Die Nummer 3 von Neuwerk, einer Zeitschrift für Designtheorie, erschien zum Thema design + Dilettant = Dilemma. Zunächst muss natürlich (mehrfach) der Begriff Dilettant geklärt werden. Und gleich fällt auf, wie falsch der Begriff gemeinhin benutzt wird. Dilettant wird oft mit Murks gleich gesetzt. Und Murks gibt es ja auch in der Branche des Öfteren.

Das klingt zunächst sehr interessant, wobei der Versuch, der Zeitschrift einen dilettantischen Auftritt zu geben, eher als Gescheitert gesehen werden kann (Titelseite hinten statt vorn, gelbe Headlines). Mara Recklies rehabiliert in einem Beitrag den Dilettantismus im Design und stellt den Dilettant dem Experten gegenüber. Der Experte spezialisiert sich auf ein Spezialwissen und Können, der Dilettant beschäftigt sich mit großer Hingabe an ein Thema, jedenfalls so im 19. Jahrhundert. Heute hat sich der Gebrauch des Begriffs etwas geändert. Der Designer lässt sich wohl kaum durch Genialität und wahre künstlerische Begabung vom Dilettant trennen. Ein Rest von Dilettantismus ist bei Designern vorhanden, da das Studium nur eine Hinführung zu den Themen erlaubt, Experte auf allen Fachgebieten zu sein ist kaum möglich.

Julia Meer betont in. Ihrem Beitrag den Wert des Dilettantismus für die moderne Typografie. Zum Beispiel waren die Pioniere der modernen Typografie keine Experten, sondern eher Dilettanten, nimmt man Jan Tschicold davon aus. Moholy-Nagy, Schwitters, Renner, Doesburg, El Lissitzki oder Bayer kamen alle aus anderen Berufen. Die Fachwelt reagierte natürlich mit Unmut, dass ihnen die Revolution von außen aufgedrängt wurde. Die Buchdrucker und Schriftsetzer waren viel stärker von der englischen Reformbewegung beeinflusst.

Achtenswerte Dilettanten im Grafikdesign untersucht Philie Delekta. im Prinzip unterscheidet sie zwischen Hobbygrafikern mit meist monotonem Nachahmungstrieb und den professionellen Grafikdesignern. Sie übernimmt den Ausdruck U- und E-Grafik. Allerdings besteht im Unterschied zum E-Designer beim U-Designer eine naive Offenheit, die bei Profis manchmal verschüttet wurde. Am Schluß beschreibt Delekta den druchaus dilettantischen Werdegang von Carson, der sogar die gesamte Grafikwelt stark beeinflusst hatte, wenn auch nicht im Sinne einer Lesbarkeit sondern eher im Gegenteil dazu.

Sensationelles kommt also in diesem Buch nicht heraus, auch wenn es zu diesem Thema auf Giebichenstein zu einem intensiven Austausch kam.

Design + Dilettant = Dilemma?
Zeitschrift für Designwissenschaft
Heft 3, 2012
Form + Zweck, Berlin 2012
Www.formundzweck.de
ISBN 878-3-935053-72-3
10 Euro