Von Ulrike Borinski

Mapping Graphic Design History in Switzerland ist eine Aufsatzsammlung, die »angewandte theoretische und methodische Ansätze für die historische Forschung im Bereich Grafikdesign« diskutiert – so beschreibt es der Triest Verlag.
Am 27.2.2014 gab ein Symposium an der Hochschule der Künste Bern mit gleichem Namen. Mit einem Tagungsband haben wir es aber wohl nicht zu tun, die Autoren des Buches sind nur teilweise deckungsgleich mit den Vortragenden des Symposiums.


Das Buch ist freundlich, das Papier glatt mit leichtem Chamois-Ton, die Schrift Mengelt Basel Antiqua, die Typografie im Detail lesetauglich – gut, weil die Texte als englischsprachige, wissenschaftliche Diskurse den Leser herausfordern.
Der Satz ist wissenschaftlich, das Seitenlayout klassisch. Dabei sind die Einzüge ungeschickt groß und unkoordiniert und die Stege unausgegoren.
Die Artikel sind bebildert, das stärkt den Informationsquotienten. Die Bebilderung nutzt den Raum angemessen – mehr als es der Text tut. Wunderbar ist die Ausstattung des Buches auf der Informationsseite: aussagekräftiges Inhaltsverzeichnis, die Aufsätze enthalten Fußnoten und umfangreiche Quellenverzeichnisse, die Autoren sind beschrieben, Abbildungs- und Literaturverzeichnis runden das Buch ab.

Hier und da tauchen Bildstrecken auf, mit ganzseitigen Abbildungen. Sie illustrieren das Ganze vielleicht, ihre Bedeutung erschließt sich mir aber nicht. Ich mag Adrian Frutiger, der etwas Weltall in seinen Händen hält. Ich mag nicht das Kind mit den blinden Augen, das eine Tafel Schokolade liebt, die in einen Typometer-Umschlag gehüllt ist.

In den Umschlagklappen innen (engl. flap) befindet sich ein Glossary. Wie genau diese Anordnung zu nutzen ist, finde ich bei slanted: man klappe die flaps heraus und lasse sie beim Lesen geöffnet. Das ergibt eine Art Altar. Dieser zeigt eine kleine »Vokabelsammlung« – eine Aufzählung von Schulen, Museen, Forschungseinrichtungen zum Thema. Fachbegriffe sind ca. 10 zu finden. Also klappe ich die Altarflügel wieder ein.

Das Buch stellt eine Landkarte der Schweizer Design-Geschichte vor mit Fragestellungen nach dem Zusammenhang von Landschaftsmalerei und Souvenir. Die Geschichte der Kunstgewerbeschule Zürich und ihrer Nachfolgerinnen, Archive und Sammlungen werden erörtert, das Kuratieren von Design-Ausstellungen, Type Design-Ausbildung, schwierige Jahre der schönsten Bücher – um nur einige der Themen zu nennen.
Es sind wissenschaftliche Erörterungen, die – nicht unüblich – akribisch ins Detail gehen. Sie sind nicht aufbereitet für den »Alltagsdesigner«.

Die Designforschung – als geisteswissenschaftliche Forschung – lehnt sich hier weit zurück und betrachtet mit großem Abstand Themen, die dem Design vielleicht gar nicht zu Gute kommen, eher der Kulturwissenschaft oder der Kunstgeschichte. Design ist (so gut wie) Kunst, das scheint auch hier die Grundannahme zu sein.
Benähme sich die Designforschung als Ingenieurswissenschaft, dann würde vielleicht die Wirkung eine Rolle spielen, ihre Mehrwerte, die Präzisierung der Maßnahme. Das würde von den Artefakten wegführen, auch von den Designerinnen oder Designern als Schöpfer. Schade? Nein, sicher nicht.

Fornari, D.; Lzicar, R. (Hrsg.):
Mapping Graphic Design History in Switzerland. Bern;
Englisch
328 Seiten,
160 × 240 mm 
ca. 100 Abbildungen und 3 Bildessays 
Klappenbroschur
39. Euro
ISBN 978-3-03863-009-8
Triest Verlag, 2016