im Alter von 101 Jahren verstorbenen Künstlers Rupprecht Geiger vor die Augen bekomme (zum Beispiel den kleinen, über meinem Schreibtisch hängenden Siebdruck). Kein Wunder, denn die von ihm so intensiv eingesetzten, fluoreszierenden Tagesleuchtfarben nehmen einen sofort in den Bann, vor allem, wenn, wie am heutigen Freitag Nachmittag, die Frühlingsvorboten-Sonne die Räume des Ateliers so angenehm beschien.

Julia Geiger, Enkelin und Archivleiterin, führte eine Gruppe Interessierter im Rahmen des tgm-Atelierbesuchs begeisternd in Leben und Werk ihres Großvaters ein. Die Wirkung seiner Gemälde, Installationen und Druckgrafiken beruhten, so zitierte Julia Geiger den Künstler, nicht nur auf seinem eigenen Schaffen, sondern vor allem auch auf der Kraft der von ihm verwendeten Farben. Sie könnten die einen Betrachter beruhigen und ihnen Energie spenden, die anderen aber auch mal irritieren. Wir konnten einen Blick in den immer noch mit vollen Fässern bestückten Pigmentkeller samt seiner »pinken Aura« und auf großformatige Gemälde, Modelle, »Rollbilder« und vor allem zahlreiche Serigrafien und Künstlerbücher werfen. Ergänzend zu Julia Geigers Ausführungen berichtete Ekkeland Götze von der Realisierung der Siebdruckeditionen für und mit dem Künstler, samt des langen Weges zu den selbst von ihm entwickelten Siebdruck-Leuchtfarben und den Tücken des aufwändigen Irisdruckes, welcher die Verläufe ermöglichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Simone Naumann