Er hat wieder zugeschlagen: Mr. Typo, der einigen aus diversen Veröffentlichungen von Linotype (jetzt Monotype) bekannt sein dürfte, hat sich auf den Weg gemacht und erklärt uns die Typo-Welt. In den charmant gezeichneten Comics, die einem immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, lässt Alessio Leonardi seinen Helden durch die Schriftgeschichte reisen, typografische Grundlagen erforschen oder auch etwas allgemeiner über Farbe und Komposition referieren.

Ein wenig Skepsis war im Spiel, als ich das Buch zum ersten Mal sah: Wer liest sowas? Kann man im Comic die Sachverhalte gut und richtig darstellen? Kann man über einen Comic typografische Gestaltung lernen?
Natürlich versteht sich Leonardis »Typo-Graphic Novel« nicht als Nachschlagewerk, vielmehr – so verspricht der Verlag – soll man »ganz nebenbei den heitersten Typografiegrundkurs der Welt absolvieren«. Also fange ich erst einmal an zu blättern und zu lesen…

Das Buch präsentiert sich als eine Folge von zahlreichen Episoden, die meisten kurz und knapp auf ein oder zwei Doppelseiten präsentiert. Es beginnt damit, dass Mr. Typo und seine Mitstreiter, der Hund Tilde und die Maus, zunächst einmal versuchen, den Begriff »Typografie« zu umreißen. Die folgenden Kapitel behandeln Grundlagen wie etwa Form, Farbe, Format und Komposition. Es folgen zahlreiche Schlaglichter auf das typografische Material: Schriftgeschichte, Fachbegriffe, Klassifikation, Satzregeln und Vieles mehr. Am Ende finden sich noch einige Hinweise zu Schrift am Bildschirm, Responsive Design und Unicode sowie ein kurzer Ausblick zur Zukunft der Schriftkultur.

Als Lehrender, der immer wieder mit den Schwierigkeiten der Vermittlung typografischer Grundlagen konfrontiert ist, finde ich den Versuch Leonardis zunächst einmal unheimlich spannend. Viel zu lange galt Typografie als trockene Geheimwissenschaft realitätsferner Spezialisten. Vielleicht schafft es die Comic-Form, das Bild der langweiligen Spatien-Schubser aufzubrechen und zu zeigen, dass Typografie mehr ist als dogmatisches Basiswissen.
Ob allerdings Studierende sich von der doch zuweilen »kindlichen« Ästhetik angesprochen fühlen, wird sich zeigen müssen. Die Nachfrage bei meinen eigenen »ABC-Schützen« ergab eher gemischte Einschätzungen. Der Illustrationsstil spricht wohl eher Jugendliche oder gar Kinder an, junge Designer erwarten eine andere Sprache. Auch die Texte werden an einzelnen Stellen doch etwas lang, so dass die großen Sprechblasen mit kleiner Versalschrift nicht gerade zum Lesen einladen.
Trotzdem bin ich alles in Allem dankbar, dass es mit »Mr. Typo« nun eine Alternative zu den zahlreichen »seriösen« Fachbüchern gibt. Die Typohelden werden bestimmt ihre Leser finden …

Zum besseren Überblick hier die einzelnen Kapitel:
Die Zutaten der Typografie
Die Formen
Bilder
Farbe
Formate
Schrift
Woher kommt unsere Schrift?
Anatomie (Typografische Begriffe)
Familienbanden
Breite, Lage und Gewicht
Klassifikation
Komposition
Guter Satz
Die Satzart
Ich Groß, Du klein (Versalien vs. Gemeine)
Monopoly (Monospaced und proportionale Schrift)
Richtig falsch! (Experimentieren)
Das Gestaltungsraster
Interpunktion
Andere Länder, andere Zeichen
ASCII & Unicode
Schöne neue Welt (Schrift auf Bildschirmen)
Die intelligente Typografie (Responsive Design)
Eine lebendige Schriftkultur
Etwas über den Autor
Meine Danksagung
Impressum
Empfehlung zur Weiterbildung

Alessio Leonardi:
Mr. Typo und der Schatz der Gestaltung
98 Seiten
Format 17 x 24 cm
Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2013
ISBN 978-3-87439-858-9
19,90 EUR
www.typografie.de

Fotos: Verlag Hermann Schmidt Mainz